Trotz hoher Förderquoten bleibt der Rohölpreis stabil
Kriegsangst stützt Ölnotierung

In den vergangenen Wochen ist die Quotendisziplin im Kartell zunehmend lascher geworden.

DÜSSELDORF. Auf den Ölmärkten hält die Nervosität an. Auf der einen Seite halten die Opec-Staaten ihre Rohölförderquote von 21,7 Mill. Barrel pro Tag (b/d) zwar nicht ein und überziehen ihr Angebotslimit deutlich. Doch sorgen niedrige Lagervorräte in den wichtigsten Verbraucherländern und der steigende Winterbedarf für eine Eindeckungswelle. Die Rohölpreise liegen daher nach wie vor relativ hoch, nicht zuletzt, weil die Furcht vor einer Eskalation in der Irak-Krise anhält. In der letzten Woche lag der Korbpreis für die sieben von der Opec ausgewählten Rohölsorten knapp über der 25-Dollar-Marke und traf damit den Zielwert der Mitglieder der Organisation Erdöl exportierender Länder.

Am nächsten Mittwoch treffen sich die Ölminister in Wien, um über ein neues Produktionsabkommen zu beraten. Hans W. Schiffer, Energieanalyst bei der RWE Rheinbraun AG in Köln, sagte dem Handelsblatt, die eher lasche Quotendisziplin des Kartells könne kurzfristig die Ölmärkte beruhigen. Erst längerfristig sorge sie für preisdrückenden Angebotsdruck, nämlich dann wenn der Irak-Konflikt einigermaßen friedlich beigelegt werden könnte. Aber wie auch immer die Auseinandersetzung mit Bagdad weitergehe, spätestens im Frühjahr mit einem saisonal schwächeren Weltölverbrauch müsse die Opec wieder mehr Quotendisziplin an den Tag legen.

Der Generalsekretär der Organisation, Alvaro Silva, hat bereits heute die "Überversorgung des Weltölmarktes" angemahnt. Heino Elfert, Herausgeber des Hamburger Fachblatts Energie-Informationsdienst (EID), sieht im Kartelllager erhebliche Konfliktpotenziale: Auf der einen Seite glaubten Länder wie Venezuela, dem Problem eines überversorgten Marktes kurzfristig durch größere Quotendisziplin beizukommen; auf der anderen Seite diskutierte man in Saudi-Arabien, dem mit Abstand wichtigsten Kartellmitglied, eine weitere Fördermengenverknappung. Eine weltweite Konjunkturerholung mit entsprechendem Ölnachfrageanstieg ist laut EID nicht in Sicht.

Bei einem nur noch schwach steigendem Weltölkonsum muss die Gruppe der Opec-10 - das elfte Kartellmitglied Irak ist von Quotenfesseln befreit - Marktanteile aufgeben, wenn die Ölpreise nicht den Preiskorridor von 22 bis 28 $/b verlassen sollen. Der Essener Energieprofessor Dieter Schmitt prognostiziert einen Preispfad im Bereich der 20-Dollar-Marke; es sei denn, es komme zu Lieferstörungen im Nahen Osten. Trotz der Expansion kartellungebundener Aufkommensquellen könne die Welt auf absehbare Zeit auf das Angebot der Golfanrainer nicht verzichten, resümiert Schmitt.

Auch die Internationale Energieagentur (IEA) sieht in einem ausreichenden Angebot aus dem Nahen Osten das Nadelöhr für die Weltölversorgung, und zwar kurz- bis längerfristig. Die Energy Information Administration des US-Departments of Energy geht im gerade veröffentlichten "Annual Energy Outlook 2003" sogar davon aus, dass auf einer global deutlich wachsenden Ölnachfrage die Opec-Förderung an konventionellem Rohöl von 28,3 Mill. b/d im Jahr 2001 bis 2025 auf 60,1 Mill. b/d klettern wird. Der Zuwachs im Nicht-Opec-Lager von 45,5 auf 58,8 Mill. b/d werde auf ein Wachstum von knapp 30 % begrenzt werden.

Auf kurze Sicht hilft dem Kartell der optimistische Absatzausblick aber wenig. Wichtige kartellungebundene Exporteure wie Russland, Norwegen und Mexiko werden nur dann durch Förderkürzungen Beistand leisten, wenn die Preise unter 20 $/b zu fallen drohen. Davon sind Schmitt und auch Schiffer überzeugt. Sollte der Risikoaufschlag durch die befürchtete Irak-Eskalation - in diesem Jahr bis zu 8 Euro/b -, in Richtung null gehen, werden die Opec - Staaten ihren Preiskorridor nur verteidigen können, wenn sie ihre Förderquote von 21,7 Mill. b/d voll einhalten und den Quotenüberschuss von über 3 Mill. b/d kurzfristig abbauen.

Wenig spricht laut Schmitt zurzeit auch dafür, dass der Irak nach einer erfolgreichen Disziplinierung seines Machthabers Saddam Hussein das Kartell verlassen könnte. Und nur bei einer koordinierten Drosselung der zehn Kartellmitglieder könne ein kräftig steigendes Angebot des elften Kartellmitglieds Irak ohne einen drastischen Preiseinbruch auf 15 $/b und weniger verhindert werden.

Quelle: Handelsblatt

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