Tschechiens Innenminister verteidigt schärfere Maßnahmen
Prag bestätigt Attas Aktivitäten in Tschechien

Der mutmaßliche Terrorist Mohamed Atta war öfter in Tschechien als bisher angenommen. Atta habe sich in 2000 und 2001 für mehrere Tage in Prag aufgehalten, sagte Tschechiens Innenminister Stanislav Gross dem Handelsblatt am Dienstag.

jow PRAG. Prag überprüft zudem ein bisher unbekanntes Treffen Attas mit irakischen Agenten im Mai 2000. Informationen, dass sich Atta mehrere Wochen in Tschechien aufhielt, wollte Gross "im Interesse der Geheimdienste" nicht kommentieren. Atta soll jene Terroristen geführt haben, die am 11. September das erste Flugzeug in das World Trade Center steuerten. Attas Prager Treffen mit irakischen Agenten ist bisher die einzige Verbindung zwischen den Anschlägen und dem Irak. Bagdad dementiert bisher jegliche Verwicklung in die Anschläge.

Gross bleibt bei der Darstellung, Atta habe sich "eine bis vier Wochen vor dem 22. April 2001 - konkreter kann ich nicht werden - mit dem irakischen Diplomaten und Agenten Ahmed Khalil Ibrahim Samir Al-Ani getroffen", der in Prag als Vize-Konsul fungierte. Al-Ani wurde am 22. April 2001 ausgewiesen, nachdem der tschechische Sicherheitsdienst BIS ein "komplexes Dossier" vorgelegt hatte. Demzufolge stand Al-Anis Verhalten "nicht im Einklang mit seinem diplomatischen Status" - was auf Spionage hindeutet.

Gross bestätigte einen Aufenthalt Attas Anfang Juni 2000, den Tschechiens Premier Milos Zeman zuvor herunterspielte hatte. Hatte Zeman erklärt, Atta sei Anfang Juni 2000 "nur kurz in der Transit-Wartehalle" des Prager Flughafens gewesen, um in die USA zu fliegen, so sagte Gross jetzt: "Atta kam am 2. Juni 2000 in den frühen Morgenstunden mit einer Buslinie aus Deutschland nach Prag und flog am 3. Juni in die USA." Mit wem Atta sich in Prag traf, liegt im Dunkeln. Nach Geheimdienstangaben in Prag traf sich Atta bereits am 18. Mai 2000 mit Al-Ani in Tschechien; tags darauf mit einem anderen irakischen Agenten (Deckname "Abu Ahmed"). Atta soll dabei Geld erhalten haben. "Ich will nicht ausschließen, dass das zutrifft, aber ich kann dies nicht bestätigen", sagt Gross dazu. Er schließt auch nicht mehr aus, dass andere Verdächtige im Zusammenhang mit den US-Anschlägen in Tschechien waren.

Experten zufolge wurden die Kontakte in Tschechien abgewickelt, weil das Risiko gering war. Prag hatte nach dem Fall des Kommunismus die Ermittlungsbehörden klein gehalten und die Zuständigkeit für Polizei, Geheimdienst und Spionageabwehr getrennt. Gross sieht daher Reformbedarf. Vorstöße, die Asyl- und Sicherheitsgesetz zu verschärfen scheiterten jedoch: "Als Minderheitsregierung können wir gegen die hysterische Reaktion der Opposition nichts ausrichten."

Mitarbeit: Rick Jervis, Wall Street Journal Europe; Jan Hrbacek, Hospodarske Noviny

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