Trotz Prüfungsgesellschaften stand die Bankgesellschaft Berlin vor der Insolvenz
Der Fall Bankgesellschaft bleibt ungeklärt

Als das Desaster der Berliner Bankgesellschaft vergangenes Jahr unübersehbar geworden war, packte den damaligen Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) die Wut. Die dramatische Lage des Bankkonzerns sei "eine Bankrotterklärung der Wirtschaftsprüfer".

HB BERLIN. Die Rolle der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften stellen nicht nur unter Druck geratene Politiker, sondern auch Experten immer nachdrücklicher in Frage. Wie konnte es passieren, dass einige der größten Prüfungsunternehmen mit der Kontrolle der Bankgesellschaft und ihrer Töchter beauftragt waren - und das Geldinstitut dennoch scheinbar urplötzlich vor der Insolvenz stand?

Die wichtigste Rolle bei der Bankgesellschaft hatte wohl die BDO Deutsche Warentreuhand. Das Unternehmen prüfte von 1990 bis 1996 die Jahresabschlüsse der Landesbank Berlin (LBB). In diesen Zeitraum fiel 1994 die Gründung der Bankgesellschaft. Im schwierigen Fusionsprozess von Landesbank, Berlin-Hyp und Berliner Bank war BDO damit prominent platziert. Die weltweit aktiven Prüfer erhielten darüber hinaus den Auftrag, auch den Jahresabschluss des Konzerns Bankgesellschaft sowie der BGB-Tochter "Immobilien- und Baumanagement der Bankgesellschaft Berlin GmbH" (IBG) zu prüfen. Bis einschließlich 1996 kontrollierte BDO damit drei Jahre lang den wichtigsten Teil der BGB. Ab 1997 übernahm Price-Waterhouse-Coopers (PWC) die Prüfung der Konzernabschlüsse. KPMG war für die Landesbank zuständig, während BDO bis Ende 2001 die IBG kontrollierte.

Neben diesen Jahresabschlussprüfern waren weitere prominente Gesellschaften in der Bankgesellschaft aktiv: Arthur Andersen agierte als Prospektgutachter der IBG-Fonds. Mit Sonderprüfungen, die Arbeitsergebnisse vor allem der BDO immer wieder in Frage stellten, wurden besonders die drei bekannten Gesellschaften Ernst & Young, Fides Treuhandgesellschaft Reifenrath & Co. sowie Faselt & Partner-Mette beauftragt. Bis heute ist unklar, wie sich unter den Augen der drei großen Gesellschaften - und trotz warnender Sonderprüfungsberichte zusätzlich eingeschalteter Prüfer - das Berliner Bankdesaster entwickeln konnte.

BDO testierte uneingeschränkt


Die schwerste Belastung des BGB-Konzerns bilden die im Immobilienbereich aufgelaufenen Risiken. Die dafür verantwortliche IBG prüfte BDO - und testierte Jahr für Jahr uneingeschränkt. Deshalb wird die Rolle der BDO jetzt besonders kritisch betrachtet. Unklar ist darüber hinaus, welchen Anteil PWC sich an dem Bankskandal zuschreiben lassen muss. Hätte sie die BDO-Testate beziehungsweise die Jahresabschlüsse der IBG kritischer unter die Lupe nehmen müssen? PWC wies kürzlich die Verantwortung für die testierten IBG-Abschlüsse eindeutig zurück. Man habe sich auf die Bestätigungsvermerke der BDO verlassen müssen. Die oberste Banken-Kontrollbehörde, das Bundesaufsichtsamt für das Finanzdienstleistungswesen (BAFin, ehemals BAKred) hat BDO, KPMG und PWC heftig kritisiert. Intern wurden BDO "mangelhafte Prüfleistungen" attestiert. KMPG und PWC hätten, so eine BAFin-Mitarbeiterin, von der Behörde "im Grunde eine Abmahnung" erhalten: Weil sie bei den Banken Dinge als ordnungsgemäß testiert hätten, die tatsächlich nicht in Ordnung gewesen seien.

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