Trotz der Kritik
Scharon kündigt weitere Liquidierungen an

Israel will ungeachtet der scharfen internationalen Kritik an der versuchten Tötung des Hamas-Führers Abdel Asis Rantisi die Liquidierungen fortsetzen.

HB/dpa JERUSALEM/RAMALLAH. Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon sagte am Mittwoch, Israels Politik bleibe unverändert. "Die Armee wird weiterhin überall gegen den Terrorismus vorgehen." Aus israelischen Sicherheitskreisen verlautete, keiner der Hamas-Führer sei von nun an tabu, selbst der Organisationsgründer Scheich Ahmed Jassin stelle ein mögliches Ziel dar.

Scharon weist Kritik zurück

Während einer Kabinettssitzung in Jerusalem wies Scharon die massive Kritik aus aller Welt zurück und sagte, er sehe die Militäroperationen nicht als Hindernis für eine Friedenslösung. Sie verbesserten sogar die Chancen für einen Frieden, weil es keine Fortschritte bei den Verhandlungen geben könne, solange der Terror andauere. Scharon betonte, er habe den USA und den Palästinensern noch vor dem Gipfel in Akaba klar mitgeteilt, dass er "im Kampf gegen den Terror zu keinen Kompromissen bereit" sei.

Israelische Kampfhubschrauber hatten am Dienstag den Fahrzeugkonvoi von Rantisi mit mehreren Raketen beschossen. Er entkam leicht verletzt. Drei Palästinenser - darunter eine Mutter und ihre kleine Tochter - wurden getötet und 60 Menschen verletzt. Drei weitere Zivilisten, darunter ein Kind, wurden kurz darauf getötet, als Soldaten ein Stadtviertel nordöstlich von Gaza beschossen. Die Armee antwortete damit auf den Beschuss der israelischen Stadt Sderot mit fünf Kleinraketen des Typs "Kassam".

Die Palästinenser reagierten mit heller Empörung auf die neuen Militäraktionen und warfen Israel vor, die Verwirklichung des internationalen Nahost-Friedensplans zu torpedieren. US-Präsident George W. Bush äußerte sich "zutiefst besorgt", unterstrich jedoch seine Entschlossenheit, den Weg zum Frieden im Nahen Osten fortzusetzen.

Ägypten um Entspannung bemüht

Auch der ägyptische Geheimdienstchef Omar Suleiman bemühte sich am Mittwoch während eines Besuchs in Ramallah um eine Beruhigung der gespannten Lage in den Palästinensergebieten. Er traf mit Palästinenserpräsident Jassir Arafat, Ministerpräsident Mahmud Abbas und Sicherheitschef Mohammed Dachlan zusammen. Anschließend verließ der Arafats Hauptquartier mit einem Brief an den ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak.

Mubarak forderte Scharon am Mittwoch dringend dazu auf, mit Abbas zusammenzuarbeiten. Dies sei absolut notwendig, um Frieden und Stabilität im Nahen Osten zu erreichen, sagte er in Kairo. Er sei schockiert über den Attentatsversuch gegen Rantisi, sagte Mubarak und rief beide Seiten auf, die Spirale von "Gewalt und Gegengewalt" zu beenden.

Geheimdienstchef Suleiman, der sich seit längerem um eine Waffenruhe zwischen Hamas und Israel bemüht, will jetzt eine massive Racheaktion der radikal-islamischen Gruppe und eine weitere Eskalation der Gewalt zu verhindern. Rantisi und andere Hamas - Mitglieder hatten blutige Rache und Attentate auf Mitglieder der israelischen Führungsspitze angekündigt.

Nach israelischen Medienberichten hat Israel den USA inzwischen Geheimdienstinformationen über eine angebliche Beteiligung von Rantisi an der Planung von Anschlägen in Israel übermittelt. Den Berichten zufolge wurde der Raketenangriff auf den 52-jährigen Kinderarzt persönlich von Scharon und Verteidigungsminister Schaul Mofas genehmigt.

Auch israelische Medien kritisierten den Raketenangriff am Mittwoch einhellig. Die eher rechtsorientierte Zeitung "Maariv" titelte mit der fett gedruckten Frage "Warum jetzt?". Israelische Kommentatoren stellten die Liquidationen an sich sowie Angriffe auf politische Führer wie Rantisi in Frage.

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