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Tschetschenische Rebellen überfallen Inguschetien

Moskau (dpa) - Tschetschenische Rebellen haben in der Nacht zum Dienstag strategisch wichtige Objekte im benachbarten Inguschetien überfallen und zahlreiche Menschen getötet. «Es gibt viele Opfer unter den Sicherheitskräften wie auch in der Zivilbevölkerung», sagte der inguschetische Präsident Murat Sjasikow im Regierungssitz Magas.

Moskau (dpa) - Tschetschenische Rebellen haben in der Nacht zum Dienstag strategisch wichtige Objekte im benachbarten Inguschetien überfallen und zahlreiche Menschen getötet. «Es gibt viele Opfer unter den Sicherheitskräften wie auch in der Zivilbevölkerung», sagte der inguschetische Präsident Murat Sjasikow im Regierungssitz Magas.

Die Behörden sprachen offiziell von 6 Toten und 50 Verletzten. Unter den Toten ist auch der amtierende Innenminister der Teilrepublik, Abukar Kostojew. Berichte über Dutzende getötete Polizisten wurden nicht bestätigt.

«Die Sicherheitskräfte haben die Lage unter Kontrolle. Die Rebellen sind zerschlagen und versuchen zu entkommen», teilte ein Sprecher des Inlandsgeheimdienstes FSB am Dienstagmorgen gegen 6.00 Uhr Ortszeit in Inguschetien mit. Über tote oder verletzte Rebellen wurden keine Angaben gemacht. Auch in der Teilrepublik Dagestan, östlich von Tschetschenien, gab es in der Nacht Feuergefechte.

Die Rebellen waren am Montagabend gegen 23.00 Uhr Ortszeit mit Granatwerfern und Maschinenpistolen bewaffnet nach Inguschetien eingedrungen. Über Stunden lieferten sich Sicherheitskräfte und Freischärler Feuergefechte um das Innenministerium sowie Polizeistationen und Grenzposten. Das Innenministerium stehe in Flammen, berichtete ein Reporter des Fernsehsenders NTW am Morgen.

Inguschetische Journalisten berichteten vor Ort, auf den Straßen der Stadt Nasran hätten tote Soldaten und Polizisten gelegen. Der Moskauer Radiosender «Echo Moskwy» meldete am frühen Morgen unter Berufung auf inguschetische Quellen, beim Sturm auf einen Polizeiposten in Nasran seien mindestens 30 Milizionäre getötet worden.

Die Rebellen sollen nach vorläufigen Erkenntnissen von Tschetschenien und Nord-Ossetien nach Inguschetien eingefallen sein. Es war der schwerste Übergriff bewaffneter Gruppierungen im Nordkaukasus außerhalb Tschetscheniens seit Jahren. «Dahinter steckt das Ziel, die Lage zu destabilisieren», sagte der inguschetische Präsident Sjasikow in einer ersten Reaktion.

Die Tschetschenien-Politik des Kremls war zuletzt im Mai durch den tödlichen Anschlag auf den Moskau-treuen Präsidenten Achmat Kadyrow erschüttert worden. Kadyrows designierter Nachfolger bei den Wahlen Ende August, Alu Alchanow, teilte vor einigen Tagen mit, die versprengten Bandenführer hätten nur noch 500 Mann unter ihrem Kommando. Die Rebellen sind gespalten in radikale Islamisten sowie nationalistische Kräfte, die seit zehn Jahren für eine Ablösung von Russland kämpfen.

Der nationalistische Rebellenanführer und frühere tschetschenische Präsident Aslan Maschadow hatte in der Vorwoche aus dem Untergrund angekündigt, von der bisherigen Taktik des Partisanenkrieges abzugehen und wieder offene Kampfhandlungen zu provozieren. Im Herbst 1999 hatte ein Rebellenüberfall auf Dagestan den zweiten Tschetschenienkrieg ausgelöst.

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