Trotz Milliarden-Umsätzen
Ohne Mäzene geht im Reitsport nichts

Neue Serien, Sponsoren-Teams und Millionen- Preisgelder - der Reitsport wird immer professioneller und kommerzieller. Doch obwohl rund ums Pferd jährlich mehr als zehn Mrd. DM umgesetzt werden, sind weiterhin fast alle Topreiter auf die Unterstützung von Mäzenen und stillen Förderern angewiesen.

dpa HANNOVER. "Selbst unter den Top Ten könnten vermutlich einige nicht davon leben", sagt Springreiter Ludger Beerbaum, Titelsammler und Spitzenverdiener der Branche.

Drei Mill. DM (rund 1,53 Mill. Euro) hat Beerbaum in diesem Jahr an Preisgeldern kassiert und befindet sich damit auf den ersten Blick in einer Gehaltsklasse mit Bundesliga-Fußballern. Tatsächlich landet aber nur die Hälfte des Geldes in seiner Kasse. Die andere Hälfte geht an Madeleine Winter-Schulze (Mellendorf), der Beerbaums Spitzenpferde gehören.

Winter-Schulze ist dabei eine großzügige Förderin, denn sie müsste nichts abgeben. "Anspruchsberechtigt ist nicht der Reiter, sondern der Besitzer des Pferdes", erklärt Thomas Hartwig von den Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN). Der viermalige Olympiasieger Beerbaum muss trotz Winter-Schulzes freundlicher Unterstützung genau kalkulieren. Von seinem halbierten Preisgeld sind monatliche Kosten von rund 100 000 DM zu decken.

Das große Geld wird beim Reiten nicht im Sport, sondern mit dem Pferdehandel gemacht. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr gab es auf Turnieren in Deutschland insgesamt 55 Mill. DM Preisgeld zu gewinnen, doch allein bei der Auktion in Ankum ersteigerten die Bieter an einem Nachmittag Nachwuchspferde für 20 Mill. DM.

Eine halbe Milliarde DM wird jedes Jahr im Pferdehandel umgesetzt - mindestens. "Genaue Zahlen gibt es nicht", sagt FN- Sprecher Hartwig. Statistisch erfassen lässt sich lediglich, dass es zuletzt jährlich mehr als 30 000 Neuzulassungen bei den Turnierpferden sowie 17 000 Besitzerwechsel gab.

"Sport ist der Kraftstoff, der den Markt antreibt", sagt Hartwig. Auch Beerbaum verkauft nebenbei Pferde, macht mit seinem gesamten Betrieb in Riesenbeck insgesamt einen Umsatz von rund zehn Mill. DM. Neben den Pferden sind bei den Hengsten die Samen Handelsware. So muss etwa Mannschafts-Olympiasieger Otto Becker (Mühlen) seine beiden Top-Pferde Lando und Cento immer wieder zum Deckeinsatz abstellen. Andererseits wird das Sperma mit jedem sportlichen Erfolg wertvoller.

"Als Reiter ist man auch Unternehmer", sagt Beerbaum, der selber ein Dutzend Angestellte hat. Nur wenige Reiter wie Mannschafts- Olympiasieger Lars Nieberg (Homberg/Ohm), der Schwede Rolf-Göran Bengtsson oder der Belgier Jos Lansink sind angestellt.

Zu einer neuen Einnahmequelle für die Topreiter haben sich in letzter Zeit die Sponsorenteams entwickelt. Unternehmen wie Aegon (Versicherungen) und Ericsson (Kommunikaton) haben den Werbewert des Pferdesports für sich entdeckt und zahlen dafür sechsstellige Fixsummen an die Vertragsreiter. Die Sponsorenteams zeigen zugleich, wie wenig professionell der Reitsport noch ist. Die seit langem geplanten Wettbewerbe für Werkteams gibt es noch immer nicht.

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