Trotz gegenläufiger Meinungen: Praktikanten haben gerade für junge und kleine Unternehmen einen hohen Wert
Praktikanten: Große Hilfe für kleines Geld

Manche Unternehmen fühlen sich belästigt von den Anfragen nach Praktikumsplätzen. Da möchte jemand, von dem zu Beginn schon feststeht, wann er das Unternehmen wieder verlässt, die wertvolle Zeit der Mitarbeiter verschwenden, interessante Aufgaben will er auch noch haben und überhaupt - was haben wir denn davon?

DÜSSELDORF. So denken nicht nur Abteilungen in großen Unternehmen, sondern häufig findet sich diese Haltung auch bei jungen Gründer. Denn bei ihnen ist Zeit das knappste Gut. Dabei haben Praktikanten gerade für junge und kleine Unternehmen einen hohen Wert.

Ein pfiffiger Praktikant ist wie ein Mitarbeiter von der Zeitarbeitsfirma. Er ist flexibel einsetzbar, bringt möglicherweise Kenntnisse aus vergleichbaren Unternehmen mit und kostet erheblich weniger. Damit schont ein Praktikant zweifellos das Personalbudget jeder Gründerfirma. Diesen Preisunterschied muss das Unternehmen eben durch eine Zeitinvestition in die Betreuung ausgleichen. Anders als der Zeitarbeiter hat Ihr Praktikant Sie ausgesucht und kommt mit einer hohen Motivation und einer großen Leistungsbereitschaft. Er oder sie möchte nicht nur arbeiten und einen geregelten Acht-Stunden-Tag absolvieren, sondern Ihr Unternehmen und Ihre Branche kennen lernen. Dabei ist für viele ein hohes Engagement selbstverständlich. Gerade in der Startphase eines Unternehmens bringen Praktikanten oft innovative Ideen mit. Sie sind nicht durch die starre Struktur eines Konzerns geprägt und reagieren daher oft flexibel und lösungsorientiert - genau das Richtige für ein Startup.

Doch wie kommt ein kleines, weniger bekanntes Unternehmen überhaupt an Praktikanten? Ein Rat: über das Internet. Nahezu jeder Student ist heute online. Es gibt eine Vielzahl von Praktikumsbörsen, die stark frequentiert sind. Alle großen Jobmärkte im Internet veröffentlichen auch Pratikumsangebote, im Gegensatz zu Stellenausschreibungen sind die Gesuche dort fast immer kostenlos.

Mit dieser Liste haben Sie eine gute Abdeckung:

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www.stepstone.de

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www.wiwo.de,
www.praktika.de,
www.unicum.de,
www.praktikumsstellen.de,
www.jungekarriere.com.

Zusätzlich gibt es eine Reihe von speziellen Studentenplattformen (z.B. www.bigredonline.de für Wirtschaftswissenschaftler) und branchenspezifische Angebote (z.B. www.wuv.de für die Werbe- und Agenturszene). Da fast jeder dieser Jobbörsen mittlerweile auch Inhalte an andere Websites verkauft, erreichen Sie mit einer Ausschreibung in der Regel mehrere Plattformen. Reicht Ihnen das noch nicht aus, können Sie auch Aushänge an Universitäten und ein Angebot ans Arbeitsamt geben.

Wichtig bei der Ausschreibung: Stellen Sie Ihr Unternehmen klar und nicht zu knapp dar. Vermeiden Sie nichts sagende Formulierungen wie "Markführendes IT-Unternehmen mit internationaler Ausrichtung bietet...". Beschreiben Sie möglichst konkret, warum gerade bei Ihnen ein Praktikum besonders interessant sein wird. Zum Beispiel, weil Sie gerade ein Messeprojekt haben, das der Praktikant organisieren soll. Versuchen Sie auch, näher zu beschreiben, was der Praktikant bei Ihnen genau machen kann.

Reden Sie auch über Geld. Studenten absolvieren Praktika in der vorlesungsfreien Zeit, in der viele normalerweise jobben, um das Studium zu finanzieren. Eine Entlohnung versteht sich von selbst - getreu der Weisheit: Was nichts kostet, ist nichts wert. Der Lohn sollte zwischen 500 und 1 200 Mark liegen. Können Sie nicht viel zahlen, sollten Sie wenigstens Fahrt- und Mietkosten für die Dauer des Praktikums erstatten.

Steht Ihr Praktikant dann hochmotiviert vor der Tür, kümmern Sie sich um ihn. Erstaunlicherweise investieren Firmen viel Mühe und Geld, um Mitarbeiter zu gewinnen, behandeln Sie aber bei Jobbeginn recht stiefmütterlich, nach dem Motto: "Da muss man durch, mir hat damals auch keiner gezeigt, wo der Kopierer steht." Stimmt, aber waren Sie nicht frustriert? Frust ist kein guter Motivator.

Nehmen Sie sich daher an den großen Konzernen ein Beispiel. Firmen wie Siemens oder Henkel haben das Potenzial von Praktikanten längst erkannt. Sie suchen daher sorgfältig aus und versuchen, gute Praktikanten langfristig zu motivieren und an das Unternehmen zu binden. Für Konzerne steht dabei ein Aspekt im Vordergrund: Künftige Mitarbeiter zu rekrutieren. Das Unternehmen lernt die Persönlichkeit und die Leistungsfähigkeit über einen längeren Zeitraum genau kennen. Gleichzeitig kann auch der Student seine Vorstellungen von seinem künftigen Arbeitsplatz überprüfen. Ist das Ergebnis für beide Seiten positiv, bleibt die Bindung auch im weiteren Studienverlauf erhalten. So betreut beispielsweise Henkel seine Studenten auch nach dem Praktikum. Regelmäßige Infos zum Unternehmen und Einladungen zu Veranstaltungen knüpfen ein festes Band. Der Anruf der Personalabteilung ein halbes Jahr vor dem Examen wird zur Formsache.

Ganz ähnlich können Startups vorgehen. Binden Sie gute Praktikanten frühzeitig an sich. Nennen Sie Ihrem neuen Mitarbeiter einen festen Ansprechpartner. Dieser Mentor sollte den Praktikanten inhaltlich begleiten. Damit hat der Mentor auch die Aufgabe, zu Beginn und mindestens zum Ende des Praktikums ein Feedback-Gespräch zu führen. So erfährt er, was gut und was schlecht gelaufen ist. Nutzen Sie Praktikanten, um von einem Außenstehenden mehr über Ihr Unternehmen zu lernen. Im schlimmsten Fall bekommen Sie eine ehrliche Rückmeldung über Prozesse, die nicht vernünftig laufen. Im besten Fall gewinnen Sie einen neuen loyalen Mitarbeiter.

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