Trotz Iraks Embargo
Ölpreis sinkt nach Israels Rückzug

Nach dem Teilrückzug der israelischen Armee aus zwei Palästinenser-Städten ist der Ölpreis am Dienstag gesunken. Dazu trug nach Angaben von Branchenanalysten auch die saudi-arabische Zusicherung bei, wonach die globale Ölversorgung durch den vierwöchigen irakischen Lieferstopp nicht gefährdet ist.

Reuters LONDON. Der Preis der führenden Nordsee-Ölsorte Brent mit Lieferung im Mai fiel bis zum Abend um fast einen Dollar auf 26,05 Dollar je Barrel, nachdem er am Montag nach der Embargo-Ankündigung des Irak bis auf 27,43 Dollar gestiegen war.

Der Iran ist derweil nach Angaben von Parlamentspräsident Mehdi Karrubi ebenfalls zu einem Lieferstopp an mit Israel befreundete Staaten bereit, falls andere Länder dies auch wollten. Die EU berief ihre Ölexperten für Donnerstag zu einem Treffen ein, um über die Ölpreisentwicklung und mögliche Maßnahmen zu beraten.

Der Teilabzug israelischer Truppen hat nach Angaben von Branchenanalysten im Ölhandel Hoffnungen auf eine Entspannung im Nahen Osten geweckt. "Der Ölmarkt hat diesen Schritt als Signal für einen Fortschritt bewertet", hieß es in einem Bericht des Forschungsinstituts GNI. Dies könnte sich schnell ändern, wenn sich die Hoffnungen auf eine Entspannung als falsch erwiesen.

US-Präsident George W. Bush äußerte die Einschätzung, dass die Öl-Produzierenden Staaten dem irakischen Beispiel nicht folgen werden. Der US-Präsident sagte auf einer Veranstaltung seiner republikanischen Partei am Dienstag in Greenwich: "Sie kennen meine Meinung über (Iraks Präsident) Saddam (Hussein), (...) die Welt wird ihm nicht folgen."

Irans Parlamentspräsident Karrubi sagte demgegenüber der amtlichen Nachrichtenagentur Irna, auch sein Land sei zu einem Lieferstopp bereit, falls andere Länder dies auch wollten. Der enge Vertraute von Präsident Mohhammad Chatami ging dabei nicht auf die Entscheidung des Irak ein. Welche Länder im einzelnen von einem möglichen iranischen Embargo betroffen sein könnten, sagte Karrubi nicht. Es solle die Länder treffen, die Israel unterstützten.

Der frühere Kriegsgegner Irak, der ohnehin von Sanktionen betroffen ist, hatte seine Lieferungen nach eigenen Angaben insgesamt gestoppt. Irak liefert täglich etwa zwei Millionen Barrel, was etwa vier Prozent des internationalen Ölhandels ausmacht. Der nicht-arabische Iran ist der zweitgrößte Rohölproduzent in der Opec.

Saudi-Arabien bemühte sich unterdessen, die Märkte mit der Zusicherung zu beruhigen, die weltweite Ölversorgung sei durch die Entscheidung des Irak nicht gefährdet. Ölminister Ali el Naimi sagte in einem Zeitungsinterview, der größte Ölproduzent der Welt werde dafür sorgen, dass die globale Ölversorgung gesichert sei. Opec-Generalsekretär Ali Rodriguez sagte, es gebe nach Einschätzung der Opec-Mitgliedstaaten derzeit keine Notwendigkeit, wegen des Lieferstopps des Irak die Ölproduktion zu erhöhen.

Die EU-Kommission setzte unterdessen für Donnerstag ein Treffen von Ölexperten aus verschiedenen Mitgliedstaaten an. Dabei sollen die Folgen der Entscheidung des Irak erörtert werden. "Der Barrel kostet immer noch rund 27 Dollar, was höher ist, als wir erwarten. Wir bevorzugen einen Preis von 20 Dollar pro Barrel", sagte ein Kommissionssprecher. Allerdings sei der derzeitige Preis nicht auf einem kritischen Niveau.

Neben der Nahost-Krise gebe es an den Ölmärkten weiter Sorgen über Lieferschwierigkeiten in Venezuela, hieß es in Branchenkreisen. Wegen eines eintägigen Streiks der Beschäftigten der staatlichen Ölgesellschaft PDVSA sei am Dienstag die Produktion in der größten Raffinerie des Unternehmens weitgehend lahm gelegt worden, sagte ein PDVSA-Manager. Dagegen versicherte Venezuelas Präsident Hugo Chavez, der Betrieb der Ölgesellschaft werde von dem Streik nicht beeinträchtigt. "PDVSA arbeitet mit 100 Prozent ihrer Kapazität", sagte er.

Die Produkte aus der größten PDVSA-Raffinerie Amuay-Cardon, wo täglich 960.000 Barrel Öl verarbeitet werden, werden in erster Linie in die USA geliefert. Etwa 15 Prozent der US-Ölimporte kommen aus Venezuela.

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