Trotz Friedensplans
Mazedonien ist auf dem Weg in den Kalten Krieg

Der Friede beginnt auch bei Rebellen mit einem Stempel. "Leje" (Erlaubnis) steht auf den albanischen Papieren, die vor dem Beginn der Entwaffnung im Hauptquartier der albanischen "Nationalen Befreiungsarmee" (UCK) in Sipkovica autorisiert werden. Die Kämpfer haben freie Tage und mit Genehmigung ihres Generalstabs den Weg aus den Bergen zurück in die Cafes der Stadt Tetovo angetreten.

dpa SIPKOVICA. Wachposten und UCK-Männer mit Aufgaben in Führung und Verwaltung sind aber weiter auf ihren Posten. Britische Jeepkolonnen kurven die Bergstraßen entlang oder parken vor Gebäuden, in denen sich die UCK eingerichtet hat. Hier wird um die Modalitäten der Waffenabgabe verhandelt, für die die NATO von Montag an Sammelstellen in den Rebellengebieten öffnen wird.

Die Albaner-Rebellen geben sich ganz auf Frieden und Erfüllung der Entwaffnungserklärung ihres politischen Führers Ali Ahmeti eingestellt. Andererseits betonen sie, dass der Kampf weitergehe. "Jetzt beginnt die Phase des Kalten Kriegs", sagt ein junger Mann, der im Zivilleben Computerexperte war. "Wir fürchten uns nicht." Psychologisch sind viele Albaner nicht auf die Weiterführung eines gemeinsamen Staates mit den slawischen Mazedoniern eingestellt.

"Die Waffen werden wie vereinbart abgegeben", versichert der UCK- Sprecher "Kommandant Gjini" aber. "Unsere Tendenz ist die Rückkehr zum normalen Leben, aber auf höherem Niveau." Er meint die Umsetzung des Friedensplans, der politische Reformen und mehr Rechte für die albanische Volksgruppe vorsieht.

Ein Prozess wie ein Puzzle

Dieser Prozess sei wie ein Puzzle, sagt der Rebellensprecher. "Wir legen einen Teil, die NATO legt ihre Stücke, die Mazedonier legen einen Teil. Das Mosaik kann als ganzes gelegt oder ganz zerstört werden. Vielleicht fehlen auch ein paar Teile und es wird sehr hässlich", sagte "Kommandant Gjini".

Schwere Schrammen hat das Bild schon abbekommen. Während die NATO in Mazedonien aufmarschiert, rollt in dem von der UCK kontrollierten Gebiet um die Stadt Tetovo eine Welle von Anschlägen an. Erstes Ziel war ein Gebäudes des historischen Klosterkomplexes in der Ortschaft Lesok. Am Freitag würde eine Werkstatt für die technischen Kontrolle von Autos in Tetovo zerstört. Am Sonntag wurde beim bisher schwersten Zwischenfall seit dem Einmarsch der NATO das Motel "Brioni" bei Tetovo gesprengt - zwei mazedonische Wachleute starben.

Ethnische Vertreibung befürchtet

Ein westlicher Diplomat, der an der Friedensvermittlungen beteiligt ist, fürchtet, im Schatten der NATO-Mission könne eine ethnische Vertreibung der slawischen Mazedonier aus den Rebellengebieten einsetzen. Die Anschläge seien womöglich Auftakt dazu. Noch sei der Kampf für den Erhalt Mazedoniens aber nicht verloren.

Auch in den mehrheitlich von Albanern bewohnten Gebieten sind ganz unterschiedliche Meinungen zum Zusammenleben mit den Mazedoniern vertreten. Aber es gibt die offenen Nationalisten, die "die Slawen" bis nach Bulgarien vertreiben wollen.

Und ein junger Mann in Rebellenuniform, der schon im Kosovo und in Südserbien gekämpft hat und jetzt an der albanischen Militärakademie studieren will, sagt: "Ich habe noch zwei Wege zu gehen." Er meint von Albanern beanspruchte Gebiete in Montenegro und Griechenland. "Das bin ich meinem Volk schuldig."

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