Trotziges Säbelrassen kurz vor Schluss
Metall-Tarifstreit bundesweit kurz vor dem Ende

Mit der Übernahme der am Mittwoch im schon traditionellen Pilotbezirk Baden-Württemberg ausgehandelten Einigung in allen anderen Gebieten wäre der Tarifstreit in Deutschlands Schlüsselbranche für die nächsten 22 Monate beigelegt.

wiwo/ap FRANKFURT/BERLIN. Auch die allermeisten regionalen Verbände haben bereits Zustimmung signalisiert. Der genaue Blick auf das Verhandlungsergebnis aus dem Südwesten ließ auch nichts anderes erwarten: Ab Juni sieht es Entgelt-Erhöhungen im Gesamtvolumen von4 % und ab Juni 2003 von 3,1 % vor. Für März und April gibt es nicht mehr Geld, dafür im Mai eine Einmalzahlung von 120 Euro. Damit hat die IG Metall ihre "vier vor dem Komma", auf der sie hartnäckig bestand, und die Arbeitgeber haben 22 Monate lang Ruhe vor weiteren Forderungen.

Dennoch hatte man bei der IG Metall befürchtet, dass das Ergebnis besonders in Ostdeutschland nicht auf Gegenliebe stoßen könnte. Es könne sein, dass die dortigen Arbeitgeberverbände die Einigung aus dem Südwesten als "Porsche"-Abschluss ansehen und für ihr Gebiet nur in Teilen übernehmen könnten, hieß es

. Neue Verhandlungen in Berlin-Brandenburg

Doch danach schaut es bislang nicht aus. Sogar im Tarifgebiet Berlin-Brandenburg werden am Freitag die Verhandlungen wieder aufgenommen. Darauf einigten sich VME-Hauptgeschäftsführer Hartmann Kleiner und IG-Metall-Bezirkschef Hasso Düvel in einem Sondierungsgespräch.

Das erklärte Ziel der Gespräche: Die Übernahme des Abschlusses von Baden-Württemberg, wie ein Sprecher des Verbandes der Metall- und Elektroindustrie (VME) mitteilte. Schon am kommenden Dienstag wolle man die Verhandlungen abschließen, sagte der Verbandsprecher. Da wirkte der Streik, zu dem die IG Metall in Berlin und Brandenburg am Donnerstag noch einmal 2.800 Beschäftigte in sechs Betrieben aufrief, wie trotziges Säbelrasseln.

Auch in den anderen Tarifgebieten müssen sich IG Metall und Arbeitgeber vor Ort noch einmal zusammensetzen, um über den Südwest-Abschluss zu beraten. Dabei wird damit gerechnet, dass die Regelung zur Erhöhung der Entgelte "eins zu eins" übernommen wird, wie Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser es ausdrückte. Besonders ein Abschnitt des dreiseitigen Tarifvertrags aber muss den regionalen Gegebenheiten angepasst werden: Der viel gelobte Einstieg in die finanzielle Gleichstellung von Arbeitern und Angestellten. Denn das in Baden-Württemberg ausgehandelte Entgelt-Rahmenabkommen ist passgenau auf die dortigen Verhältnisse zugeschnitten.

Probleme könnte die IG Metall allerdings mit ihrer eigenen Basis bekommen: Die Erwartungen waren hoch, die Forderung stand bei 6,5 % mehr Geld. Und nun liegt das Ergebnis selbst nach eineinhalb Wochen Streik kaum über dem letzten Arbeitgeberangebot. Während eines 15-stündigen Verhandlungsmarathons vor knapp einem Monat hatten die Arbeitgeber 3,3 % mehr Gehalt für 13 Monate sowie eine Einmalzahlung von 190 Euro angeboten.

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