Tschechiens Stromkonzern will expandieren
CEZ will sich an slowakischer Stromwirtschaft beteiligen

Der dominante tschechische Stromkonzern CEZ will in andere Länder Mittel- und Osteuropas expandieren. CEZ-Chef Jaroslav Mil sagte am Dienstag der tschechischen Tageszeitung Hospodarske Noviny, CEZ werde sich an der Privatisierung der regionalen Stromversorger in der Slowakei beteiligen. Der Vorstand denke in einem nächsten Schritt auch über eine Expanion "in die Ukraine und weiter" nach.

PRAG. Mit der Expansion versucht CEZ seine Attraktivität für strategische Investoren zu steigern. CEZ befindet sich zurzeit im Prozess der Privatisierung. Um das Zweidrittel-Aktienpaket des Staats in CEZ - mitsamt dem Hochspannungsnetzbetreiber CEPS und den Staatsanteilen in sechs regionalen Stromversorgern - bewerben sich mehrere westliche Konsortien. Analysten favorisieren bisher die französische Electricité de France SA (EDF) und ein italienisch-spanisches Konsortium aus Enel SpA und Iberdrola SA. Ebenfalls im Rennen ist das britisch-amerikanische Konsortium aus International Power und NRG, das sich vom deutschen Eon-Konzern beraten lässt.

Eon hatte im Zuge des deutschen Atomausstiegs im Sommer die Abnahme tschechischen Atomstroms eingestellt, ist aber weiterhin stark engagiert in verschieden regionalen Stromversorgern Tschechiens. Laut Angaben aus NRG-Quellen soll Eon für die Beratung im Falle des Erfolgs Vorkaufsrechte für die bisher staatli-chen Aktienpakete in den Regionalversorgern erhalten.

Analysten zufolge kann der Staat mit dem Verkauf des Stromkonplexes einen Erlös von 120 bis 140 Mrd. Kronen (3,61 bis 4,21 Mrd. Euro) erzielen. Die Regierung rechnet indes mit bis zu 200 Mrd. Kronen.

Vor allem Enel, aber auch die EDF haben angekündigt, CEZ solle zum regionalen Stromkonzern aufsteigen. Enel-Chef Franco Tatò hatte gegenüber dem Handelsblatt sogar angekündigt, Enel wolle über CEZ mit Stromlieferungen in den deutschen Markt vordringen. Die italienische Presse hatte daraufhin vermutet, Enels Einstieg in CEZ sei nur eine Vorstufe, um danach auch deutsche Energiefirmen zu kaufen. Ein Enel-Sprecher wies indes derartige Spekulationen zurück.

Mil selbst richtet den Blick für Zukäufe weniger nach Deutschland als nach Osten: "Wir würden uns gerne an der Privatisieriung des slowakischen Verteilernetzes beteiligen sowie am Verkauf der regionalen Stromversorger in der Westslowakei (ZSE), in der Zentralslowakei (SSE) und der Ostslowakei (VSE)." Mil zufolge will sich CEZ danach auch als "strategischer Partner" des Strom-erzeugers und Kernkraftwerkbetrei-bers Slovenske Elektrarne (SE) anbieten. Beide Stromnetze waren bis 1993 in der Tschechoslowakei vereint und wurden erst im Zuge der Aufteilung beider Länder getrennt. Mil: "Wegen unserer gemeinsamen Ge-schichte und Kultur sind uns die Slowaken am nächsten."

Gerade die Expansion nach Osten würde es CEZ erlauben, auch weiterhin billigen Strom nach Westeuropa zu exportieren. CEZ-Chef Mil zufolge schloß der Konzern jüngst Auktion neue Verträge mit deutschen Gesellschaften über ein Lieferkontingent "von 8 bis 9 Terrawattstunden" ab . Die politisch bedingte Vertragskündigung durch Eon im Sommer dieses Jahres ärgert den CEZ-Chef noch heute: "Aber wir hätten uns in dem entsprechenden politischen Umfeld wohl genauso verhalten."

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