Trotz schwacher Märkte
Nasdaq hält an Börsenplänen fest

Es ist ein rauer Start für den neuen Nasdaq-Chef Wick Simmons. Der frühere Marine-Soldat und Harvard-Absolvent übernimmt den Chefsessel des nach Anzahl der gehandelten Titel weltgrößten Aktien-Handelsplatzes in einer Phase der Ernüchterung. Nach der geplatzten High-Tech-Blase meldet die Nasdaq-Börse Gewinneinbrüche und warnt, dass der Abbau von bisher 10% der Stellen noch nicht das Ende sein könnte.

NEW YORK. Dieselbe Nasdaq, die bis vor kurzem ansetzte, die Welt zu erobern und immer wieder die Vision von einem globalen Aktienhandel rund um die Uhr verkündete, kämpft jetzt mit dünn gesäten Börsengängen, einer großen Zahl von Delistings und Image-Problemen. Doch an ihren Zielen, bald an die Börse zu gehen und ein neues elektronisches Handelssystem einzuführen, hält sie fest.

Knapp 20 Mill. $ hat die Nasdaq im abgelaufenen Quartal verdient, gebenüber 45 Mill. $ im gleichen Quartal des Vorjahres. Zwar ist das Handelsvolumen noch leicht gestiegen, doch die Nachfrage nach Markt- Informationsdiensten brach ebenso ein wie die Einnahmen aus dem Listing-Service. "Es ist gar keine Frage, die Märkte sind schwer eingestürzt", sagte Simmons, "die Situation dürfte auch eine ganze Weile so schwierig bleiben". Doch gleichzeitig setze die Nasdaq die für den Börsengang notwendigen Schritte im geplanten Tempo fort. "Wir werden demnächst auf drei Kontinenten als Aktiengesellschaft in den Startlöchern stehen."

Experten glauben, dass der Nasdaq praktisch gar keine andere Wahl bleibt. "Die Börsen müssen sich gegenseitig aufkaufen, um zu überleben", sagt Unternehmensberater Andre Cappon von der CBM Group in New York, die sich auf die Beratung von Börsen spezialisiert hat. Ein Börsengang würde der Nasdaq die Währung für Übernahmen in Form eines Aktientauschs geben. "Die Nasdaq muss den Schritt jetzt tun, auch wenn es schwierig wird", glaubt Cappon. Marktanteile zu gewinnen sei derzeit vorrangige Strategie für sämtliche Handelsplätze und Börsen der Welt. "Dabei ist das Ausland am lukrativsten, hier in den USA sind die Pfründe schon weitgehend verteilt." Mehr Zahlkraft für den großen Wurf: Bisherige Versuche der Nasdaq, in Europa und Asien mit kleineren Akquisitionen Fuß zu fassen, zeigen noch wenig Erfolg.

Trotz des schwierigen Umfelds hält die Nasdaq auch an den teuren Plänen zur Einführung der neuen Handelsplattform Supermontage fest. Das System soll die Kauf- und Verkaufsgebote sämtlicher Mitgliedsfirmen in Form eines zentralen Limit-Orderbuchs detailliert auflisten und an zentraler Stelle zusammenführen. Bisher erscheinen auf den Nasdaq-Bildschirmen nur die besten Kurse der Mitgliedsfirmen, ohne dass der Nutzer eine Vorstellung von der Tiefe des Angebots bekommt. Von der neuen Plattform erhofft sich die Nasdaq wesentlich mehr Transaktionen, weil es für die Händler leichter wird, dort Käufer oder Verkäufer zu finden. Das brächte mehr Transaktionseinnahmen. Bisher laufen noch 70% des Handels mit an der Nasdaq gelisteten Aktien an der Nasdaq vorbei. Die Mitgliedsfirmen, oft große Brokerhäuser oder elektronische Handelsplätze, führen Käufer und Verkäufer meist noch innerhalb der eigenen Kundenreihen zusammen.

Allerdings fürchten Experten, dass sich die für Frühjahr nächsten Jahres geplante Einführung der Supermontage-Plattform verzögern wird. "Es könnte leicht bis zum Jahr 2003 dauern, bis das System einsatzbereit ist", vermutet Analyst Damon Kovelsky vom Technologie-Informationsdienst Meridien Research. Er verweist auf die Schwierigkeiten, die es gegeben hat, bis das wesentlich kleinere Handelssystem für individuelle Investoren Supersoes eingeführt war. "Die Technologie vieler Mitgliedsfirmen ist veraltet, die Handelssysteme sind sehr anfällig", erläutert Kovelsky. Die Europäer seien da weiter. Die Deutsche Börse hat mit der Xetra-Plattform längst ein zentrales Orderbuch eingeführt.

Unterdessen laufen elektronische Handelsplätze wie Instinet gegen das Supermontage-System Sturm. "Es nimmt den elektronischen Handelsplätzen ECN direkt Geschäft weg", erläutert Kovelsky. "Die Nasdaq, die bisher ein Mitgliederverein für die ECNs war, wird damit zu einem mächtigen Konkurrenten." Die ECNs bestehen jetzt darauf, dass die Mutter-Organisation NASD parallel eine eigene Plattform nach altem Format einrichtet um ihre Geschäfte an der Nasdaq vorbei zu schleusen.

Trotz aller Widrigkeiten bleiben die Investoren bei der Stange. Patrick Healy von der Investmentfirma Hellman & Friedman, die seit wenigen Monaten knapp 10 % der Anteile hält, steht zu seiner Entscheidung. "Die Nasdaq hat das richtige Konzept und bleibt eine erstrangige Kapitalanlage".

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