Trotz riesiger Verluste ziehen Anleger bislang nur wenig Geld ab
Einstieg in Neue-Markt-Fonds bleibt riskant

In einem Teil des vermeintlich sicheren Hafens der Fonds hat der Sturm über den Technologiemärkten immensen Schaden angerichtet. Trotz der niedrigen Aktienkurse rät zurzeit noch kein Experte zum schnellen Einstieg in Fonds, die hauptsächlich am Neuen Markt investiert sind.

DÜSSELDORF/FRANKFIURT/M. Noch immer gelten Fonds als sicherere Alternative für Anleger, die das Risiko der Investition in Einzelaktien scheuen. Dies gilt jedoch nicht für Branchenfonds und speziell für Fonds mit einem Investitionsanteil von mehr als 50 % am Frankfurter Neuen Markt. Das haben die vergangenen Monate gezeigt.

Selbst mit Indexzertifikaten wären Anleger nach einer Studie der Münchener Fondsberatung Fondsconsult zum Teil besser gefahren. Denn von den 14 untersuchten Anbietern, die zusätzlich zu ihrer hohen Investitionsquote im Frankfurter Wachstumssegment auch älter als ein Jahr sein mussten, schafften es über den Zeitraum von zwölf Monaten bei weitem nicht alle, besser als der Nemax-All-Share-Index abzuschneiden. Von April bis Ende Juni waren es gerade einmal noch drei Fonds, die den Index übertrumpften. Die Verluste gegenüber dem Sommer 2000 betrugen zwischen 50 % und 75 %.

Dennoch bleiben die Anleger den Fonds anscheinend treu: Trotz der Abwertungen verwalten die untersuchten Fonds noch immer ein Vermögen von knapp 1,3 Mrd. Euro. Die Mittelabflüsse beziffert Fondsconsult auf durchschnittlich etwa 7 % in den vergangenen zwölf Monaten. Manche der Gesellschaften berichten sogar von Zuflüssen. Allerdings kann sich zurzeit kaum eine Fondsgesellschaft durchringen, einen schnellen Einstieg zu propagieren. Zu unsicher sind weiter die Verhältnisse. Und das, obwohl die Gesellschaften durch Umschichtungen versucht haben, das Risiko zu minimieren.

Bei Julius Bär, wo das Perfomance-Desaster zur Trennung vom einstigen "Neuen-Markt-Star" Kurt Ochner geführt hat, mag man den Special German Stocks B nicht mal mehr als Neuer-Markt-Fonds titulieren, obwohl dort 55 % der Mittel investiert sind: "Der Fonds investiert in deutsche Midcaps und Smallcaps", sagte ein Sprecher. "Seit Frühjahr 2000 haben wir den Anteil an Werten aus dem Neuen Markt zurück gefahren, teilweise schnell genug, teilweise aber auch nicht", heißt es. Ein Sprecher des Bankhauses rät höchstens Anlegern "mit einer hohen Risikotoleranz", den Fonds als Depotbeimischung zu kaufen.

Peter Ott, Fondsmanager bei UBS, wird noch deutlicher: "Ich würde Anlegern raten, momentan eher keinen dieser Fonds zu kaufen." Die Liquidität von 18 % "zeigt unsere Skepsis gegenüber den Werten. Wir tun uns schwer, Unternehmen zu finden, die man bedenkenlos kaufen kann", räumt Ott ein. Von einer Erholung der Tech-Märkte werden seiner Meinung nach zuerst Amerika und dann die großen europäischen Technologieunternehmen profitieren. Auch Adig-Fondsmanager Kerstan von Schlotheim ist skeptisch: Zwar sei der Neue Markt bei einer vernünftigen Bewertung angekommen, er empfiehlt den Neuen-Markt-Fonds seines Hauses jedoch auch nur als "Beimischung".

Der Vorwurf, gerade die Fondsmanager hätten den Neuen Markt durch eine Verkaufslawine weiter in die Knie gezwungen, ist laut Fondsconsult-Geschäftsführer Michael Schmidt aber nicht gerechtfertigt: "Die meisten sind mittlerweile wieder zu 90 % bis 100 % investiert, es kommt höchstens zu Branchenrotationen." Allerdings hätten sich wohl Fonds, die Neuer- Markt-Aktien nur als Beimischung hielten, aus dem Segment verabschiedet. Eine Gefahr sieht Schmidt darin, dass die Privatanleger im Falle eines Aufwärtstrends aussteigen und damit die Fonds unter Druck setzen könnten.

Auch bei DWS ist das Vertrauen in den Markt nicht allzu groß. Von den Deutschlandfonds, die Werte des Neuen Marktes kaufen könnten, sei nur noch ein einziger dort investiert. Beim DWS Euroland Neue Märkte hielten sich Zu- und Abflüsse aber in etwa die Waage. Die grundsätzliche Strategie habe DWS in diesem Segment nicht geändert, allerdings habe sich die Gesellschaft auf weniger, aber qualitativ bessere Position zurückgezogen.

Eine destabilisierende Wirkung auf den Markt wird von den Gesellschaften aber bestritten. Invesco-Fondsmanagerin Regina von Hagen berichtet zwar über leichte Mittelabflüsse im Juli, über die vergangenen Monate habe der Neue-Märkte-Fonds jedoch Nettozuflüsse verzeichnet. "Natürlich haben wir kleinere Positionen abgebaut", die Gelder seien aber bei einem konstanten Kassenbestand von 5 % bis 10 % wieder investiert worden. Übergewicht habe nun der Technologiesektor. Finanzdienstleister und Internetwerte seien dagegen untergewichtet.

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