Truppen rücken vor
Israel reagiert mit Härte auf den jüngsten Terror

Die Regierung will nach dem Selbstmordanschlag wieder Teile der palästinensischen Autonomiegebiete besetzen. Die Armee rückte in der Nacht in drei Städte vor.

ap JERUSALEM. Israel will als Reaktion auf den jüngsten Selbstmordanschlag wieder Teile der autonomen palästinensischen Gebiete besetzen. Diese würden so lange besetzt bleiben, wie der Terror andauere, erklärte die israelische Regierung am Mittwochmorgen. Und wenn es weitere Anschläge gebe, würden auch weitere Gebiete besetzt, hieß es. Israel werde jetzt anders auf die Terroranschläge reagieren. Die Besetzung der Gebiete erfolge in Kürze.

Israelische Truppen drangen auf der Suche nach Extremisten in drei palästinensische Städte ein. Nach dem Selbstmordanschlag mit 20 Toten in Jerusalem rücken am Dienstagabend israelische Panzer in die Städte Dschenin ein, und schnitten sie vom angrenzenden Flüchtlingslager ab. Kampfhubschrauber schossen in das Flüchtlingslager, wie Palästinenser mitteilten. Es wurde ein Ausgehverbot verhängt. Später drangen israelische Panzer und Soldaten von mehreren Seiten in Nablus ein, wo nach Angaben der Armee drei Verdächtige festgenommen wurden. Danach zogen sich die Truppen wieder zurück. Auch in der Stadt Kalkilja suchten israelische Truppen nach Verdächtigen. Im Gebiet von Hebron habe es sechs Festnahmen gegeben, hieß es.

Der Anschlag in Jerusalem war der schwerste seit über sechs Jahren in der Stadt. 19 Fahrgäste eines Busses sowie der Attentäter starben. Unter den Todesopfern sowie den rund 55 Verletzten befanden sich nach Polizeiangaben zahlreiche Kinder und Jugendliche, die zur Schule fahren wollten. Zu der Tat bekannte sich die radikale Organisation Hamas.

Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon machte den palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat für das Verbrechen verantwortlich. Nach Angaben der Hamas handelte es sich bei dem Attentäter um den 22-jährigen Mohammed el Ghoul aus dem Flüchtlingslager El Faraa bei Nablus. Ein Hamas-Sprecher im Westjordanland sagte, die Organisation sei bereit, ihre Anschläge einzustellen, wenn Israel sich aus den besetzten Gebieten zurückziehe. An einer Straßensperre in der Nähe von Hebron erschossen israelische Soldaten ein Mitglied der radikalen Gruppe Islamischer Dschihad. Er soll für den Tod von zwei europäischen Beobachtern im März in Hebron verantwortlich gewesen sein.

Angesichts der gespannten Lage will US-Präsident George W. Bush offenbar wieder Außenminister Colin Powell auf eine Vermittlungsmission entsenden. Ein ranghoher Regierungsbeamter sagte der Nachrichtenagentur AP, die Reise könne bereits am kommenden Montag beginnen. Eine endgültige Entscheidung gebe es aber noch nicht. Bush verurteilte das Selbstmordattentat nach den Worten eines Sprechers "auf das Schärfste".

Ähnlich äußerte sich Bundesaußenminister Joschka Fischer für die Bundesregierung. Der Anschlag sei durch nichts zu rechtfertigen. Wegen des Anschlags verschob Bush seine mit Spannung erwartete Rede zur Lage im Nahen Osten. Aus Kreisen des Weißen Hauses in Washington verlautete am Dienstag, Bush werde sich nun frühestens am Donnerstag äußern. Zuvor werde er mit seinen Beratern die Auswirkungen des Anschlags erörtern. Am Montag hatten Regierungsbeamte die Rede Bushs für Dienstag oder Mittwoch angekündigt. Berater hatten erklärt, Bush sei für einen Übergangsstaat auf dem Gebiet, das die Palästinenser jetzt kontrollierten. Das sind 40 % des Westjordanlands und zwei Drittel des Gazastreifens.

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