Tscheche avanciert zum Star
Der Unhaltbare

Milan Baros schießt bei der EM Tor und Tor - dabei saß er in Liverpool lange auf der Bank. Jetzt scheint bei ihm der Knoten geplatzt zu sein.
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PORTO. Wenn Karel Brückner etwas zu sagen hat, braucht er dafür keine Worte. Der tschechische Nationaltrainer blickt zunächst starr geradeaus, fünf, zehn Sekunden lang, dann beginnen seine Gesichtsmuskeln zu zucken und signalisieren deutlich, ob er zufrieden ist oder nicht. Am späten Sonntagabend befand Brückner sich im Zustand höchster Glückseligkeit, nach diesem 3:0-Sieg über Dänemark im Viertelfinale der Fußball-Europameisterschaft in Portugal. Neben ihm saß Milan Baros, die schwarzen Haare noch schweißnass. Gerade war er zum "Mann des Spiels" der einseitigen Partie in Porto gewählt worden, doch Brückner würdigte ihn keines Blickes. Allein das Spiel seiner Lachmuskulatur verriet, wie zufrieden er mit dem Stürmer vom FC Liverpool war. In Worte gekleidet klang das sehr viel spröder: "Warum soll ich überrascht sein von Milan? Ich weiß doch, wie gut er ist."

Der Star dieser Europameisterschaft heißt Milan Baros. Zwei Tore erzielte der 22-Jährige gegen Dänemark, fünf sind es bereits im gesamten Turnier, damit liegt er auf Platz eins der Torschützenliste. Anders als Karel Brückner hat nicht jeder gewusst, wie gut Milan Baros ist. Besser gesagt: wieder ist. Der Tscheche hat ein fürchterliches Jahr hinter sich. Am 13. September 2003 brach er sich bei einem Ligaspiel in Blackburn den Knöchel. Dort hatte ihn Markus Babbel umgegrätscht. "Es war ein völlig fairer Zweikampf", sagt Baros heute. "Markus trifft keine Schuld." Der Bruch aber war so kompliziert, dass Baros zwei Stunden lang operiert wurde und anschließend fünf Monate lang pausieren musste. Der FC Liverpool fiel währenddessen in der Premier League ins Mittelmaß zurück, Teammanager Gerard Houllier geriet unter Druck und scheute das Risiko, den genesenden Baros wieder ins Team einzubauen.

Baros stand vor der kuriosen Situation, dass er zwar in einer der stärksten Nationalmannschaften der Welt spielen durfte und auch Tore schoss, beim kriselnden FC Liverpool aber nur auf der Tribüne saß. In Portugal deutet Baros an, dass er sich verraten fühlte von dem Mann, der ihn vor drei Jahren von Banik Ostrava an die Merseyside geholt hatte: "Houllier hat mich überhaupt nicht mehr beachtet. Das hat mich verletzt. Wenn er geblieben wäre, hätte ich den Verein verlassen." Aston Villa war sich mit Baros' Manager schon fast einig, da trennte sich Liverpool von seinem französischen Trainer. In der kommenden Saison betreut der Spanier Rafael Benitez die Mannschaft, und Baros will von einem Wechsel nichts mehr wissen: "Ich will allen zeigen, dass ich in Liverpool genauso spielen kann wie in der Nationalmannschaft."

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