Trotz mancher Schwäche besiegt Zehnkämpfer Tom Pappas den Favoriten Roman Sebrle und wird Weltmeister
Pappas - der lausige Läufer

Tom Pappas ist ein ziemlich schlechter 1500-Meter-Läufer. Darauf setzte Weltrekordler Roman Sebrle. 4:20 Minuten hatte der Tscheche sich für diese quälenden 1500 m, die letzte Disziplin, vorgenommen. Seine letzte Chance auf die Goldmedaille im Zehnkampf bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Paris.

PARIS. Tom Pappas aus Azalea, Orgeon, lag in Führung nach neun Disziplinen, mit 179 Punkten. Trotzdem hätte Sebrle es schaffen können. Doch er lief viel zu schnell an, seine Schritte wurden schwerer. Er brauchte 4:34 Minuten, und hinter ihm schleppte sich Pappas mit nur zehn Sekunden Rückstand ins Ziel. Mit 8 750 Punkten verfehlte er seine eigene Bestleistung nur um 34 Punkte. Sebrle aber blieb mit 8 634 Punkten fast 400 Punkte unter seiner Bestmarke. Silber bei der WM, das ist bitter für einen, der mit 9 026 Punkten den Weltrekord hält. Und der noch nie Weltmeister war.

Pappas spricht mit Respekt und Bewunderung von Sebrle. Der 26-jährige US-Amerikaner suchte bis zur WM noch seine Rolle in der Zehnkampf-Szene. Er war lange verletzt und arbeitete sich langsam hoch. Im Winter wurde er Hallen-Weltmeister im Siebenkampf, schon damals besiegte er Sebrle. Der Tscheche wurde nur Dritter, aber er war leicht verletzt.

In Paris baute er mit jeder verpatzten Disziplin Pappas mehr auf. Dessen Wurfarm bereitete Schmerzen, doch er schleuderte den Speer 65,90 m weit. Und ausgerechnet im 1 500-m-Lauf quälte er sich zu einer neuen persönlichen Bestzeit. Sein Großvater war Berufscatcher und brachte die Enkel zum Sport. Vater Nick bekam als Einjähriger Kinderlähmung, "und weil ich nicht Sport treiben konnte, wollte ich, dass meine Söhne das für mich erledigen", sagte er.

Nick Pappas ließ in seinem Haus einen originalgroßen Catcher-Ring für seine drei Söhne einbauen. Tom catchte also, gewann mehrere Preise, wechselte aber nach der zehnten Klasse zu Football, Basketball und Hochsprung. Als Hochspringer war er gar nicht schlecht, aber für ein College-Stipendium an einer angesehenen Universität reichte es nicht. Er war ein dünner Kerl mit schlaksigen Armen, als er in Südkalifornien startete und Bill Webb auffiel, dem Cheftrainer der Universität von Tennessee. Er holte ihn zu seiner Trainingsgruppe nach Knoxville. Und Webb baute ihn zu einem Weltklasse-Zehnkämpfer auf - mit erstaunlichem Leistungssprung. Vor vier Jahren verbesserte Pappas seine persönliche Bestleistung von 7 677 Punkten auf 8 463. Und nun ist er Weltmeister.

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