Trotz Euro-Einführung
Deutsche Inflation sinkt offenbar überraschend deutlich

Die deutsche Inflation ist offenbar im Mai stärker gesunken als erwartet. Die Preise stiegen in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen (NRW) vor allem dank billigerer Energie und Lebensmittel langsamer und signalisierten damit auch für das ganze Land eine deutlich geringere Inflation.

Reuters FRANKFURT. Im Vergleich zum Vorjahresmonat seien die Preise in Baden-Württemberg nur noch um 1,5 nach 1,8 % im April gestiegen, teilte das Statistische Landesamt am Donnerstag mit. In NRW fiel die Teuerung auf 0,9 von zuvor 1,4 %. Volkswirte sehen damit ihre Einschätzung bestätigt, dass die Inflationsgefahren und damit die Chancen für eine frühe Leitzinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) abnehmen.

In Gesamtdeutschland werde die Inflationsrate im Mai wohl nur rund 1,2 % betragen, und nicht wie anfangs erwartet 1,4 %, sagten die Experten. Allerdings sei der Rückgang nur so kräftig, weil die Preise im Mai 2001 stark gestiegen waren und so die Statistik verzerrten. "Das sind recht erfreuliche Nachrichten von der Preisseite", sagte Analystin Manuela Preuschl von Deutsche Bank Research. "Die Diskussionen über die Teuerung können jetzt ad acta gelegt werden." Es gebe jetzt keinen Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB) für eine Leitzinserhöhung.

In Baden-Württemberg stiegen die Preise im Monatsvergleich um 0,1 %, in NRW blieben die Lebenshaltungskosten unverändert. In beiden Bundesländern fielen im Monatsvergleich vor allem die Preise für Energie. Besonders Heizöl verbilligte sich binnen Jahresfrist um rund ein Zehntel. Bei den Lebensmitteln gingen vor allem die Preise für Saisonwaren wie Frischgemüse im Jahresvergleich deutlich zurück. Die Kosten für Übernachtungen und in der Gastronomie stiegen indes rund vier Prozent zum Vorjahresmonat.

Volkswirte: Geringere Inflation trotz "Teuro-Diskussion"

Sowohl die EZB als auch die Bundesregierung hatten jüngst eingeräumt, die zu Jahresanfang spürbare Teuerung sei auch auf die Umstellung auf das Euro-Bargeld zurückzuführen. "Die Euro-Bargeld-Einführung wurde missbraucht, um die Preise zu erhöhen", sagte EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing am Mittwoch. Bundesfinanzminister Hans Eichel hatte angekreidet, manche Händler und Gastronomen hätten entgegen ihrer Selbstverpflichtung einzelne Produkte erheblich verteuert. Auch Bundeskanzler Gerhard Schröder und Verbraucherschutzministerin Renate Künast kritisierten, die Euro-Bargeld-Einführung sei zu Preistreiberei missbraucht worden.

Ein signifikanter Einfluss auf den Gesamt-Preisindex in der Euro-Zone sei aber nicht erkennbar, sagte EZB-Volkswirt Issing. Der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Johann Halen, sagte in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", vor allem die bargeldlos bezahlten Mieten seien stabil geblieben. Dies falle dem Verbraucher aber weniger auf als die teureren Brötchen, die er bar bezahle.

Am Freitag werden weitere Preisdaten aus Bayern, Sachsen, Brandenburg und Hessen erwartet. Aus den Zahlen der sechs Bundesländer berechnet das Statistische Bundesamt die vorläufige deutsche Inflationsrate für den laufenden Monat.

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