Trotz Kritik wird Streik fortgesetzt
Streik kostet BMW 38 Millionen Euro Umsatz pro Tag

Die IG Metall hat am Freitag die Streiks in der ostdeutschen Metall- und Elektroindustrie trotz wachsender Kritik fortgesetzt. Insgesamt waren 11 000 Beschäftigte in 16 Betrieben in Sachsen, Berlin und Brandenburg zum Streik aufgerufen. Die Metall- und Elektroindustrie in Ostdeutschland zählt etwa 310 000 Mitarbeiter.

HB/dpa/rtr BERLIN/LEIPZIG/WOLFSBURG. Mit den Streiks werde die Zuverlässigkeit der Autozuliefer-Kette beschädigt, warnte der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer. "Damit werden BMW, aber auch die anderen Autohersteller, in Zukunft weitere Risikostreuungen in ihre Zulieferkette einbauen - zum Schaden der neuen Bundesländer." BMW hatte angekündigt, wegen der Streiks von Montag an die Produktion in Regensburg und München stoppen zu müssen. Ein Produktionsausfall der 3er-Reihe koste den Konzern etwa 38 Mill. Euro Umsatz pro Tag, schätzte der Professor für Automobilwirtschaft an der Fachhochschule Gelsenkirchen. Zudem würde die Einführung der 35-Stunden-Woche im Osten bei den deutschen Zulieferern den Kapazitätsausbau in Ost-Europa beschleunigen.

Bei anhaltendem Streik auch VW-Werk Wolfsburg betroffen

Auch Opel will nach Informationen der "Financial Times Deutschland" vom Freitag nicht ausschließen, dass man sich bei künftigen Investitionen gegen Ostdeutschland entscheiden könnte. Opel hat ein Werk in Eisenach. Sollte der Metaller-Streik länger dauern, wäre Ende kommender Woche auch das VW-Werk in Wolfsburg betroffen. Dann würden Teile aus dem ostdeutschen Werk Mosel für die Produktion von Golf und Lupo fehlen, sagte ein VW-Sprecher am Freitag. Die Situation könne sich aber schnell ändern. Bislang sei in den Werken Mosel und Chemnitz an 12 Tagen der vergangenen drei Wochen nicht gearbeitet worden. Normalerweise würden dort täglich 1 100 Passat und Golf sowie 3 200 Motoren gefertigt.

Ausgesetzt wurde unterdessen der Streik im GKN Gelenkwellenwerk Zwickau-Mosel. Von 10.00 bis 24.00 Uhr läuft in dem Betrieb eine Urabstimmung über den in der Nacht zu Donnerstag ausgehandelten Tarifvertrag für die 980 Beschäftigten.

Ausstand in Dresden unterbrochen

Ebenfalls unterbrochen wurde um 6.00 Uhr der Ausstand beim Autozulieferer Federal Mogul in Dresden. "Dies war so geplant, wir hatten den Streik von Dienstag bis Freitag ausgerufen", sagte Gewerkschaftssprecher Willi Eisele. Der Streik in dem Unternehmen hatte für besondere Schlagzeilen gesorgt, da die Unternehmensführung auf dem Luftweg die Streikposten vor den Werkstoren umging. Am Montag soll es in dem Unternehmen Verhandlungen über einen Haustarifvertrag geben, teilte die Gewerkschaft mit.

Metall-Arbeitgeber fürchten Investitionsverlagerung nach Streik

Der Verband der Sächsischen Metall- und Elektroindustrie fürchtet durch den Arbeitskampf um die 35-Stunden- Woche im Osten dauerhaften Schaden für die Region. "Wir befürchten, dass viele bei uns geplante Investitionen gestoppt und stattdessen in Osteuropa getätigt werden", sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Andreas Winkler, der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse" (Freitag). Dann werde der Osten noch Jahrzehnte Kostgänger des Westens bleiben.

Der Verband habe zum Beispiel Kenntnis von einem US-Autozulieferer, der in Sachsen 700 Arbeitsplätze schaffen wolle, wegen des Streiks aber die Investitionen ausgesetzt habe. "Den Amerikanern ist das zu suspekt", sagte Winkler.

"Streik schadet Wirtschaftsstandort"

Streit um die Streiks gibt es auch zwischen dem Land Sachsen und der IG Metall. Sachsens Wirtschaftsminister Martin Gillo (CDU) hatte der Gewerkschaft am Donnerstag vorgeworfen, dem Wirtschaftsstandort Ost durch den seit Wochen andauernden Streik geschadet zu haben. Die IG Metall wies dies zurück und forderte Gillo auf, sich aus dem Arbeitskampf herauszuhalten.

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