Trotz baldiger Auflösung belasten noch immer Insiderhandel, Insolvenzen und Kurskapriolen
Dem Neuen Markt braucht niemand eine Träne nachzuweinen

Lobend ist von einem Plus von weit über 30 % die Rede, das der Nemax All Share-Index schaffte, seitdem Ende September seine Auflösung im kommenden Jahr bekannt gegeben wurde.

FRANKFURT/M. Auch wird auf die stetige Qualitätsverbesserung des einstigen Wachstumssegments durch den Weggang oder die Insolvenz vieler Unternehmen hingewiesen. Gerade jetzt, wo so viele positiven Anzeichen zu beobachten sind, sei die Auflösung ein Fehler, glauben bereits manche.

Wer so denkt, der hat entweder einen verklärten Blick oder er missachtet die Realität. Immerhin befassen sich seit der angekündigten Auflösung kaum noch Analysten und noch weniger Investoren mit dem Segment als solches. Bestenfalls Einzelwerte erscheinen interessant. Das dürfte auch der Grund dafür gewesen sein, warum zuletzt etliches der breiten Masse verborgen blieb.

Beispiel Insiderhandel: Hier fiel in der vergangenen Woche die Aktie der Schweizer Highlight Communications auf. Rückstellungen über 21,7 Mill. Euro für bereits abgeschriebene Forderungen an Kirch Media kann der Film- und TV-Rechtehändler wieder auflösen, da die Verträge nun doch erfüllt oder rückabgewickelt werden. Schön für Highlight, die zwei Tage, nachdem entsprechende Gerüchte kursierten, ihre Planzahlen nach oben anhoben. Weniger schön war jedoch, dass die Eidgenossen dies einzig auf die positive Entwicklung in den ersten neun Monaten zurückführten. Vom unerwarteten Geldregen aus Rückstellungs-Auflösung war in den offiziellen Ad-hoc-Mitteilung keine Rede. Wer aber den Gerüchten Glauben schenkte und sofort reagierte, konnte einen Gewinn von über 20 % einstreichen. Die breite Masse der Anleger, die leer ausging, schüttelt jedoch ob solcher Vorkommnisse den Kopf und verweist in solchen Fällen auf das schlechte Image des Neuen Marktes.

Ähnliches Spiel Anfang November bei Adva. Der Ausrüster für optische Netzwerke konnte im dritten Quartal seinen Verlust deutlich reduzieren. Das katapultierte die Aktie bereits am Tag vor der offiziellen Bekanntgabe um 75 % nach oben. Gewöhnlich betrachtet dann die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) diese Fälle, so auch bei Adva. Die Überprüfung ist hier allerdings noch nicht abgeschlossen und dürfte auch noch dauern. Doch egal, wie die Sache ausgeht: Der oft zitierte Vertrauensverlust für den Neuen Markt ist nicht zu stoppen.

Auch die Deutsche Börse will von ihrem einstigen Aushängeschild inzwischen kaum noch etwas wissen. Vielmehr verwendet man im Moment sehr viel Zeit darauf, die neue Indexwelt anzupreisen. Kommt dabei die Rede auf den Neuen Markt, merkt man den Betroffenen die Erleichterung über das baldige Ende an. Zu sehr haben gerade im laufenden Jahr das leidvolle Gezerre um die Penny- Stock-Regel, der Kursverlust von über 60 % sowie die insgesamt 25 Insolvenzen an den Nerven gezerrt.

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