Trotz Vorwahlsiegs in Puerto Rico
Hillary Clinton: Aussteigen – nur wie?

Es war die vorletzte Vorwahl und es war noch einmal ein eindrucksvoller Sieg: Hillary Clinton hat am Sonntag in Puerto Rico 68 Prozent der Stimmen und 38 Delegierte gewonnen. Dennoch wird Hillary auch dieser Erfolg nichts nützen. Es geht es nur noch darum, ob und wie sie weitermacht.

WASHINGTON. Ihr Gegenspieler Barack Obama holte lediglich 32 Prozent und 17 Delegierte. Aber schon am Dienstag wird Barack Obama in Montana und South Dakota siegen oder zumindest so gut abschneiden, dass er sich weiter der Delegiertenschallmauer von 2 118 nähert. Zwar kann er sie mit gewählten Delegierten nicht mehr überspringen. Aber seine Spitzenposition wird unter den rund 200 unentschiedenen Super-Delegierten genügend von ihnen dazu bringen, in sein Lager zu wechseln.

Wird Hillary Clinton noch Dienstag Nacht das Ende ihrer Kampagne erklären und Obama unterstützen, wird sie lediglich ihre Kandidatur suspendieren, damit sie technisch noch im Rennen bleibt und eingreifen kann, sollte Obama straucheln – oder wird sie es auf einen Showdown auf dem Parteitag in Denver ankommen lassen?

Es wird damit gerechnet, dass der Wunsch nach Einheit der Partei größer ist, als es auf ein hässliches Finale ankommen zu lassen. Inzwischen lassen auch Mitstreiter aus dem Hillary-Camp durchblicken, dass ihre Favoritin keine Chance mehr hat. So sagte etwa Tom Vilsack, ehemaliger Gouverneur aus Iowa: „Es scheint doch ziemlich klar zu sein, dass Obama der Kandidat sein wird. Nach dem Dienstag sollte sie das anerkennen und sich hinter ihn stellen.“

Doch es sieht so aus, als baue Hillary noch immer darauf, dass Super-Delegierte – auch wenn sie sich bereits festgelegt haben – durchaus noch ihre Meinung ändern können. Tatsächlich legt die Super-Delegierten nichts fest. Sie können sich zwar offiziell für einen Bewerber aussprechen. Doch das muss sie nicht daran hindern, auf dem Parteitag selbst ganz anders abzustimmen. Super-Delegierte sind völlig frei darin, wem sie am Ende ihre Sympathien schenken.

Zudem will sie mit der Zahl der absoluten Stimmen argumentieren. Nach Hillarys Zählung – welche Michigan und Florida einschließt – führt sie hier gegenüber Obama. Nur: Die so genannte „popular vote“ entscheidet nicht über den Kandidaten. Es sind alleine die erzielten Delegierten. Hillary will aber ihren möglichen Vorsprung bei den absoluten Stimmen dazu nutzen, um die Super-Delegierten auf ihre Seite zu ziehen.

Doch mögen all diese Argumente schon am Dienstagabend nicht mehr viel bedeuten. Sind die Vorwahlen erst einmal beendet wird eine Eigendynamik einsetzen und die Situation dürfte ganz neu bewertet werden. Denn am Ende geht es vor allem um den Einzug eines Demokraten ins Weiße Haus, nicht einer einzelnen Person.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
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