Trotz richterlichen Verbots zapft Karstadt-Quelle Hersteller von Konsumgütern an
Handel nimmt Lieferanten in die Zange

Die von der Flaute getroffenen Handelshäuser, allen voran der Karstadt-Quelle-Konzern, halten sich bei ihren mittelständischen Lieferanten schadlos. Und kommen dabei mit dem Wettbewerbsgesetz in Konflikt.

HB DÜSSELDORF. "Man hat uns die Pistole auf die Brust gesetzt", beschreibt der Geschäftsführer eines süddeutschen Elektroherstellers die jüngsten Verhandlungen mit dem Handelsriesen Karstadt-Quelle. Das Ergebnis ist für seinen Familienbetrieb bedrohlich: Mehr als 2 % Rabatt soll er auf die gesamten Karstadt-Umsätze des laufenden Jahres gewähren - und zwar rückwirkend ab dem 1. Januar 2002.

Das rechtskräftige Verbot, Lieferanten nachträglich mit Rabattwünschen zur Kasse zu bitten, schreckt die Karstadt-Quelle AG offenbar nicht. Seit wenigen Wochen machen die Einkäufer des Essener Handelskonzerns erneut die Runde bei mittelständischen Herstellern und Großhändlern, um sich bessere Lieferkonditionen zu verschaffen. Auch aus Österreich liegen dem Handelsblatt Informationen vor, nach denen Lieferanten nachträglich mit 2 % Rabatt zur Kasse gebeten werden. Dabei stellt Karstadt-Quelle die Forderungen ohne zusätzliche Gegenleistungen. "Ein solches Vorgehen widerspricht eindeutig dem deutschen Wettbewerbsrecht", verweist Gudrun Loewenheim, Juristin beim Markenverband, auf die aktuelle Rechtsprechung. Doch von rechtlichen Klagen einzelner Lieferanten weiß man bei Karstadt nach eigenem Bekunden nichts.

Noch Ende Januar hatte das Oberlandesgericht Hamm eine einstweilige Verfügung gegen Karstadt-Quelle bestätigt. Dem Handelshaus war zuvor vom Landgericht Essen untersagt worden, Lieferantenrechnungen mit dem Hinweis auf einen "Wachstums-Bonus" im Nachhinein pauschal um 2,5 % zu kürzen. Ein solches "Anzapfen", so die Richter, sei unvereinbar mit dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG). Aus dem jüngsten Gerichtsurteil hat Europas größter Warenhauskonzern seine Lehren gezogen. Als Grund für die Rotstiftaktionen nennen die Wareneinkäufer nun geldwerte Konzernleistungen - kleiner Schönheitsfehler: keine von ihnen ist neu. So soll der süddeutsche Elektrolieferant, der lieber anonym bleibt, neuerdings für die elektronische Datenübermittlung einen Nachlass von 0,5 % gewähren. Auch für die Belieferung des Zentrallagers verlangt sein mächtiger Kunde 1 % Rabatt, und selbst für die Verpackungsentsorgung wird dem Mittelständler rückwirkend zum Jahresbeginn die Rechnung gekürzt.

Einen anderen Lieferanten bittet der Konzern unverblümt mit dem so bezeichneten "Kooperationsvertrag Verkaufsfläche" zur Kasse. Hinter der wohlklingenden Überschrift verbirgt sich die Tatsache, dass die 189 deutschen Karstadt-Warenhäuser die Ware ab sofort nur noch auf Kommissionsbasis in ihren Verkaufsräumen präsentieren. Für den Verkaufsstand hat der Lieferant selbst zu sorgen, ebenso fürs "geeignete und geschulte" Personal. Karstadt zahlt ihm dafür keinen Cent, im Gegenteil. Der Lieferant garantiert den Essenern "eine standortspezifische Mindest-Concessionsgebühr". Geld sieht er für seine Ware erst dann, wenn diese im Einkaufskorb des Endkunden landet. Das verlängert nicht nur das Zahlungsziel und vergrößert den Finanzierungsbedarf, auch das Risiko des Ladendiebstahls wälzt der Konzern damit auf den Hersteller ab. Die Preisgestaltung hat der Lieferant dennoch nicht in der Hand. Sein Vertrag sieht vor, dass er "sich bzgl. einer eventuellen Rabattgewährung an die Firmenpolitik von Karstadt anpassen" wird.

Der Essener Konzern ist nicht das einzige Handelshaus mit fragwürdigen Einkaufsmethoden. Nach den phantasievollen Aktionen der Mülheimer Tengelmann-Gruppe, die unter anderem für den Wechsel in der Geschäftsleitung einen "JuniorRabatt" verlangte, ist auch die Metro AG ins Visier der Justiz geraten. Die Düsseldorfer müssen nach einem aktuellen Beschluss des Bundesgerichtshofs ihre Einkaufspolitik erneut auf den Prüfstand stellen lassen. Hintergrund: Vor vier Jahren hatte Deutschlands größter Handelskonzern den Wettbewerber Allkauf übernommen und dort teilweise günstigere Lieferantenkonditionen festgestellt. Einige Lebensmittel-, Putz- und Waschmittelhersteller mussten dem Konzern daraufhin nicht nur die jeweils niedrigeren Einkaufspreise einräumen, Metro bat sie zudem nachträglich um Ausgleichszahlungen. Das Bundeskartellamt witterte einen Missbrauch der Nachfragemacht und legte sein Veto ein - mit bislang ungeklärtem Ausgang.

Quelle: Handelsblatt

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