Tschechien scheitert mit kompletter Privatisierung der Stromwirtschaft: Neue Chancen für Eon und RWE

Tschechien scheitert mit kompletter Privatisierung der Stromwirtschaft
Neue Chancen für Eon und RWE

Die Privatisierung der tschechischen Stromwirtschaft als Paket ist misslungen. Nun denkt Prag über ein neues Konzept nach. Das bringt die deutschen Stromriesen Eon und RWE zurück im Spiel.

jow/ews PRAG/DÜSSELDORF. Das Scheitern der gebündelten Privatisierung der tschechischen Stromwirtschaft lässt deutsche Stromkonzerne aufhorchen. Branchenkenner und unternehmensnahe Quellen gehen davon aus, dass sich die in Tschechien bereits tätigen Eon AG, Düsseldorf, und RWE AG, Essen, an Verkaufsverhandlungen beteiligen würden, falls Prag die Stromwirtschaft nun zur Privatisierung in einzelne Unternehmen aufspaltet.

Beide Stromkonzerne sagen unisono, erst müsse Prag die neuen Pläne vorlegen, dann könne man reagieren. Eon hatte zuvor erklärt, an einzelnen regionalen Stromversorgern, nicht aber am zentralen Stromkonzern CEZ interessiert zu sein. CEZ betreibt auch die Atomkraftwerke Temelin und Dukovany.

Ein neuer Anlauf zur Privatisierung ist erforderlich geworden, nachdem die Regierung die Ausschreibung für ein Paket aus dem Prager Stromkonzern CEZ AS, sechs regionalen Versorgern und dem Hochspannungsnetz Ceps ohne Ergebnis abgebrochen hat.

Der Ausschreibungsfavorit, der Pariser Stromriese Electricité de France SA (EDF), hat zwar Prager Quellen zufolge 213 Mrd. Kronen (6,6 Mrd. Euro) geboten und damit das Regierungsziel von 200 Mrd. Kronen übertroffen, wollte aber Bedingungen wie eine Mindestabnahme tschechischer Braunkohle nicht erfüllen. Das konkurrierende Konsortium aus dem italienischen Stromkonzern Enel und der spanischer Iberdrola hat nur 140 Mrd. Kronen geboten.

Tschechiens Regierungschef Milos Zeman nannte beide Angebote "unvorteilhaft für unser Land". Die Regierung werde bis Ende Februar ein neues Konzept zur Privatisierung der Stromwirtschaft vorlegen.

Verantwortlich dafür sind Finanzminister Jiri Rusnok und Industrieminister Miroslav Gregr. Gregr hatte auf Empfehlung der Unternehmensberatung Deloitte & Touche im Juli 2000 einen gebündelten Verkauf der Stromwirtschaft durchgesetzt und will auch jetzt daran festhalten. Diese Vorgehensweise kommt EDF zugute und den deutschen Interessenten ungelegen.

In der Branche kursieren nun Gerüchte, dass sich die Regierung auch ohne neue Ausschreibung mit EDF einigen könnte, um die Privatisierung noch vor den Neuwahlen im Sommer abzuschließen. Minister Gregr indes streitet jegliche Eile ab. Der Verkauf könne auch nach den Wahlen abgeschlossen werden.

Die CEZ-Aktie stieg gestern im deutschen Handel um rund fünf Prozent. Analysten des zur belgischen KBC-Gruppe gehörigen Prager Brokers Patria Finance empfehlen CEZ zum Kauf bis zum Kurs von 110 Kronen (3,40 Euro). Gestern stand die Aktie bei gut 78 Kronen.

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