Trübe Aussichten für Börsenkandidaten
Orange drückt Telekomkurse

Nach den Schwierigkeiten beim bevorstehenden Börsengang des Mobilfunkunternehmens Orange sind Telekom-Aktien am Mittwoch quer durch Europa unter Druck geraten.

mm/pot/rez FRANKFURT/M. Die France Télécom hat gestern überraschend die Preisspanne für den Börsengang ihrer Mobilfunktochter Orange gesenkt. Statt der zunächst geplanten 11,5 bis 13,5 Euro sollen die Orange-Titel jetzt für 9,5 bis 11 Euro auf den Markt kommen. Zudem verlängerte sie die Zeichnungsfrist für Privatanleger um einen Tag bis Freitag. Erster Handelstag soll nun der 13. Februar sein. Die Bewertung von Orange sinkt damit auf 45,6 bis 52,8 Mrd. Euro - rund 18 Prozent weniger als zunächst geplant.

> Die Schwierigkeiten der Franzosen verdüstern die Aussichten für weitere geplante Emissionen europäischer Telekomkonzerne. Der Konzern begründete den Schritt, der offenbar eine Reaktion auf geringes Anlegerinteresse darstellt, mit den "schwierigen Bedingungen" am Aktienmarkt. Vor kurzem hatte France-Télécom-Chef Michel Bon noch gesagt, er halte den Zeitpunkt der Emission für "außerordentlich gut gewählt". Nach dem Kursrutsch der vergangenen Monate bestehe "kein Risiko", dass sich der Markt weiterhin negativ entwickle.

Die Preissenkung unterstreicht die Finanzierungsprobleme der Telekomriesen und setzte ihre Aktien europaweit unter Druck. Am Nachmittag sackten die Titel von France Télécom und der holländischen KPN jeweils mehr als 6 % ab. Deutsche Telekom und die spanische Telefónica verloren je rund 3 %.

"Die Bewertungen der Konzerne, die ihre Mobilfunkfirmen noch nicht an die Börse gebracht haben, müssen nach Orange überdacht werden", sagte Frank Heise, Fondsmanager bei Union Investment. Gleich drei Branchenriesen - British Telecom, KPN und Deutsche Telekom - wollen in diesem Jahr ihre Mobilfunktöchter an die Börse bringen. Mit den Einnahmen wollen sie die Schuldenberge abbauen, die sie vor allem durch hohe Investitionen in die neue UMTS-Mobilfunktechnik aufgetürmt haben. Alle drei Konzerne sagten gestern, sie wollten an den geplanten Börsengängen im zweiten Halbjahr festhalten.

Auch Analysten erwarten wegen des hohen Finanzbedarfs keine Verschiebung der Emissionen. Vermutlich werden die Einnahmen aber niedriger als erwartet ausfallen. "Orange ist kein gutes Omen", sagte Christoph Vogt, Analyst bei MM Warburg. Die Börsenkandidaten müssten "Abstriche bei der Preisfindung machen". Nach Ansicht von Reinhard Pfingsten von der Fondsgesellschaft Adig war der Preisnachlass bei Orange aber das kleinere Übel, da die Platzierung der Orange-Aktien nun wohl erfolgreich verlaufen werde.

Die mit rund 60 Mrd. Euro verschuldete France Télécom verliert wegen der Senkung der Zeichnungsspanne Einnahmen von rund 1,5 Mrd. Euro. Das Unternehmen will bis zu 15 % von Orange platzieren und kann jetzt noch maximal 7,9 Mrd. Euro erlösen. Die Einnahmen braucht es zum Rückkauf eines zehnprozentigen Pakets eigener Aktien, die es der britischen Vodafone bei der Übernahme von Orange überlassen hatte. Auch die Anleihen von France Télécom gerieten gestern unter Druck. Die Entwicklung bei Orange sei negativ für die Mutter, urteilte Telekomanalyst Louis Landeman von Standard & Poor?s (S&P). Die Ratingagentur prüfe, welche Folgen die Mindereinnahmen auf den Schuldenabbau hätten.

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