Trotz steigender Umsätze keine Gewinne in Sicht
Internet-Buchläden sind keine Bestseller

Als die Buecher.de-Aktie vergangenen Sommer auf den Markt kam, war der Jubel groß. Allerdings nur kurz: Inzwischen sind die Kurse der meisten Internet-Buchhändler stark gesunken, viele haben sich halbiert. Analysten sind bei der Branche skeptisch. Nur die Großen werden überleben.

Es könnte alles so einfach und bequem sein: Nachts um zwölf noch schnell ins Internet, ein neues Buch aussuchen und schon am nächsten Tag wird es geliefert, ohne dass ein Pfennig für den Versand bezahlt werden muss. Doch stattdessen laufen die meisten Kunden lieber weiterhin in die Buchhandlung um die Ecke. Das Internet wird vorab zwar gern zum Informieren benutzt - aber nur selten auch zum Einkaufen. Die Geschäftsidee der Online-Buchhandlung scheint nicht aufzugehen, fürchten viele Analysten. Selbst die großen Anbieter wie Amazon.com oder Buecher.de schreiben bisher keine schwarzen Zahlen. Das wirkt sich auch negativ auf die Aktienkurse aus.

Auf Euphorie folgte Ernüchterung

"Die Anfangseuphorie ist weggebrochen", sagt Karsten Siebert, Analyst bei Independent Research. Er hat die Aktie der Firma Buecher.de bei ihrem Börsengang im Juli 1999 zum Zeichnen empfohlen. Heute bewertet er sie nur noch als "marktneutral". "Wir hatten größere Erwartungen", gibt er zu. Die Aktie feierte damals einen glänzenden Einstieg: Nach einem Emissionspreis von 19 Euro stieg sie noch am ersten Handelstag auf mehr als 50 Euro. "Das war eine absolute Übertreibung. Die Aktie wurde zu jedem Preis gekauft", erinnert sich Analyst Ralf Stromeyer von ABN Amro. Das Ganze habe sich aber schnell wieder abgekühlt. Die jetzige Bewertung von rund 25 Euro hält er für angemessener. Martin Sowa, Analyst bei WestLB Panmure, glaubt jedoch, dass dieses Tief nur vorübergehend ist: "Es ist eine Modeerscheinung, über B2C-Aktien herzuziehen."

Vielfältige Probleme

Die Probleme der Internet-Buchhandlungen sind im Moment allerdings noch vielfältig. Zum einen schlagen sich die traditionellen Buchläden besser als erwartet. Nach einer Studie von Forrester Research besteht ihr Wettbewerbsvorteil vor allem in den Beratungs- und Serviceleistungen. Auch sie können durch das Großhandelssystem schnell liefern, meistens binnen 48 Stunden. Aufgrund der Buchpreisbindung ist den Online-Konkurrenten zudem der Wettbewerb über den Preis verschlossen.

Forrester Research hält es daher für notwendig, dass sich Internet-Buchhandlungen durch Zusatzleistungen, wie beispielsweise Geschenkverpackungen oder Hintergrundtexte auf der Website, profilieren. "Doch diese Extras müssen finanziert werden", gibt Siebert von Independent Research zu bedenken. "Es ist fraglich, ob mit Büchern allein Geld gemacht werden kann." Daher nähmen immer mehr Anbieter weitere Artikel wie beispielsweise CDs mit in ihr Angebot auf.

Der Umsatz soll gesteigert werden, um Größenvorteile zu nutzen. Zurzeit setzt ein Verdrängungswettbewerb ein, denn nur wer die kritische Masse erreicht, könnte in Zukunft an einem lukrativem Markt teilhaben. So schätzt Jupiter Communications, dass im Jahr 2003 in Europa rund 2,1 Mrd. Euro für im Internet bestellte Bücher ausgegeben werden. "Das ist ein riesiger Markt mit Wachstumsraten von über 100 Prozent", glaubt Martin Sowa von WestLB Panmure. "Allerdings nur für die großen drei."

Die unumstrittene Nummer Eins ist auch in Deutschland das an der Nasdaq notierte amerikanische Unternehmen Amazon.com. Der Umsatz stieg im ersten Quartal von weltweit 293,6 auf 573,8 Mill. US-$. Auf der anderen Seite kletterte aber auch der Verlust von 31 auf 99 Mill. US-$. Der Aktienkurs liegt seit Anfang April um die 60-Dollar-Marke, nachdem er sich im August und Dezember 1999 schon jenseits von 110 US-$ bewegt hatte. "Man sollte die Aktie meiden", rät Emil Heppel, US-Aktien-Analyst bei der Bankgesellschaft Berlin. "Die Aussicht auf Gewinne ist nicht gegeben, also gibt es auch kein Kurspotenzial."

Um den zweiten Platz ringen in Deutschland Bol.com und Buecher.de. Bertelsmann hat kürzlich den Börsengang seiner Internet-Tochter Bol verschoben. Offiziell lag es an der Marktverfassung. Doch Stromeyer von ABN Amro vermutet einen anderen Grund: Rund 18 Mill. DM Umsatz wollte das Unternehmen im ersten Geschäftsjahr machen. "Ich habe den Verdacht, dass dieses Ziel nicht erreicht wurde."

Auch Buecher.de mit Verlust

Buecher.de verbuchte im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 16,4 Mill. DM. Im ersten Quartal lag er bereits bei 7 Mill. DM, worauf das Jahresziel von 37 auf 45 Mill. DM nach oben korrigiert wurde. Aber auch das Münchener Unternehmen macht Verlust, insgesamt 11,5 Millionen Mark im vergangenen Geschäftsjahr. In gleicher Höhe lagen allerdings die Marketingausgaben, die in der Branche wegen des harten Wettbewerbs ungewöhnlich hoch sind.

Um das Ergebnis trotzdem auszugleichen, wurden die Erlöse aus dem Börsengang in einem Spezialfonds geparkt, der nun die Finanzen schönt. Analyst Ralf Stromeyer sieht darin nichts Schlechtes, solange das Geld bald für Akqusitionen genutzt wird. "Ein richtiger Deal könnte dann auch Auslöser für eine bessere Kursperformance sein." Anderenfalls sieht er wenig Änderungen. Denn auch im Internethandel gilt jetzt: Nur big is beautiful.

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