Trotz anhaltender Rabattschlachten vergeht Kunden die Lust auf Neuwagen
Wachstumsaussichten auf US-Automarkt sinken

Mit einer Welle von Kaufanreizen ist es in den USA gelungen, den Absatz von Neuwagen in diesem Jahr bislang relativ stabil zu halten. Dadurch vorgezogene Käufe belasten künftig die Nachfrage.

cn/hz/hof PARIS/FRANKFURT. Selbst mit Zaubermitteln wie Rabatten, kostenlosen Sonderausstattungen und zinslosen Finanzierungen sind die US-Autokäufer nicht mehr zu den Händlern zu locken. Während die Sonderangebote bis in den Sommer hinein für eine robuste US-Nachfrage sorgten, deuten erste Schätzungen für den September auf eine deutliche Abschwächung hin. Die saisonbereinigten Zuwachsraten gehen zurück, obwohl der September 2001 nach den Anschlägen in New York bereits extrem schwach war. Das prognostizieren die Autoexperten von J.P. Morgan. Sie rechnen für das Gesamtjahr nun mit einem Rückgang der Verkäufe in den USA, für 2003 allerdings mit einer Stabilisierung knapp über diesem Niveau. Das Marktforschungsinstitut Autofocus und Goldman Sachs erwarten dagegen auch für 2003 eine weiter sinkende US-Nachfrage.

Im Vergleich dazu zeigen sich die Unternehmensvertreter auf dem Automobilsalon in Paris zuversichtlich: "Dieses Jahr wird einen Gesamtabsatz von weit mehr als 16 Millionen Fahrzeugen und damit nur einen geringen Rückgang bringen, und auch für 2003 bin ich zuversichtlich, dass sich der US-Markt auf dieser Höhe halten wird", sagte General-Motors-Finanzchef John Devine dem Handelsblatt. Kurzfristige Gefahr sieht er allerdings bei einem Krieg gegen den Irak: "Aber auch damit werden wir leben können, wenn es ein kurzer Militärschlag wird", zeigt sich der Finanzchef der Opel-Mutter selbstbewusst.

Mit steigenden Marktanteilen und Gewinnen rechnen trotz der prekären Lage fast alle der großen Hersteller: "Der Marktanteil, der im laufenden Jahr auf knapp 29 % gestiegen ist, soll weiter wachsen", betont Devine. Ähnlich optimistisch ist man beim amerikanischen Arm von Daimler-Chrysler. Chrysler-Chef Dieter Zetsche kündigte in Paris auch für das dritte und vierte Quartal dieses Jahres Gewinn an. "In der Summe sind wir aber vorsichtig optimistisch", sagte er dem Handelsblatt. Im ersten Quartal war Chrysler mit 127 Mill. Euro wieder in die schwarzen Zahlen gelangt, im zweiten Quartal konnte Zetsche sogar 788 Mill. Euro Gewinn nach Stuttgart melden. Auch den Marktanteil in den USA will Zetsche mittelfristig weiter steigern.

In die Offensive gehen will Chrysler im Pkw-Segment. Aus dieser Sparte kommen die meisten der 21 Neuheiten, die das Unternehmen in den kommenden drei Jahren vorstellen will. Die Kosten sollen unter anderem durch den Austausch von Teilen zwischen Mercedes und Chrysler sinken. So stecken im neuen Chrysler Crossfire 40 % Mercedes-Teile - ein Anteil, der allerdings "höher ist als das, was wir auf Dauer erwarten können", so Zetsche.

Auch die amerikanische Ford Motor Co. verkündet in Paris positive Nachrichten. Der Absatz im vierten Quartal werde wahrscheinlich leicht über den bisher geplanten 960 000 Wagen liegen, sagte ein Sprecher. Unternehmenschef William Clay Ford hatte Mitte September überraschend einen "bescheidenen Gewinn" für das Gesamtjahr angekündigt. Dafür muss das Unternehmen künftig aber noch stärker auf die Kostenbremse treten, wie Nick Scheele, für das operative Geschäft verantwortlich, kürzlich in New York einräumte. Ford will bis 2005 bei jedem produzierten Fahrzeug 700 Dollar sparen.

Verantwortlich für den Druck auf der Kostenseite sind vor allem die Sonderverkaufsaktionen. VW-Chef Bernd Pischetsrieder will bei diesem Preiskrieg nicht mitmachen: "Ich verkaufe lieber ein paar Autos weniger, bevor ich mir den Markt ruiniere", beteuerte er gegenüber dem Handelsblatt. Auch bei Chrysler sieht man die Lage skeptisch: Zetsche will sich dem Preiskampf stellen, "aber ganz sicher keine Fahrzeuge mit negativen Deckungsbeiträgen verkaufen". Ein Ende der Rabattaktionen sieht GM-Vertreter Devine nicht: "Sie werden auch im nächsten Jahr fortgesetzt."

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