Trotz Umsatzrekords im Frankfurter Börsensegment steht der Durchbruch erst noch bevor
Bühne frei für Indexfonds

Indexfonds werfen höhere Erträge ab als die meisten aktiv verwalteten Fonds. Kein Wunder, dass sie immer größeren Zulauf haben. Besonders komfortabel sind sie in der börsengehandelten Variante.

FRANKFURT/M. Morgen feiert das Fondshandelssegment der Frankfurter Börse XTF sein zweijähriges Jubiläum - mit einem beeindruckenden Umsatzrekord. Dabei ist das Potenzial längst nicht ausgeschöpft. Experten sind sich einig, dass Institutionelle Investoren bislang noch kaum verstehen, welche Möglichkeiten börsengehandelte Indexfonds, so genannte Exchange Traded Funds (ETF) bieten. Auch private Investoren hätten die Performance- und Kostenvorteile dieser Produkte bisher nicht wirklich realisiert.

Aber das dürfte sich ändern. Die jüngsten Zahlen von der Deutschen Börse geben einen Vorgeschmack. Das Handelsvolumen machte im März gegenüber dem Vormonat einen Sprung um 70 % auf knapp 4,8 Mrd. Euro. Das gesamte Fondsvermögen stieg auf 3,8 Mrd. Euro. Insgesamt können Investoren inzwischen 43 Aktien-Fonds ordern, die sich an einem Börsen-Index ausrichten. Außerdem im Angebot: 13 aktiv verwaltete Aktienprodukte, bei denen der Fondsmanager versucht, den Index mit gezielter Einzelauswahl zu übertrumpfen.

Das Geschäft konzentriert sich sehr stark auf die Indexfonds und hat in kurzer Zeit an Dynamik gewonnen. Andreas Fehrenbach, Geschäftsführer der zur Hypo-Vereinsbank-Gruppe gehörigen Investmentgesellschaft Indexchange, nennt die Vorteile der Produkte: "Sie sind so einfach handelbar wie Aktien und sehr kostengünstig." Der Anleger kann ETF während der gesamten Börsenzeiten von 9 bis 20 Uhr zum laufend aktualisierten Anteilpreis ordern. Bei herkömmlichen Investmentfonds wird dagegen nur einmal täglich ein Preis ermittelt. Ausgabeaufschläge entfallen. Außerdem sind die jährlichen Gebühren bei ETF deutlich geringer.

Hans-Peter Deutsch, Partner bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Andersen, kann aus Sicht von Privatanlegern nur wenige Nachteile gegenüber alternativen Indexprodukten wie Zertifikaten ausmachen: "Es werden keine Sparpläne mit ETF angeboten." Für Fehrenbach ist es eindeutig: "Per saldo sind die börsengehandelten Indexfonds bei der Entscheidung zwischen den beiden Produktgruppen die bessere Wahl".

Experten warnen jedoch davor, die jüngsten Umsatzzahlen zu hoch zu bewerten. "Das ist noch nicht der Durchbruch, denn das Geschäft konzentriert sich auf wenige Produkte", sagt etwa Oliver Bauer, ETF-Projektleiter bei Unico Asset Management, einer Tochter der zur genossenschaftlichen Bankengruppe gehörigen Union Fonds Holding. In der Tat vereinen nur drei Produkte 88 % des Handelsvolumens in ETF-Indexfonds auf sich. Es handelt sich um das Dax- und Euro-Stoxx-50-Produkt der Indexchange sowie ein weiteres Euro-Stoxx-50-Produkt von Merrill Lynch.

Laut Bauer fehlen den Institutionellen noch klare Vorstellungen über die Verwendungsmöglichkeiten von börsengehandelten Indexfonds. Etwa im kombinierten Einsatz von Index-ETF und Index-Futures: "Das ist eine Frage des Marketing und der Aufklärungsarbeit. Den Durchbruch erwarte ich zur Jahreswende 2002/2003."

Bei den privaten Investoren sei vielleicht noch ein Jahr mehr Geduld gefordert, meint der Experte von Unico. Bisher beteiligten sie sich nur in einem sehr geringen Umfang. "Die Wende kommt, wenn die Privatanleger anfangen, stärker auf Performance und Gebühren zu achten", glaubt Bauer. Auf längere Sicht würden aktiv verwaltete Fonds nur selten höhere Erträge abwerfen als an der Börse gehandelte Indexfonds.

Der Fondshandel an der Börse hat auch Auswirkungen auf die internen Aktivitäten der genossenschaftlichen Banken. Bereits im Herbst 1999 hatte die damalige DG Bank den Kunden der Volks- und Raiffeisenbanken eine Handelsmöglichkeit für eine Auswahl eigener Union-Fonds angeboten. "Das brachte zu den Hochzeiten zehn bis 20 Millionen Euro Umsatz pro Tag. Heute sind es nur noch ein bis zwei Millionen", sagt Luis Garcia de Ceca. Für den Leiter des Investmentfondshandels der DZ Bank liegt deshalb "die Zukunft ganz klar im Börsensegment."

Die DZ Bank fungiert schon heute als Market Maker, unter anderem für die sieben von Unico lancierten Produkte. Demnach gibt das Institut an der Börse verbindliche Kauf- und Verkaufspreise für die börsengehandelten Indexfonds vor.

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