Trügerischer Kursanstieg – „Bullenfalle“ droht
In Japan raten Analysten weiter zur Vorsicht

Ein SEB-Experte warnt davor, die Erholung als „Beginn eines Bullenmarktes“ anzusehen. Im Gegenteil: es sei eine „Bullenfalle“, in die deutsche Anleger hinein kaufen würden.

ga/rp TOKIO/DÜSSELDORF. Japans Aktien zeigen wieder Stärke. Nach kurzer Verschnaufpause haben sie am Donnerstag erneut zugelegt. Seit Anfang Februar ist der Nikkei-225-Index bereits um 23 % gestiegen. Doch liegt er mit rund 11 569 Punkten noch weit niedriger als vor knapp einem Jahr. Damals erreichte er gut 14 500 Punkte. Ist dies nun die Trendwende am Aktienmarkt in Tokio oder nur ein kurzes Strohfeuer?

Die Regierung übt sich in ihrem Monatsbericht für März in Optimismus. Erstmals seit Mitte 2000 schätzt sie die Konjunkturaussichten des Landes zuversichtlicher ein. Es gebe erste Anzeichen, dass die Talsohle in einigen Wirtschaftsbereichen erreicht sei. Eberhardt Unger vom SEB-Research bleibt indes skeptisch. Die Erholung sei in erster Linie vor dem Ende des Geschäftsjahres (31.3.) und einer gezielten Marktmanipulation durch die Regierung zu sehen. Die ganze Hoffnung, dass eine fundamentale Wende eingetreten ist, sei nicht beweisbar. Bisher seien das nur Äußerungen der Regierung und "denen traue ich einfach nicht mehr", sagt Unger.

Die Probleme, die zu dem Kursverfall geführt haben, seien noch nicht gelöst. Die Erholung führt der SEB-Experte beispielsweise auf die in Japan inzwischen eingeschränkten Leerverkäufe zurück. Der Markt sei stark überverkauft gewesen und die Marktteilnehmer mussten sich eindecken. Es handele sich also um ein markttechnisches Phänomen. Vermutlich hätten zudem die Pensionskassen Order bekommen, Aktien zu kaufen. Doch "wenn der 31. März vorbei ist, dann kommt die Wahrheit auf den Tisch", glaubt Unger, der mit einem neuen Rückschlag rechnet. Er warnt davor, die Erholung als "Beginn eines Bullenmarktes" anzusehen. Im Gegenteil: es sei eine "Bullenfalle", in die deutsche Anleger hinein kaufen würden. Hinzu käme noch das Währungsrisiko durch den zurzeit stärkeren Yen.

Auch in Tokio selbst sehen Analysten noch keinen grundlegenden Stimmungsumschwung. "Die japanische Wirtschaft ist unverändert hochgradig anfällig für in- und externe Schocks. Das längerfristige Wachstumspotenzial bleibt niedrig", erklärt Tomoko Fujii, von Nikko Salomon Smith Barney in Tokio. Und für Koichi Haji, Chef-Ökonom des führenden Lebensversicherungskonzerns Nippon Life, gibt es erhebliche Unsicherheitsfaktoren. Er zählt dazu die Entwicklung der US-Börse und das Auslaufen der Effekte durch die Leerverkaufsregeln. Dazu kommt ein Zinsanstieg am Rentenmarkt, sollte sich zeigen, dass die Regierung Koizumi ihr Neuverschuldungsziel wegen konjunkturell bedingt geringerer Steuereinnahmen nicht einhalten kann.

Ryoji Musha von Deutsche Securities in Tokio ist ebenfalls skeptisch. Er schließt bis zum Jahresende einen Sturz des Nikkei-Index bis auf 8 000 Punkte nicht aus. Ursache für den Kursanstieg sei lediglich "das Vergnügen des Marktes, von verbotenen Früchten zu kosten".

Andererseits prognostizieren Broker und Wirtschaftsinstitute für das neue Geschäftsjahr 2002/03 (April/ März) massive Gewinnsteigerungen bei den Unternehmen. Japans führende Wirtschaftszeitung Nikkei erwartet für die 1 643 börsennotierten Titel als Folge der Restrukturierungsmaßnahmen eine Vervierfachung der Gewinne.

Ertragssteigerungen werden beispielsweise für japanische Autohersteller erwartet. Shinji Kitayama von Shinko Securities empfiehlt Mazda Motor als "strong buy (starker Kauf). Er begründet dies mit positiven Effekten einer Fixkostensenkung, der anlaufenden weltweiten Einführung neuer Modelle und der zwischenzeitlichen Yen-Abwertung. Von dieser profitiere der stark exportabhängige Autokonzern.

Yutaka Sugiyama, UFJ Capital Markets Securities, setzt auf den zur Fujitsu-Gruppe gehörenden führenden Hersteller von Messtechnik, Advantest. Kazunori Kumata, Sakura Friend Research, gefällt das Handelshaus Daito Electron. Hiroyuki Terada von ING Baring Securities wiederum glaubt an eine erneute Belebung des Werbegeschäfts, von der Japans führende Agentur Dentsu profitieren sollte. Profitieren werde Dentsu von der Fußball-Weltmeisterschaft in Korea und Japan.

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