Truppenverbände an der Grenze
Türkei besorgt über Kurden-Vormarsch im Nordirak

Nach der Einnahme der nordirakischen Ölstadt Kirkuk durch kurdische und US-Verbände hat sich die Türkei am Donnerstag besorgt über den Vormarsch kurdischer Kämpfer geäußert. Eine dauerhafte Präsenz kurdischer Kämpfer in der Stadt sei für die Türkei inakzeptabel, sagte ein Regierungssprecher in Ankara.

Reuters ANKARA. Außenminister Abdullah Gül sagte, "alles wird mit großer Aufmerksamkeit beobachtet." US-Außenminister Colin Powell habe jedoch zugesichert, dass die USA für einen Abzug der kurdischen Kämpfer aus Kirkuk sorgen würden. Die Regierung in Ankara befürchtet, ein Erstarken der Kurden im Nordirak könne auch separatistische kurdische Bestrebungen im Südosten der Türkei fördern. Die USA haben die Türkei vor einer Intervention im Nordirak gewarnt. Ein Reuters-Korrespondent berichtete, irakische Einheiten hätten die Verteidigung Kirkuks aufgegeben.

"Was immer nötig ist, wird getan. Gegenwärtig sind Gespräche im Gange. Der Standpunkt der Türkei in dieser Frage ist offen und klar", sagte Gül. Ein Regierungssprecher sagte später, "es wäre nicht wichtig, wenn die kurdischen Peschmergas spontan handeln und wieder abziehen würden. Es wäre aber inakzeptabel, wenn sie dort dauerhaft blieben." Die Einnahme des Ölzentrums Kirkuks könnte nach türkischer Ansicht den Kurden eine finanzielle Grundlage für die Bildung eines eigenen Staates schaffen. Die USA und die Kurden haben wiederholt erklärt, eine solche Unabhängigkeit werde nicht angestrebt. An der türkisch-irakischen Grenze hat die Türkei große Truppenverbände zusammengezogen. Diese könnten in den Irak einmarschieren, falls die Türkei ihre Interessen bedroht sieht.

Ein kurdischer Befehlshaber erklärte, die Stadt sei unter Kontrolle. Reuters-Korrespondent Mike Collet-White berichtete, abgesehen von vereinzelten Schießereien, habe er keine Anzeichen für Widerstand irakischer Einheiten in Kirkuk gesehen. B-52-Bomber der US-Luftwaffe hatten die Stadt noch am Morgen angegriffen. Einwohner berichteten, die irakischen Soldaten hätten entweder ihre Waffen niedergelegt oder sich in die weiter südlich gelegene Stadt Tikrit zurückgezogen. Eine BBC-Reporterin berichtete, beim Einmarsch der kurdischen und US-Verbände habe es Jubelszenen in der Stadt gegeben.

Kirkuk liegt an der bisherigen Grenze zwischen dem Einflussgebiet der irakischen Zentralregierung und dem kurdisch-kontrollierten Norden. Diese Zone war nach dem Golfkrieg 1991 von den westlichen Alliierten als Schutzgebiet für die Kurden gebildet worden.

Ein türkisches Eingreifen im Nordirak könnte die Auszahlung eines Milliarden-Dollar-Hilfsprogramms der USA gefährden. Vor dem Krieg war ein 30-Milliarden-Dollar-Paket gescheitert, nachdem das türkische Parlament die Stationierung von 60 000 Soldaten der US-Invasionstruppen in der Türkei abgelehnt hatte. Die US-Regierung befürchtet einen "Krieg im Krieg" zwischen türkischen Soldaten und kurdischen Kämpfern, die sich einer türkischen Invasion widersetzen könnten.

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