Trotzdem Warnstreiks
Bewegung im Tarifkonflikt für Ost-Metaller

In den Tarifkonflikt um die Einführung der 35-Stunden-Woche für die 310 000 Ost-Metaller kommt wieder Bewegung. Kurz vor Ablauf der Friedenspflicht an diesem Dienstag erklärten sich am Montag sowohl der Arbeitgeberverband Gesamtmetall als auch die IG Metall zu neuen Verhandlungen bereit. Einen konkreten Termin gibt es aber noch nicht.

HB/dpa BERLIN. Erstmals soll für den gesamten Osten verhandelt werden. Bislang waren neun regionale Verhandlungsrunden ohne jede Annäherung geblieben. Unabhängig von den neuen Gesprächen will die IG Metall am kommenden Montag mit ersten Warnstreiks beginnen.

Im Unterschied zur westdeutschen Metall- und Elektroindustrie wird im Osten bei fast gleichen Einkommen derzeit noch 38 Wochenstunden gearbeitet. Die IG Metall will für die Ost-Metaller nun einen Stufenplan für eine 35-Stunden-Woche durchsetzen. Dabei ist die Gewerkschaft je nach wirtschaftlicher Situation auch zu unterschiedlichen Regelungen für die verschiedenen Betriebe bereit. Damit könne eine Gefährdung "kränkelnder Betriebe" vermieden werden, erklärte der designierte Gewerkschaftschef Jürgen Peters in Frankfurt am Main.

Dagegen lehnte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser in Berlin eine baldige Absenkung der Arbeitszeit auf West-Niveau abermals strikt ab. "Es muss eines unserer vorrangigen Ziele sein, die Leistungskraft der Ost-Wirtschaft so schnell wie möglich zu steigern. Die Verkürzung der Arbeitszeiten geht dabei genau in die falsche Richtung." Kannegiesser sprach sich auch gegen Sonderregelungen für verschiedene Betriebe aus. "Im Flächentarif ist das nicht möglich."

Im Konflikt um die 35-Stunden-Woche sind die Fronten zwischen beiden Lagern seit langer Zeit verhärtet. Die Erfolgsaussichten einer neuen Verhandlungsrunde werden als gering beurteilt.

Bei der IG Metall laufen trotz der neuen Gespräche bereits die Vorbereitungen für eine Urabstimmung Ende Mai. "Wir sind streikfähig und streikbereit", sagte der Berliner IG-Metall-Bezirkleister Hasso Düvel der "Welt" (Montag). Im Gegenzug schloss Kannegiesser für den Fall eines Arbeitskampfes auch Aussperrungen nicht aus.

Der Gesamtmetall-Chef schlug abermals vor, eine Kommission einzusetzen, die die Angleichung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Ost und West regelmäßig überprüft. Davon solle abhängig sein, wann die 35-Stunden-Woche kommt. Entscheidend sei das wirtschaftliche Umfeld, sagte Kannegiesser. "Die Menschen wandern aus dem Osten ab, weil sie keine Arbeitsplätze bekommen und nicht, weil sie pro Tag eine halbe Stunde länger arbeiten müssen."

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