Trotz neuer Harmonie
DFB bleibt bei Sponsoring Konkurrent der Clubs

Ausgerechnet Bundesliga-Krösus Bayern München darf sich für den verletzten Sebastian Deisler über viel Geld vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) freuen. Doch der verkündete Friede zwischen dem Verband und den Profi-Vereinen im Streit um lukrative Sponsoren und Werberechte steht erst noch auf dem Prüfstand. "Wir können uns nicht defensiv verhalten auf dem Sponsoren-Sektor", sagte DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt am Donnerstag.

HB/dpa FRANKFURT/MAIN. Auch für den weltgrößten Fußball-Verband gewinnen die Einnahmen durch Werbe-Partner eine immer größere Bedeutung, weshalb auch die von DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder den Vereinen zugesicherte "Rücksichtnahme bei Werbemaßnahmen" Grenzen haben dürfte. "Die Grundfrage, dass mit der Nationalmannschaft Werbung getrieben werden kann, ist nicht bestritten worden", strich Mayer-Vorfelder am Mittwochabend nach der mehrstündigen Sitzung der DFB-Spitze mit der "Arbeitsgruppe Nationalmannschaft" der Bundesliga in der Frankfurter DFB-Zentrale heraus.

Schmitt wies ebenfalls ausdrücklich darauf hin, dass die Vereine auch in Zukunft "kein Veto-Recht" in Sponsoren- und Werbefragen des Verbandes und ihrem Zugpferd Nationalmannschaft hätten. Nur weil zum Beispiel die Telekom der neue Hauptsponsor des FC Bayern ist und der Rekordmeister auf seinen Trikots mit "T-mobile" wirbt, wird der DFB nicht seine Gespräche über eine künftige Partnerschaft mit dem Telekom-Konkurrenten E-Plus einstellen. Allerdings ist verabredet worden, dass zukünftig das Gespräch gesucht werde, um bereits im Vorfeld von Vertragsabschlüssen drohende Konflikte zu entschärfen. "Der DFB hat sehr rücksichtsvoll reagiert", lobte Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge den Verband.

Kritisch wird es jedoch in der Praxis. Denn die Bayern-Partner Telekom und Audi sollen "total untersagt" haben, dass Münchner Spieler für ein Konkurrenzunternehmen zu Werbezwecken bereit stehen, wie Torhüter Oliver Kahn am Donnerstag im "kicker" publik machte. DFB-Hauptsponsor Mercedes wird aber auch in Zukunft kaum auf die besondere Werbekraft von Stars wie Kahn oder Michael Ballack im Nationaltrikot verzichten. Schmidt sagt, der Verband wolle "Rücksicht nehmen". Das gilt speziell dort, wo Einzelwerbung mit den Vereinsinteressen kollidieren.

Die Vereine stehen unter großem Druck, weil die Sponsoren-Gelder für sie existenzielle Bedeutung erlangt haben. "Wir haben im Bereich Fernsehen extrem Federn lassen müssen", betonte Rummenigge. Doch in Zeiten deutlich sinkender TV-Einnahmen verlangen Sponsoren als Gegenleistung für ihre Millionen-Zahlungen eine möglichst große Exklusivität bei Werbemaßnahmen. Beim DFB sind noch die TV-Gelder die Einnahmequelle Nummer eins, und Schmitt gibt sich zuversichtlich, dass der Verband nach Auslaufen des aktuellen Fernsehvertrages mit ARD und ZDF im Jahr 2004 ein neuer Kontrakt abgeschlossen werden kann, bei dem kein Verlust zu verzeichnen ist: "Ich gehe momentan nicht davon aus, dass der Vertrag heruntergefahren wird."

Die finanzielle Entschädigung im "Fall Deisler", die rund 500 000 ? betragen soll, rechtfertigte Mayer-Vorfelder als eine Lösung, "die den Interessen von Bayern München und dem DFB gerecht wird". Der Verband honoriert mit seiner freiwilligen Zahlung die "wichtige Rolle, die Bayern München seit Jahren in der Nationalmannschaft spielt", so Schmidt. Der Millionen-Schaden, der den Bayern durch den langfristigen Ausfall von Deisler, der sich beim Länderspiel am 18. Mai gegen Österreich erneut schwer am rechten Knie verletzt hatte, soll durch die Zahlung abgemildert werden.

So etwas gab es auch schon in der Vergangenheit. 1996 habe der DFB nach der schweren Knie-Verletzung des damaligen Dortmunders Steffen Freund bei der Europameisterschaft in England ebenfalls einen Betrag gezahlt, berichtete Schmidt. In der Größenordnung sei dieser aber mit der Deisler-Zahlung nicht vergleichbar. Im Zukunft soll ein noch besserer Versicherungsschutz der Nationalspieler auch solche Spezial- Fälle wie den von Deisler abdecken.

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