Trotz Juni-Auftragsplus Produktionsrückgang erwartet
Maschinenbauer werden pessimistischer

Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau rechnet trotz einer deutlichen Zunahme der Aufträge im Juni im Gesamtjahr mit einem stärkeren Produktionsrückgang als bisher.

Reuters FRANKFURT. Dies spiegele aber nur eine Verzögerung der Konjunkturerholung wider und keine Abkehr vom Aufschwungszenario, erklärte der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagebau (VDMA) am Dienstag in Frankfurt.

In der Branche seien im Juni zehn Prozent mehr Aufträge eingegangen als ein Jahr zuvor, teilte der Verband mit. Der Anstieg relativiere den Einbruch der Bestellungen im Mai, als die Branche noch ein Minus von 19 Prozent verbuchte. "Trotz der wieder besseren Auftragslage im Juni nimmt der VDMA seine Prognose für die Maschinenproduktion 2002 auf real minus vier Prozent zurück", hieß es weiter. Verbandspräsident Diether Klingenberg hatte eine Revision der Prognose bereits Mitte Juli angekündigt. Im September hatte der VDMA für dieses Jahr noch einen Rückgang von zwei Prozent erwartet.

Inlandsnachfrage besonders schwach

Der Verband begründete die Senkung der Prognose mit einer weiterhin schwachen Inlandsnachfrage. Aus konjunktureller Sicht lasse sich der Orderverfall nicht mehr erklären. VDMA-Konjunkturexperte Olaf Wortmann erklärte: "Hinter der Investitionsschwäche im Inland stecken strukturelle Ursachen." Das Auftragsplus im Juni wurde vor allem von der Nachfrage aus dem Ausland getragen. Hier seien die Auftragseingänge um 17 Prozent zum Vorjahr gestiegen, während die Inlandsbestellungen auf Vorjahresniveau verharrt seien.

Im weniger schwankungsanfälligen Zeitraum von April bis Juni gab es vier Prozent weniger Aufträge als ein Jahr zuvor. Drei Prozent mehr Bestellungen aus dem Ausland standen 13 Prozent weniger aus dem Inland gegenüber.

Verband hält am Konjunktur-Aufschwung fest

Trotz des pessimistischeren Ausblicks für das Gesamtjahr geht der Verband weiter von einer Erholung der Konjunktur aus. "Die Revision ist jedoch nicht gleichzusetzen mit einer grundsätzlichen Abkehr vom Aufschwungsszenario", stellte der VDMA fest. Nach Lage der Frühindikatoren bestünden weltweit gute Chancen auf ein baldiges Anziehen der Investitionstätigkeit. Nach den Worten Klingenbergs verzögert sich die konjunkturelle Erholung allerdings, und die Risiken einer ungünstigen Entwicklung sind größer geworden.

Auch Branchenexpertin Alexandra Hauser von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) sieht die Lage skeptischer als noch zu Jahresanfang: "Der erwartete Aufschwung dürfte später einsetzen und flacher ausfallen, als dies noch zu Jahresbeginn erwartet wurde", schreibt Hauser im Reuters-Branchenforum. Sie sieht den Maschinenbau durch sinkende Kapazitätsauslastung, den stärkeren Euro sowie schwache Investitionsneigung in der gesamten Industrie belastet.

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