Truppen dringen nach Dora vor
Israel startet nach Rückzug neue Offensive

Trotz eines Teilrückzugs ist die israelische Offensive im Westjordanland offenbar keinesfalls abgeschlossen. Wie die Armee bestätigte, rückte sie am frühen Dienstagmorgen in die Stadt Dura im Süden der besetzten Region ein.

ap JERUSALEM. Die neue Militärinvasion erfolgte, während sich die israelischen Soldaten aus den nördlichen Städten Tulkarem und Kalkilija zurückzogen. Zuvor hatten die Vereinigten Staaten Israel abermals zu einem sofortigen Abzug aus den palästinensischen Autonomiegebieten gedrängt.

Nach Armeeangaben rückten Panzer und gepanzerte Mannschaftswagen kurz vor Morgengrauen nach Dura ein. Kampfhubschrauber hätten ihnen Deckung aus der Luft gegeben. Augenzeugen berichteten, überall in der kleinen Stadt seien Feuerwaffen zu hören gewesen. Zuvor waren die ersten Panzer aus Tulkarem gerollt, wie aus palästinensischen Kreisen verlautete. Soldaten seien aus Schulen und anderen Gebäuden heraus gekommen, um sich auf ihren Abzug vorzubereiten. Später hätten rund 50 Panzer das ebenfalls vor etwa einer Woche besetzte Kalkilija verlassen.

Der israelische Verteidigungsminister Benjamin Ben Elieser hatte am späten Montagabend erklärt, Kalkilija und Tulkarem würden in den frühen Morgenstunden schrittweise geräumt. Der dortigen terroristischen Infrastruktur sei ein schwerer Schlag versetzt worden. So seien zahlreiche mutmaßliche Terroristen festgenommen und viele Waffen beschlagnahmt worden. Die Armee werde die beiden Städte allerdings weiterhin abriegeln, hieß es.

Die Bewohner von Tulkarem und Kalkilija hatten den israelischen Truppen relativ wenig Widerstand entgegen gesetzt. In Nablus und Dschenin hatten sich Palästinenser und Israelis dagegen heftige Gefechte geliefert. Dort waren die militärischen Auseinandersetzungen auch am Montag weiter gegangen. In Bethlehem war die Geburtskirche, in der sich bewaffnete Palästinenser verschanzt hatten, weiterhin von Soldaten belagert.

Powell verlangt weitere Schritte

In den vergangenen Tagen war der Druck der internationalen Staatengemeinschaft einschließlich der USA auf den israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon gewachsen, seine Truppen umgehend aus den palästinensischen Autonomiegebieten abzuziehen. Die Ankündigung des Rückzugs aus Tulkarem und Kalkilija war deshalb als ein Nachgeben angesichts des amerikanischen Drucks gewertet worden.

Eine neuerliche Ausweitung der israelischen Militäroffensive an anderer Stelle würde dieser Einschätzung allerdings widersprechen. Nach der israelischen Ankündigung über einen Rückzug erklärte US-Außenminister Colin Powell, er hoffe, dass Tulkarem und Kalkilija nur den Anfang bildeten und weitere Schritte folgten. Dies schien von Seiten Israels zunächst allerdings nicht geplant zu sein. Powell war am Montag in Marokko zunächst mit König Mohammed VI. und später auch mit dem saudischen Kronprinzen Abdullah zusammengetroffen. Am Dienstag wollte er seine Nahostmission in Kairo fortsetzen.

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