Trotz Sommerflaute
Arbeitslosenzahl auf niedrigstem Juli-Stand seit 1995

ap NÜRNBERG. Die Arbeitslosigkeit ist in Deutschland trotz der Sommerflaute auf den niedrigsten Juli-Stand seit 1995 gesunken. Der im Ferienmonat Juli übliche Anstieg der Arbeitslosenzahlen fiel nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeit vom Dienstag geringer aus als im Vorjahr. Der Vizepräsident der Bundesanstalt, Otto Semmler, sagte, die spürbar steigende Produktion lass neue Arbeitsplätze entstehen. Dies gelte aber vor allem für die alten Länder. Die Opposition im Bundestag forderte eine Senkung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung. Semmler bezeichnete eine Diskussion über die Senkung des Beitrages zur Arbeitslosenversicherung ab dem Jahr 2002 für sinnvoll, wenn sich die Zahlen weiter positiv entwickelten.

Bundesarbeitsminister Walter Riester erklärte, die Bundesregierung komme ihrem Ziel, die Arbeitslosigkeit merklich abzubauen, Schritt für Schritt näher. Die Zahl der Arbeitslosen sei auf den niedrigsten Juli-Stand seit 1995 gesunken. Für das Gesamtjahr blieb Semmler vorerst bei der Prognose von etwa 3,8 bis 3,9 Millionen Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt. "Es ist ratsam, ein Urteil bis nach dem Ende der Sommerpause zurückzustellen." Bundesweit wurden im Juli 3,803 Millionen Arbeitslose registriert, das waren 79.300 mehr als im Vormonat. Gegenüber Juli 1999 sank die Zahl allerdings um 223.500. Die Arbeitslosenquote sank binnen Jahresfrist von 10,3 auf 9,3 Prozent. In den alten Bundesländern zählten die Arbeitsämter 2,466 Millionen Stellenlose. Die Quote lag dort nun bei 7,5 Prozent. In Ostdeutschland waren 1,337 Millionen Menschen ohne Arbeitsplatz. Die Quote betrug dort 17,0 Prozent.

Der saisonübliche Anstieg der Arbeitslosigkeit im Juli beruht im Wesentlichen darauf, dass sich Jugendliche nach Abschluss der Schule oder Ausbildung arbeitslos melden. Außerdem enden urlaubs- und quartalsbedingt Beschäftigungsverhältnisse. Auch die Beschäftigung in Deutschland erhöhte sich weiter spürbar. Die Zahl der Erwerbstätigen ist nach vorläufigen Schätzungen des Statistischen Bundesamtes im Mai saisonbereinigt um 31.000 gestiegen.

Lehrstellenmarkt entwickelt sich positiv

Auch auf dem Lehrstellenmarkt hat sich die positive Entwicklung nach Einschätzung Semmlers fortgesetzt, dennoch sei es noch zu früh für eine Entwarnung. "Für einen rechnerischen Ausgleich am Ausbildungsmarkt sind 3.000 zusätzliche betriebliche Lehrstellen erforderlich", betonte Semmler.

Der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion Rainer Brüderle forderte, die Bundesregierung müsse die Lohnnebenkosten endlich senken und dazu den Beitrag zur Arbeitslosenversicherung reduzieren. Der sozialpolitische Sprecher der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Johannes Singhammer, erklärte, die Regierung habe wegen der demographischen Entwicklung die Pflicht, die Beiträge mindestens um 0,5 besser sogar um einen Prozentpunkt zu senken.

Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) und PDS kritisierten, die Belebung am Arbeitsmarkt beschränke sich nur auf den Westen. Zugleich appellierten DGB, IG Metall und Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG) an die Unternehmen, Überstunden abzubauen. Würden die Firmen nur ein Drittel der Überstunden abbauen und ein weiteres Drittel durch zusätzlich Freizeit ausgleichen, könnten 400.000 neue Arbeitsplätze entstehen, rechnete die IG Metall vor.

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