Trotz Skepsis
Ausblick: Dax könnte seine gute Form halten

Auch mit Blick auf die kommende Woche äußern sich Frankfurter Aktienhändler zum deutschen Aktienmarkt überwiegend zurückhaltend. Zu tief sind die Wunden, die der letzte Absturz gerissen hat, weil viele Marktteilnehmer immer noch auf den spätestens im Januar aufgebauten Positionen sitzen. Ausgehend von den USA ist irgendwie sogar Hoffnungslosigkeit eingekehrt. Mehr und mehr Fundamentalanalysten passen ihre Dax-Ziele nach unten an. Und die technischen Analysten sind nach dem Bruch der Unterstützung zwischen 6 250 und 6 000 ohnehin überwiegend negativ eingestellt.

vwd FRANKFURT. Der Grund für die verbreitete Skepsis liegt im Abschied von den Szenarien, im zweiten Halbjahr werde sich der Trend bei den US-Unternehmen bereits wieder zum Besseren wenden. Dieses Szenario hatte die Januar-Erholung ausgelöst. Jetzt ist die Rede von einem möglicherweise jahrelangen Abwärtstrend der US-Unternehmensgewinne. Schuld daran sind vermutlich die Unternehmen selbst, die, wie Cisco Systems oder Nortel, Turnaround-Spekulation als verfrüht bezeichnet haben. Andererseits sind die Kurse ohnehin im Abwärtstrend, positiven Szenarien würde womöglich gar kein Glauben geschenkt, also packen die Unternehmen möglicherweise alles Negative hinein.

Der Dax scherte sich zumindest in der vergangenen Woche um all das fast gar nicht mehr und holte zu einer kräftigen Erholung aus. Aus technischer Sicht kann auch argumentiert werden, bei 5 350 habe der Dax Mitte März das zehn- bis 20prozentige Abwärtspotenzial beim Bruch der 6.050er Marke bereits ausgeschöpft. Extrem langfristige Einstellungen zeigen bei der Stochastik sogar ein ähnlich überverkauftes Bild wie vor den Trendwenden 1991, 1988 und 1981.

Aus fundamentaler Sicht scheinen viele Gewinnschätzungen akut gefährdet, da Wachstumsschwäche oder Rezession in den USA auf die Ergebnisse drücken oder drücken könnten. Allerdings ist der Dax bei den derzeit kursierenden Schätzungen von akkumuliert 325 DM für das kommende Jahr und einer Zehnjahresrendite von gut 4,5 % am Anleihenmarkt klar unterbewertet, hier errechnet sich ein fairer Wert von 7 150 Punkten. Sollten die Analysten die Gewinnschätzungen tatsächlich halbieren, wäre die Rezession wohl offensichtlich, dann würde aber wohl auch die Rendite auf 3,5 % fallen, denn da kommt sie her. Dann wäre der Dax immer noch bei knapp 5 300 Punkten fair bewertet.

Das Risiko scheint also zunächst begrenzt. Außerdem könnte und sollte die Zange aus Geld- und Fiskalpolitik der US-Konjunktur schneller helfen als erwartet. Trotzdem droht das Risiko auch weiterhin aus den USA, denn zumindest beim Dow Jones hat ein starker weiterer Rückgang aus charttechnischer Sicht eine vergleichsweise hohe Wahrscheinlichkeit. Der Dax müsste sich also möglicherweise anhaltend von negativen US-Vorlagen lösen und die jüngste Relative Stärke beibehalten, um Käufe zu rechtfertigen.

Das gilt mit Blick auf die Vergangenheit als sehr unwahrscheinlich. Trotzdem gibt es einige Indizien, die dafür sprechen. Je mehr das Jahr fortschreitet, desto näher rücken Steuerfreiheit für die Veräußerungen von Beteiligungen und Euro-Bargeld-Einführung. Die Steuerfreiheit heizt die Fantasie auf eine umfassende Umstrukturierung der deutschen Unternehmenslandschaft mit Übernahmen und Fusionen an. Die Euro-Bargeld-Einführung könnte das Sentiment für den Euro-Raum verbessern sowie die internationale Aufmerksamkeit und Investitionen nach sich ziehen. Umso besser, wenn mit Geld- und Fiskalpolitik die Rezessionserwartung in den USA wieder ausgepreist wird. Dann könnten die Kurse deutscher Aktien Richtung zweites Halbjahr regelrecht explodieren, so wie das bereits nach der Asienkrise der Fall war.

In der kommenden Woche geben in den USA Einkaufsmanager-Index und Arbeitsmarktbericht neuen Aufschluss. Daneben gibt es erste Quartalsberichte, so von Alcoa. Auch zahlreiche deutsche Unternehmen äußern sich zur Geschäftsentwicklung, beispielsweise Linde, MAN, Conti, Boss, Baader, Escada, Wella, Merck und Dyckerhoff. Und dann warten viele auf das Übernahmeangebot der Allianz für die Aktien der Dresdner Bank.



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