Tschechien feiert
„Danish Dynamite" mal ganz anders

Sie gelten eigentlich als die Sympathgieträger und Beispiel für friedliche Fußball-Feten schlechthin. Doch dieses Mal ging es vor allem in Kopenhagen bei den dänischen Fußball-Fan hoch her.

HB KOPENHAGEN/PRAG. Die Veranstalter der TV-Übertragung auf dem Kopenhagener Rathausplatz wussten sich nicht mehr anders zu helfen: "Wir ziehen den Stecker raus, wenn dieser Mist nicht aufhört", drohten sie den dänischen Fans, die frustriert Bierflaschen gegen die Großbild-Leinwand warfen, nachdem Dänemark 0:3 gegen Tschechien verloren hatte.

"15 Minuten reichten, und die Stimmung hatte sich von einem Fußballfestival zu einem Beerdigungsunternehmen verwandelt", fasste der Reporter der Nachrichtenagentur Ritzau seine Eindrücke zusammen. Als dann auch Berichte über die Bedrohung von tschechischen Fans unter den 20 000 Zuschauern einliefen, schickte die Polizei sogar noch Verstärkung auf den Platz. Für Dänen ein ganz und gar ungewohntes Bild, denn Niederlagen der Nationalmannschaft werden hier normalerweise gelassen hingenommen.

"Danke für das EM-Fest - Wir sehen uns in Deutschland 2006" betitelte in diesem Sinn "Ekstra Bladet" ein Bild der Spieler und schrieb über jede der zehn Sonderseiten zum Tschechien-Spiel "Mehr Glück bei der WM". Trotz der enormen Enttäuschung nach dem Desaster im Viertelfinale hatten auch die Boulevard-Journalisten nicht vergessen, dass gerade im eigenen Land kaum jemand der dänischen Nationalmannschaft ein Weiterkommen in Portugal zugetraut hatte. Zum Spiel gegen Tschechien allerdings musste vor allem der bisher fast als unangreifbar geltende Trainer Morten Olsen heftige Kritik schlucken. "Mit den Auswechslungen hat er gewartet, gewartet und noch mal gewartet. Olsen hat uns in das Aus gepennt," schimpfte "Ekstra Bladet". "B.T." übte sich in Galgenhumor: "Haus der offenen Tür bei der Olsen-Bande."

Einen Abschied voller Respekt bekam trotz aller Enttäuschung Mittelstürmer Ebbe Sand von Schalke 04. "Seine Bedeutung haben wir gesehen, als er jetzt im letzten Spiel fehlte", schrieb "Ekstra Bladet" zur Entscheidung des 31-Jährigen, wegen zu starker physischer Belastung nach 66 Länderspielen mit 22 Toren künftig nicht mehr "Danish Dynamite" zum Zünden zu bringen.

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