Trotz eines Treffens in Eres
Tote und Verletzte nach Selbstmordanschlag in Israel

Ein Selbstmordattentäter hat sich am Sonntag im israelischen Kfar Saba in die Luft gesprengt und mindestens einen weiteren Menschen mit in den Tod gerissen. Rund 40 Menschen seien verletzt worden, teilte die Polizei mit. Zunächst bekannte sich niemand zu dem Anschlag.

rtr JERUSALEM. Israel machte die palästinensische Autonomie-Behörde für die jüngste Gewalttat verantwortlich. Ein Sprecher von Ministerpräsident Ariel Scharon sagte, letztlich laste alle Schuld an der Gewalt gegen Israel auf der Palästinenser-Regierung. Diese wies die Vorwürfe umgehend zurück. In der Nacht zuvor hatten sich beide Seiten zu Sicherheitsgesprächen getroffen.

Polizeikommandant Jehuda Bachar sagte im Rundfunk, der Anschlag habe sich um 09.10 Uhr (Ortszeit) an einer Bushaltestelle ereignet. Als ein Bus gestoppt habe, habe der Attentäter den Sprengsatz gezündet. Nach Krankenhausangaben wurden 41 Menschen verletzt, ein 15-Jähriger lebensgefährlich. Augenzeugen berichteten, Teile des Busses seien bei der Explosion weggeflogen. Körperteile eines Opfers seien auf ein anderes Fahrzeug geschleudert worden. Der Attentäter habe in einer Reihe von Menschen gestanden, die in den Bus steigen wollten. Als sich die Tür öffnete, habe der Täter den Sprengsatz gezündet, der an seinem Oberkörper befestigt gewesen sei.

Scharons Sprecher Raanan Gissin sagte, Israel unterscheide nicht zwischen Angriffen mit Mörder-Granaten auf seine Ortschaften und Selbstmordattentaten. Letzten Endes trage die Palästinenser-Regierung die Schuld an den Angriffen und Gewaltakten. Arafats Berater Tajeb Abdel Rahim sagte, solche Äußerungen dienten nicht der Sicherheit, sondern verschlechterten die Lage. Rahim bekräftigte die palästinensische Forderung, die Friedensgespräche mit Israel basierend auf dem Stand vor Beginn des Aufstandes fortzusetzen.

Hamas ruft zur Fortsetzung des Palästinenser-Aufstandes auf

Das 75 000 Einwohner zählende Kfar Saba nahe der Grenze zum Westjordanland war mehrfach das Ziel von Anschlägen militanter Palästinenser. Rund eine Woche zuvor hatte es zwei Explosionen in Kfar Saba gegeben, bei denen ein Mensch verletzt worden war.

Die radikal-islamische Hamas-Bewegung rief zur Fortsetzung des seit Ende September anhaltenden Palästinenser-Aufstandes auf. Ein Sprecher sagte, die Palästinenser hätten das Recht, sich gegen die israelische Besatzung ihrer Gebiete zu wehren. Die Hamas hatte nach der Wahl des rechtskonservativen Scharon zum Ministerpräsidenten im Februar mit Selbstmordanschlägen gegen Israelis gedroht. Ende März waren in Newe Jamin nahe Kfar Saba zwei israelische Jugendliche bei einem Selbstmordanschlag getötet worden. Bei dem Aufstand kamen bislang mehr als 460 Menschen ums Leben, die meisten von ihnen Palästinenser.

Auf langfristige Zusammenarbeit verständigt

In der Nacht zu Sonntag hatten Vertreter Israels und der Palästinenser über ein Ende der Gewalt in der Region beraten. Über den Verlauf der Gespräche machten beide Seiten widersprüchliche Angaben. Scharons Büro zufolge verliefen sie in überwiegend "guter und ernsthafter" Atmosphäre. Aus Palästinenser-Kreisen verlautete, es habe in den dreistündigen Gesprächen einige "scharfe Wortwechsel" zwischen Palästinensern und Israelis gegeben.

Scharons Büro teilte mit, beide Seiten hätten sich auf langfristige Zusammenarbeit verständigt. Zudem seien eine Reihe von Schritten für ein Ende der Gewalt und zur Lockerung der israelischen Blockade-Politik gegen die Palästinenser vereinbart worden. Der palästinensische Sicherheitschef, Abdel-Rasek el Madschajdeh, sagte, die Palästinenser hätten vergeblich die Wiedereröffnung des Flughafens von Gaza-Stadt und gesperrter Straßen gefordert.

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