Tschetschenien
Putin schließt Verhandlungen mit Maschadow nicht aus

dpa MOSKAU. Der russische Präsident Wladimir Putin schließt Verhandlungen mit dem gewählten Präsidenten Tschetscheniens, Aslan Maschadow, nicht mehr prinzipiell aus. "Man könnte mit Maschadow reden", sagte Putin. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (ai) warf Russland erneut vor, tschetschenische Gefangene zu foltern. Im Kriegsgebiet dauerten unterdessen die Partisanenüberfälle an. In der Hauptstadt Grosny wurden drei russische Ärzte von Unbekannten erschossen. Zwei russische Polizisten starben bei einer Minenexplosion.

Putin sagte in dem Interview, Gespräche mit Maschadow seien aber faktisch nicht möglich, da er für Moskau inakzeptable Verhandlungspartner aus den Reihen radikaler Feldkommandeure vorschiebe. Russland erkennt Maschadow seit mehreren Monaten nicht mehr als Präsidenten an und sucht ihn mit Haftbefehl.

Für Tschetschenien könne es letztendlich nur eine politische Lösung geben, sagte Putin. Er hatte am Donnerstag Tschetschenien einer Direktverwaltung durch den Kreml unterstellt. In den nächsten zwei bis drei Tagen werde die Ernennung eines Verwaltungschefs für die Republik erwartet, meldete die Nachrichtenagentur Interfax.

Putin kündigte eine unerbittliche Fortsetzung des Kampfes "gegen Banditen und Terroristen" im Kaukasus an. "Wir haben nicht zum Ziel, Tschetschenien zu versklaven", sagte Putin. Aber die russische Führung habe nach dem Überfall von Rebellen auf die Nachbarrepublik Dagestan im August 1999 und den verheerenden Bombenanschlägen auf russische Wohnhäuser im Herbst keine andere Wahl gehabt, als erneut in die Kaukasus-Republik einzumarschieren. "Tschetschenien ist nur eine Episode des Unheils, das sich langsam auf Europa zu bewegt, aber dort noch nicht gespürt wird", sagte er. "Und dieses Unheil heißt internationaler Terrorismus."

Amnesty beschuldigte die russischen Behörden, in den Gefangenenlagern würden tschetschenische Männer, Frauen und Kinder "systematisch gefoltert". "Sie werden vergewaltigt, mit Hämmern und Stöcken geschlagen, mit Elektroschocks und Tränengas misshandelt", heißt es einem neuen ai-Bericht, den die Zeitung "Moscow Times" am Freitag zitierte.

ai hatte dazu Berichte von Tschetschenen gesammelt, die Anfang Mai im Lager "Internat" in Urus-Martan bei Grosny festgehalten wurden. Unter anderem berichtete ein 20-jähriger Tschetschene, er sei von vier Offizieren der Sonderpolizei OMON mit Stöcken vergewaltigt und geschlagen worden. In den "Filtrationslagern" halten die russischen Behörden Tschetschenen fest, die sie der Mitgliedschaft in den Freischärler-Einheiten verdächtigen.

In Grosny wurden am Freitag zwei russische Polizisten auf einer Patrouille durch eine Mine getötet. Der Sprengsatz war auf einer Straße im Stadtteil Leninski versteckt, meldete die Agentur Interfax unter Berufung auf das russische Innenministerium. Kampfflugzeuge und Helikopter der russischen Armee flogen nach Militärangaben etwa 45 Einsätze gegen Stellungen der Rebellen in den Bergen.

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