Trotz der Ausstiegsoption gilt die Übernahme des US-Telekomanbieters durch die Deutsche Telekom als sicher
Voicestream hat keine Alternative

Analysten sind sich einig: Die Deutsche Telekom wird den Telekomanbieter Voicestream übernehmen ? wegen des Mangels an anderen Interessenten und wegen der schwachen Geschäftsentwicklung des US-Unternehmens.

NEW YORK. Es gibt derzeit keine Hinweise, dass die Aktionäre des US Voicestream Wireless Corp. -Mobilfunkanbieters wegen des gefallenen Aktienkurses der Deutschen Telekom AG auf neue Verhandlungen drängen. ?Voicestream hat keine Alternative zur Deutschen Telekom", sagt ein Fondsmanager, der sowohl T-Aktien als auch Voicestream-Anteile hält, dem Handelsblatt. An der Wall Street herrsche weiter Zuversicht, dass die geplante Übernahme von Voicestream Mitte des Jahres abgeschlossen wird.

Die Frage nach einem Ausstieg des US-Mobilfunkers oder einer Neuverhandlung des Vertrages stellt sich, weil der Kaufvertrag eine Klausel, die Voicestream eine der beiden Alternativen ermöglicht, wenn der Durchschnittskurs der T-Aktie in den 15 Tagen vor Abschluß der Übernahme unter 33 Euro liegen sollte. Am Freitag beendete die T-Aktie die Handelswoche mit einem Kurs von 26,50 Euro.

Mit solchen Klauseln sichern Unternehmen bei einer Übernahme mittels Aktientausch ihren Aktionären einen bestimmten Preis. Würde der Kurs der Telekom also unter der 33-Euro-Schmerzgrenze bleiben, könnte Voicestream einen höheren Preis aushandeln oder einen anderen Partner suchen, der einen höheren Preis zu zahlen bereit ist.

?Es gibt für Voicestream aber keine anderen Kaufinteressenten?, sagt der Fondsmanager. Als die Voicestream-Übernahme im vergangenen Jahr verhandelt wurde, habe noch der japanische Mobilfunkanbieter NTT DoCoMo um das US-Unternehmen mitgeboten. DoCoMo ist mittlerweile aber beim drittgrößten US-Mobilfunker AT&T Wireless eingestiegen. Auch die führenden regionalen US-Telefongesellschaften wie Verizon oder SBC Communications haben mittels Partnerschaften ihr Ziel erreicht, ein flächendeckendes nationales Mobilfunknetz zu schaffen. ?Wenn diese Regionalgesellschaften Voicestream übernehmen würden, gebe es nur Schwierigkeiten mit den Kartellbehörden?, ergänzt Analystin Rosemarie Kalinowski von der Kreditbewertungsagentur Standard & Poor's, die ebenfalls keinen Grund sieht, warum Voicestream die Fusion platzen lassen sollte. Das Unternehmen sei auf einen finanzstarken Partner angewiesen, der die Expansion vorantreiben kann.

Die Deutsche Telekom finanzierte bereits die Übernahme des kleineren US-Mobilfunkanbieters Powertel und die Gebote von Voicestream bei der jüngsten Auktion von Mobilfunklizenzen in den USA.

Auch weil die Geschäftsentwicklung von Voicestream zu wünschen übrig lasse, kann das Unternehmen nach Ansicht von Analysten nur schwerlich einen höheren Preis verlangen. ?Im vergangenen Quartal hat Voicestream seine Ziele deutlich verfehlt", resümiert Analyst Timothy O'Neil von der Investmentbank Wit Soundview. Damit stehe der Telekomanbieter in der Branche ziemlich allein da. Voicestream habe weder beim Zuwachs neuer Kunden noch bei der Kostenkontrolle überzeugt. ?Voicestream-Aktionäre können glücklich sein, wenn sie den gebotenen Preis bekommen?, sagte O'Neil. Der Aktienkurs des Unternehmens werde derzeit nur von der erwarteten Fusion gestützt.

O'Neil und eine Reihe seiner Kollegen haben die Prognosen für Voicestream zurückgestuft, nachdem das Unternehmen im vergangenen Quartal einen Verlust von 807 Mill. $ ? 3,49 $ je Aktie ? ausgewiesen hatte. Voicestream-Chef John Stanton hat in einer Konferenz mit Analysten die starke Beziehung zur Deutschen Telekom ausdrücklich betont. Trotzdem schließt Analyst Kevin Calabrese von der unabhängigen Analyse-Gesellschaft Argus Research nicht aus, dass die Konditionen in einigen Monaten neu verhandelt werden. Laut Calabrese werde das von der finanziellen Situation der Deutschen Telekom abhängen. So kann sich der Analyst eine zu hohe Verschuldung der Telekom als Grund für einen Rückzug von Voicestream vorstellen. Entscheidend für die Unternehmen sei aber nicht die kurzfristige Schwankung des Aktienkurses, sondern der Sinn der langfristigen Strategie ? und die wird an der Wall Street nicht in Frage gestellt.

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