Trotz Börsenkrise und Asbestklagen
Wallenberg glaubt an ABB

Von der derzeitigen Börsenkrise lässt sich der schwedische Investor Jacob Wallenberg nicht einschüchtern. Wallenberg, der über die Holding Investor an nahezu allen namhaften schwedischen Unternehmen beteiligt ist, hat seinen Anteil am Industriekonzern ABB trotz aller Probleme sogar noch aufgestockt.

STOCKHOLM. Einer der einflussreichsten schwedischen Industriellen, Jacob Wallenberg, bleibt trotz der Kursstürze an den Börsen, der Krise beim schwedisch-schweizerischen Anlagenbauer ABB und tiefroter Zahlen beim schwedischen Telekommunikationsriesen Ericsson Optimist. "Ich glaube, die Grundpfeiler unserer vor 85 Jahren gegründeten Holdinggesellschaft Investor stehen auch noch in den nächsten 85 Jahren", sagt Wallenberg in einem Gespräch mit dem Handelsblatt.

Das Wallenberg-Imperium, dessen einflussreichste und prominenteste Vertreter heute Jacob und dessen Cousin Marcus Wallenberg sind, ist über Investor an nahezu allen namhaften schwedischen Konzernen beteiligt. Der Einfluss erstreckt sich auf Unternehmen wie Atlas Copco, Ericsson, Electrolux, SKF, die Bank SEB und die SAS.

Trotz der Liquiditätskrise und der noch nicht geklärten Asbest-Schadenersatzforderungen in den USA hat die Wallenberg-Holding ihren Anteil an ABB von 5 auf knapp 7 % erhöht. "Wir haben einen Maßnahmenkatalog präsentiert, der Verkäufe von Unternehmensteilen umfasst, damit wir unsere Kredite amortisieren können. Allein aus dem Verkauf von Structured Finance an General Electric erhielten wir mehr als zwei Milliarden Dollar", sagt Wallenberg und preist den neuen ABB-Chef, den deutschen Manager Jürgen Dormann: "Die langfristige Geschäftsentwicklung, die Jürgen Dormann verfolgt, hat unsere volle Unterstützung."

Gleichzeitig räumt er ein, die Lösung der ABB-Krise werde "eine Zeit dauern". Dass der Expansionsdrang in den vergangenen Jahren eine Ursache für die Krise des Konzerns gewesen sein kann, bestreitet Wallenberg. "Wir haben die amerikanische Combustion Engineering vor 13 Jahren übernommen. Damals kannten wir die Asbestprobleme, konnten aber die Größenordnung der Kosten nicht vorhersehen, denn die Gerichte haben vor drei Jahren ihre Bewertung revidiert."

Der 46-Jährige, der im Aufsichtsrat bei ABB, SAS, Electrolux und Atlas Copco sitzt und dem Aufsichtsrat der Bank SEB vorsteht, ist mit dem Engagement seiner Bank in Deutschland zufrieden. "Unser Ziel ist der Ausbau des Asset Managements", sagt er. Der Marktanteil von etwa 1 % solle ausgebaut werden. "Kleinere Aufkäufe sind zur Komplettierung denkbar, aber wir werden in Deutschland keine großen Übernahmen tätigen", sagt Wallenberg.

Die von der EU geplante Übernahmerichtlinie sieht er nicht als Gefährdung für das type="person" value="Wallenberg, Jacob">Wallenberg-Imperium. "Wir brauchen eine Übernahmerichtlinie", sagt er, betont aber gleichzeitig, dass das schwedische System mit stimmrechtstarken A-Aktien und weniger einflussreichen B-Aktien Übernahmen bislang nicht verhindert habe.

Der Schlüssel der Wallenbergschen Macht liegt in den A-Aktien. Bei Ericsson hält Investor rund 5 % des Kapitals, hat aber 39 % der Stimmen. "Ericsson ist aber das einzige Beispiel", sagt Wallenberg. Tatsächlich hatte sich die Familie auf Druck der übrigen Aktionäre zu einer Gleichstellung der Stimmrechte bei SKF und Electrolux bereit erklärt. Und bei Ericsson ist ein Komitee eingesetzt worden, das die Stimmrecht-Frage klären soll. "Wir wollen einen ausreichenden Anteil der Stimmen und/oder des Kapitals haben, so dass wir unsere Stimme hörbar machen können. Wir wollen aktiv in den Vorständen mitarbeiten, das bleibt unser grundlegendes Prinzip", sagt Wallenberg. type="person" value="Wallenberg, Jacob" />

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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