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Trotz schlechter Nachrichten: Wall Street fängt sich

Einige Konsum- und Technologie-Werte machten dem Markt am Mittwochnachmittag noch Mut: Die beiden großen US-Indizes hatten fast den ganzen Tag mit Verlusten gehandelt, schafften es nach einer ansehnlichen Rally aber zur Schlussglocke ins Plus: Der Dow Jones Index schloss mit sechs Punkten Gewinn auf 9894 Punkten, die Nasdaq legte neun Zähler zu und ging bei 2011 Punkten aus dem Handel.

Dass es wieder aufwärts ging, verdankt zumindest der Dow Jones den Aktien von Procter & Gamble sowie Intel. Procter & Gamble , der Hersteller von Windeln und Waschmittel, hat die Gewinnerwartungen für das zweite Quartal und das laufende Fiskaljahr 2002 angehoben. Die Analysten von Goldman Sachs empfehlen die Aktie zum "Kauf". Das Papier legte mehr als vier Prozent zu und zog auch die übrigen Hersteller von Konsumgütern mit sich: Clorox, Colgate-Palmolive und Dial schlossen alle mit Gewinnen.

Der Chipgigant Intel hat eine neue Software vorgestellt, mit deren Hilfe Computer räumlich sehen "lernen". Zwei Kameras und ein entsprechendes Raum-Programm eröffnen dem PC neue Möglichkeiten der Entfernungsmessungen, und Investoren scheinen von der Innovation angetan. Intel legte nach einem schwachen Start zu und schloss mit einem Plus von 2,6 Prozent.

Trotz allem überwogen zur Wochenmitte die schlechten Nachrichten. American Express hatte bereits am Morgen eine Gewinnwarnung ausgesprochen. Die Ausgaben der Kunden über Kreditkarten hätten dramatisch abgenommen - worunter auch die Reisebranche, die Hotels und Restaurants leiden. American Express hat die Erwartungen für das laufende Quartal von 40 Cents auf 34 Cents gesenkt. Außerdem sollen bis zu 6500 Mitarbeiter entlassen werden. Die Aktie verliert fast fünf Prozent.

Die Aktie von Merck konnte sich am Mittwoch nicht mehr fangen, sie verlor vier Prozent. Der Pharmakonzern hatte eine Gewinnwarnung ausgesprochen und Analysten dazu gebracht, die übrigen Unternehmen der Branche genauer unter die Lupe zu nehmen. Merck rechnet für das Jahr 2002 mit einem Nullwachstum, vor allem da zahlreiche Patente auslaufen und dem Unternehmen Konkurrenz seitens der Hersteller billiger Generika droht. Merck steht vor diesem Problem nicht allein.

Branchenweit laufen in den nächsten fünf Jahren Patente für Medikamente mit einem Jahresumsatz von insgesamt 34 Milliarden Dollar aus. Weitere Gewinnwarnungen erwarten die Experten von Bristol-Myers Squibb und Astro-Zeneca. Nur Pfizer scheint aus dem Schneider zu sein: Dem Viagra-Hersteller laufen bis 2005 gar keine Patente aus, an der Wall Street gilt das Unternehmen als das am besten positionierte. Pfizer verlor dennoch leicht, Astro-Zeneca ebenfalls. Mit mehr als sechs Prozent im Minus schloss Bristol-Myers Squibb. Das Unternehmen steht vor einer Klage von 29 US-Bundesstaaten, die dem Konzern vorwerfen, eigene Generika zu dem Antidepressiva BuSpar vom Markt gehalten zu haben, was Konsumenten Millionen Dollar gekostet hätte.

Enron verlor nach einer Klage der Gläubigerbank JP Morgan acht Prozent. Die Scherereien um den Energie- und Schlagzeilenlieferanten zogen auch den Sektor in den Keller: Wiliams, Duke und Dynegy schlossen nahe ihrer 52-Wochen-Tiefs. Die Aktie von Calpine konnte sich unterdessen erholen: Analysten hatten die Unternehmensstruktur Calpines zum Schrecken der Anleger mit der von Enron verglichen. Das Unternehmen dementierte offensichtlich überzeugend, Calpine schloss mit einem Plus von 2,6 Prozent.

Die Aktie von Compaq legte mehr als drei Prozent zu. Nach Kursverlusten seit dem "Nein" der Familien Hewlett und Packard zum Merger mit dem Druckerhersteller, profitiert das Unternehmen wieder, und zwar von der Zusammenarbeit mit RealNetworks . Compaq wird die Produkte von des Streaming-Spezialisten an prominenter Stelle auf Desktops platzieren. Aktien von RealNetworks gewannen mehr als sieben Prozent.

Die Aktie von Veritas dominierte am Mittwoch den Software-Sektor. Das Unternehmen hat einen Deal mit dem Hardware-Riesen IBM abgeschlossen. Big Blue wird Software von Veritas übernehmen und gibt dem Unternehmen Berater-Status. Außerdem empfehlen die Analysten von Salomon Smith Barney das Papier zum "Kauf" - Veritas gewann 2,5 Prozent.

Mit einem Plus von 37 Prozent war Millennium Cell bester Performer an der Nasdaq. Das Unternehmen hat eine Brennstoffzelle entwickelt, die DaimerChrysler jetzt erstmals in Autos testet. Analysten sehen in dem Antrieb auf der Basis von Natrium-Borhydrid eine Alternative zu herkömmlichen Brennstoffen, und Investoren kaufen auf einem Sechs-Monats-Hoch.

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