Trotz Beschwichtigungen
Bankentitel weiter auf Talfahrt

Investoren haben die deutschen Bankentitel ungeachtet von Stabilisierungsbemühungen der Institute, Experten und von Aufsichtsseite weiter in den Keller getrieben. Im Vordergrund standen dabei Commerzbank und Deutsche Bank.

vwd FRANKFURT/M. Die Talfahrt setzte sich trotz Mahnungen von Bundesbank-Präsident Ernst Welteke und Bankenverbands-Präsident und Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Rolf Breuer vom Montag fort. Beide hatten sich am Montag Abend in Frankfurt bemüht, den Spekulationen über eine deutsche Bankenkrise mit deutlichen Worten entgegenzuwirken. Es gebe keine solche Bankenkrise, so die beiden Spitzenbanker.

Auch nach Einschätzung von Professor Wolfgang Gerke vom Lehrstuhl für Bank- und Börsenwesen an der Univerisät Erlangen-Nürnberg befinden sich die deutschen Kreditinstitute nicht in einer existenziellen Systemkrise, sondern in einer harten Ertagskrise. "Aber eine Bankenkrise im eigentlichen Sinne, wo man sagen müsste, hier ist eine ganze Branche gefährdet, das haben wir nicht, und das dürfen wir auch nicht herbeireden, das wäre unverantwortlich", sagte Gerke.

Beim Bundesfinanzministerium (BMF) hieß es ebenfalls, es sei überzogen, von einer dramatischen Lage im Bankgewerbe zu sprechen. Trotz dieser Bemühungen rauschten die Aktienkurse erst recht in den Keller. Händler führten dies darauf zurück, dass der Markt solche Beschwichtigungen und Dementis nicht mehr wahrnehme und sich alleine auf negative Nachrichten konzentriere - ungeachtet deren tatsächlichen Wahrheitsgehalts.

So stehen Deutsche Bank unter anderem wegen einer angeblichen kommenden Gewinnwarnung im Minus, obwohl das Institut zu keiner Zeit eine konkrete Ergebnisprognose abgegeben hatte. Händler und Beobachter messen diesem Gerücht deshalb kaum Wahrheitsgehalt zu. Ähnliches verlautete aus Institutskreisen. Die Deutsche Bank stehe aber als Einzelwert wie kein anderer Titel als Symbol für die Deutschland AG, hieß es. Wenn sich ausländische Investoren aus dem hiesigen Markt zurückziehen, werden eben zuallererst Deutsche-Bank-Aktien verkauft, wie ein Beobachter formulierte.

Commerzbank unter Druck

Noch mehr geprügelt als die größte europäische Bank wurde indes die direkte Nachbarin Commerzbank. Seit Ende September reißen die Spekulationen um Liquiditätsprobleme, unerwarte hohe Verluste in einem Geschäftsbereich und eine zu niedrige Kernkapitalquote nicht ab und treiben die Aktie auf neue Tiefststände. Beobachter vermuten, dass hinter der Summe der Ereignisse um die Commerzbank durchaus ein konkretes Interesse stehen könnte. "Das sieht verdächtig so aus, als wolle jemand die Commerzbank übernahmereif schießen", hieß es in Finanzkreisen. Auch das Institut selbst vermutet Wettbewerber hinter so manchem gestreuten Gerücht und spricht von "Konkurrenzschelte".

Seit Tagen werden die Spekulationen zurückgewiesen, ohne damit bislang großen Erfolg auf den Kursverlauf zu nehmen. "Manchmal hat man fast den Eindruck, da will jemand zum Beispiel die Commerzbank kaputt machen", pflichtet auch Gerke bei. Selbst die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) ist aufmerksam geworden. Die Behörde hat eine Voruntersuchung wegen möglicher Kursmanipulationen bei der Commerzbank-Aktie eingeleitet. Es bestehe der Verdacht, dass jemand die Aktie der Commerzbank bewusst durch Gerüchte-Streuung "in den Keller" treiben wollte, bestätigte eine BAFin-Sprecherin.

Ein weiterer Belastungsfaktor für den Commerzbank-Aktienkurs sind die Herabstufung zweier wichtiger Ratings der Commerzbank durch die Agentur Standard & Poor's. Die Agentur begründet dies jedoch mit dem abgeschwächten Geschäft und dem verschlechterten Risikoprofil in einem schwachen konjunkturellen Umfeld und distanziert sich davon, dass die Spekulationen um die Finanzlage des Instituts in die Neubewertung eingeflossen sein könnten.

Die Aktien der Commerzbank notierten am Mittwoch Nachmittag mit minus 2,8 Prozent bei 5,15 Euro. Seit Jahresbeginn haben die Titel damit mehr als zwei Drittel ihres Wertes eingebüßt. Die Aktien der Deutschen Bank verloren 4,5 Prozent auf 36,05 Euro, was einem Rückgang von mehr als 50 Prozent seit Januar entspricht. Die Titel der HypoVereinsbank haben seit Jahresbgeinn ebenfalls rund zwei Drittel ihres Wertes verloren.

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