Trotz Börsenkrise sind Verkaufs-Optionsscheine kaum gefragt
Anleger wetten weiter auf steigende Kurse

Seit rund 16 Monaten befinden sich die Aktienkurse im Sinkflug. Doch nur wenige Anleger haben auf die Dauer-Baisse mit dem Kauf von Put-Optionsscheinen reagiert, obwohl mit Wetten auf sinkende Kurse viel Geld zu verdienen gewesen wäre.

DÜSSELDORF. Rund 93 % der Umsätze bei Aktienenoptionsscheinen entfielen im ersten Halbjahr auf Calls. "Die Menschen denken eben lieber positiv", sagt Jahn Ludwig von der Optionsscheinbörse Euwax, die etwa 80 % des Börsenumsatzes mit Optionsscheinen auf sich vereinigt.

Die generelle Vorliebe für Kauf- Optionsscheine ändert allerdings nichts daran, dass die Umsätze mit den heißen Papieren in den ersten sechs Monaten des Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 45 % eingebrochen sind. Kleiner Lichtblick: Der Absatz ist immer noch größer als 1999. Einige Häuser sprechen bereits von einem "Jammern auf hohem Niveau". In bestimmten Sektoren verlief der Rückgang auch nicht ganz so dramatisch. Optionsscheine auf Aktienindizes verkauften sich in der Baisse weitaus besser als Papiere auf Einzelaktien - ein Trend der nach Aussage der meisten Emittenten anhält. Anleger trauen sich offenbar eher eine Prognose über den Verlauf des Gesamtmarktes zu als sich bei Einzelwerten festzulegen.

Anleger bereit zu investieren

Die meisten Optionsscheinhäuser üben sich in Optimismus. "Die Anleger haben sich von dem Segment nicht abgewandt, sondern sind bereit zu investieren, wenn der Markt dreht", sagt Dirk Heß vom Branchenprimus Citibank. Wie er warnen aber viele Beobachter davor, bei einem Anspringen der Börse, sofort mit vollem Engagement in Optionsscheine zu investieren. "Der Versuch, in wenigen Wochen die Verluste des ganzen Jahres zu kompensieren, geht bestimmt schief."

Auch bei der Société Générale (SocGen) rät man eher zu einer vorsichtigen Vorgehensweise. Expertin Esther Benamou empfiehlt, den Großteil der Anlagesumme so in fest verzinsliche Papiere zu investieren, dass am Ende der Laufzeit der Gesamtbetrag wieder komplett auf dem Konto des Anlegers zusammen kommt. Mit dem Rest des Geldes können Investoren dann ihr Glück am Optionsscheinmarkt versuchen.

Kurzfristige Spekulationen gefragt

Neben Index-Wetten sind momentan auch kurzfristige Spekulationen auf stark schwankende Aktien gefragt. "Das Interesse konzentriert sich auf wenige Papiere", sagt Christine Dillinger von der Bank BNP. Zu den Spitzenreitern zählen Scheine auf SAP, Aixtron, Infineon, Nokia und Siemens. Vor besonderen Ereignissen rücken jedoch auch andere Basiswerte in den Blickpunkt. So dürften sich nächste Woche etwa Papiere auf Cisco Systems steigender Beliebtheit erfreuen. Das Unternehmen legt am Mittwoch nach US-Börsenschluss Quartalszahlen vor. Der Ausblick auf das Geschäftsjahr dürfte nicht nur die Aktie selbst sondern auch den gesamten Technologiesektor beeinflussen. Wer mit Optionsscheinen auf kurzfristige Schwankungen wetten will, sollte grundsätzlich zu Papieren greifen die über eine kurze Restlaufzeit verfügen und "am Geld" liegen - dies bedeutet, dass der Kurs des Basiswertes nahe am Basispreis ("Strike") des Optionsscheines liegt.

Bewegung könnte auch in den Biotechwert Qiagen kommen. Das Nemax-50-Schwergewicht legt am Montag Zahlen für das zweite Quartal vor. Anlegern, die auf erneut positive Nachrichten setzen wollen, empfiehlt die Deutsche Bank einen Call mit Fälligkeit 21.12.2001 und Basispreis 30 ? (WKN 689 568), ein ähnlich ausgestattetes Papier hat auch Sal. Oppenheim im Angebot (WKN 755 896).

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