Trotz guter Zahlen
Ökonomen zweifeln an Erholung in Lateinamerika

Obwohl sich die Wirtschaftsdaten zahlreicher lateinamerikanischer Länder im April positiv entwickelt haben, bleiben die meisten Analysten skeptisch.

vwd NEW YORK. So hat zwar die Industrieproduktion in Mexiko, Brasilien, Chile und Peru zwar einen überraschenden Zuwachs ausgewiesen. Doch haben die Experten von UBS Warburg ihre Projektion für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für 2002 in Lateinamerika auf 0,7 % von 1,1 % zurückgenommen. "Die Region als Ganzes wächst kaum", sagt Lateinamerika-Experte Javier Kulesz und verweist auf das hohe Zinsniveau und die schwindenden Auslandsinvestitionen.

Überdies lasteten politische Risiken auf dem Raum, urteilt Kulesz. Insbesondere die Unsicherheit wegen der brasilianischen Präsidentschaftswahlen im Oktober und die Furcht vor einem Übergreifen der Argentinien-Krise auf die Nachbarländer böten wenig Anlass zur Hoffnung. Die Analysten vowPBear Stearns stimmen in den kritischen Kanon ein. Sie werden ihre Prognosen zum Ende des zweiten Quartals überprüfen und "wahrscheinlich nach unten revidieren", so die Ankündigung des Lateinamerika-Analysten Tim Kearney.

Ermutigende Signale aus Mexiko

Nach Ansicht der Ökonomen präsentiert sich die Region bei näherem Hinsehen aber durchaus heterogener als die Prognose für den gesamten Raum suggeriert. So gebe es durchaus Länder, aus denen ermutigende Signale wahrzunehmen seien. An der Spitze dieser Gruppe sehen viele Experten Mexiko. Die Industrieproduktion des Landes wies im April erstmals seit 15 Monaten einen Zuwachs auf und konnte mit einem Plus von acht Prozent auf Jahressicht die Konsensschätzungen von zwei Prozent weit hinter sich lassen. Experten erachten den Aufschwung als Folge der Erholung in den USA, denn 80 % der mexikanischen Exporte gehen in das nördliche Nachbarland.

Ökonomen erwarten das mexikanische Wachstum 2002 bei zwei Prozent, nachdem im Vorjahr noch ein Minus von 0,3 % ausgewiesen worden war. Auch die brasilianischen April-Daten sorgten für eine angenehme Überraschung an den Märkten. Das Plus der Industrieproduktion lag hier gegenüber dem Vorjahr bei sechs Prozent, während die Prognosen von einem Prozent ausgegangen waren. Doch angesichts der politischen Unsicherheiten und der Schuldenlast bleiben Zweifel, auch wenn die Prognosen gegenwärtig von einem Wachstum über 2,3 % ausgehen. Andere Länder mit guten Wachstumsraten, aber unklarer Perspektive sind Peru, Chile, Ecuador und Kolumbien.

Einigkeit herrscht darüber, wer die Verlierer der gegenwärtigen Entwicklung sind: Argentinien und Venezuela. Beiden Ländern fehle es an einer guten politischen Führung, urteilt ein Experte von Banc of America. Ohne eine gute Politik und mit einem Mangel an Kreditwürdigkeit sei ein Umschwung schwierig. Für die Wirtschaft des krisengeschüttelten Argentinien wird 2002 ein BIP-Rückgang um etwa zehn Prozent erwartet. In Venezuela sei ein Umschwung ebenfalls nicht in Sicht, so lange der gegenwärtige Präsident Hugo Chavez im Amt ist. Trotz der relativ festen Ölpreise erwarten Volkswirte, dass die Wirtschaft des Landes 2002 um 3,5 % schrumpfen wird.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%