Trotz Abfangjägern
Gebäude der NATO und EU gegen Terror ungeschützt

"Wir wissen, dass wir angreifbar sind", heißt es aus dem Hauptquartier des westlichen Verteidigungsbündnisses.

dpa BRÜSSEL. Die Machtzentralen in der europäischen Hauptstadt Brüssel können von Glück sagen, dass sie sich bislang nicht im Fadenkreuz gut organisierter Terroristen befunden haben. Die Hauptquartiere der NATO und der Institutionen der Europäischen Union wären jedenfalls gegen Flugzeuganschläge wie in New York oder Washington nahezu ungeschützt. Daran können auch vier stets für den "Katastrophenfall" bereit stehende Kampfflugzeuge der belgischen Luftwaffe nichts ändern.

"Wir wissen, dass wir angreifbar sind", heißt es aus dem Hauptquartier des westlichen Verteidigungsbündnisses. Die NATO - Zentrale liegt in unmittelbarer Nähe des internationalen und einzigen bedeutenden belgischen Flughafens Brüssel-Zaventem. Hunderte von Passagiermaschinen überfliegen täglich in niedriger Höhe direkt das Herzstück der Allianz, in dem rund 3 000 Menschen arbeiten. Die Einflugschneisen führen aber auch quer über zentrale Stadtteile, wo sich das Europaviertel mit den Gebäuden der EU-Kommission, des EU- Rates und des Europäischen Parlaments befinden.

Plan für den Fall der Fälle

Tatsächlich gibt es von der belgischen Regierung einen Plan für den Fall der Fälle. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Brüssel stehen seit Jahren rund um die Uhr vier Kampfflugzeuge - (derzeit vom Typ F-16) bereit, um im Ernstfall einzugreifen. Würde also ein Passagierflugzeug entführt und es ergäben sich Hinweise auf ein geplantes Attentat wie in den USA, könnten die F-16 aufsteigen. "Wenn es die Regierung befiehlt, schießen wir das Flugzeug ab", wird ein Oberst der belgischen Luftwaffe in der Zeitung "Het Laatste Nieuws" zitiert.

Der Befehl zum Abschuss muss aber direkt vom Verteidigungsminister kommen. Innerhalb von 15 Minuten nach Auslösung eines entsprechenden Alarms wären die belgischen Kampfpiloten in der Luft, heißt es aus dem Ministerium. Ob das reicht, ist allerdings fraglich. Denn ein Passagierflugzeug ist nach dem Abheben in Zaventem binnen Minutenfrist über der NATO und bräuchte nur wenig länger bis zum Zentrum der EU.

Im Hauptquartier des Verteidigungsbündnisses gibt man sich aber eher gelassen. "Es gilt derzeit Sicherheitsstufe Alpha", heißt es aus NATO-Kreisen. Dies bedeutet lediglich erhöhte Wachsamkeit und damit eine Verstärkung der Wachposten. Eine Sperrung des Luftraums über der Hauptstadt kommt jedenfalls nicht in Frage. Denn einen vollwertigen Ausweichflughafen für Brüssel-Zaventem gibt es in ganz Belgien nicht.

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