Trümmer fielen zwischen Neuseeland und Chile ins Meer
Mir verglüht planmäßig im Südpazifik

Mit einem Lichtspektakel ist die russische Raumstation Mir am Freitag beim Eintritt in die Erdatmosphäre größtenteils verglüht und planmäßig in den Südpazifik gestürzt.

afp KOROLJOW/AUCKLAND. Wie das Raumfahrt-Kontrollzentrum in Koroljow bei Moskau mitteilte, fielen die restlichen Trümmer der 15 Jahre alten und 137 Tonnen schweren Orbitalstation um 06.59 Uhr MEZ zwischen Neuseeland und Chile ins Meer. Dabei entstand nach Angaben der neuseeeländischen Behörde für maritime Sicherheit an den 27 Fischerbooten in dem Absturzgebiet kein Schaden. Nach der geglückten Zerstörung der Raumstation löste das Bundesinnenministerium in Berlin seinen Mir-Arbeitsstab auf. Das US-Verteidigungsministerium bestätigte die planmäßige Zerstörung, die in den Anrainerstaaten des Absturzgebietes mit Erleichterung aufgenommen wurde.

Beeindruckendes Lichtspektakel

Augenzeugen auf den Fidschi-Inseln sprachen von einem beeindruckenden Lichtschauspiel beim Absturz der Mir-Trümmer. Etwa eineinhalb Minuten lang sei ein langer orangefarbener Schweif am Himmel zu sehen gewesen, berichtete ein Korrespondent des US-Nachrichtensenders CNN. Im Moskauer Raumfahrt-Kontrollzentrum hielt die Leitung des Absturz-Manövers für kurze Zeit den Atem an. Das dritte und entscheidende Bremsmanöver im Weltall durch die Triebwerke des angedockten Progress-Transporters verlief offiziellen Angaben zufolge ohne Komplikationen. Die Station verließ damit die elliptische Umlaufbahn in rund 159 Kilometern Höhe. Vorangegangen waren in der Nacht zwei jeweils rund 20-minütige Bremsmanöver.

Der Chef der russischen Raumfahrtbehörde, Juri Koptew, nannte das gelungene Manöver ein "Beispiel dafür, dass Russland immer noch eine große Raumfahrt-Macht ist". Auch Ministerpräsident Michail Kasjanow zeigte sich zufrieden über den erfolgreichen Absturz des einstigen Stolzes der sowjetischen Raumfahrt. Einige Kosmonauten verfolgten den Todessprung der Mir im Kontrollzentrum mit Wehmut: "Wir Kosmonauten gehen jetzt erst einmal zusammen einen Cognac trinken. Die Mir können wir nicht so einfach aus unserem Gedächtnis streichen."

Bundesregierung dankt für den "hervorragend" kontrollierten Absturz

Die Bundesregierung dankte der russischen Regierung für die "hervorragende wissenschaftliche, technische und organisatorische Leistung" beim kontrollierten Mir-Absturz. Der Arbeitsstab beim Innenministerium stand nach eigenen Angaben in ständigem Kontakt mit dem russischen Kontrollzentrum und den deutschen sowie internationalen Raumfahrtorganisationen. Die Katastrophenschutzstäbe der Länder sowie der Einsatzstab des Technischen Hilfswerks waren demnach vorsorglich in Bereitschaft versetzt worden.

Das Pentagon bestätigte das geglückte Manöver. Obwohl Moskau die Zuverlässigkeit der Berechnungen versicherte, hatten sich Regierungen in aller Welt beunruhigt gezeigt, dass möglicherweise Trümmerteile in bewohntem Gebiet einschlagen könnten. Die japanische Regierung empfahl den Einwohnern des Landes, beim Absturz der Mir zur Sicherheit besser zu Hause zu bleiben. Chile bemängelte, dass Russland, den Pazifik als "Weltraum-Schrottplatz" missbrauche. Die Pazifik-Fischer hatten angesichts der zum Teil kleinwagengroßen Mir-Trümmer um ihr Leben gefürchtet. Wegen des Absturzes des bisher größten Raumgefährts wurden aus Sicherheitsgründen fünf internationale Passagierflüge in der Region verschoben.

Altersschwache Station wurde aus Geldmangel aufgegeben

Russland hatte sich hauptsächlich wegen Geldmangels und aus Sicherheitsgründen zur Zerstörung der altersschwachen Station entschlossen. Die im Februar 1986 gestartete Station hatte die Erde 93 000 Mal umkreist und dabei 3,7 Mrd. Kilometer zurückgelegt. Insgesamt mehr als hundert Menschen nahmen während der "Laufbahn" der Mir an Bord Experimente vor.

Der kontrollierte Absturz der Mir im Internet unter
www.mirreentry.com

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