Türkei gibt Luftraum frei: USA entfesseln Bomben-Inferno über Bagdad

Türkei gibt Luftraum frei
USA entfesseln Bomben-Inferno über Bagdad

Im Irak-Krieg haben die USA am Freitagabend die erwartete große Offensive aus der Luft begonnen. Dutzende von Marschflugkörpern schlugen nach Augenzeugenberichten im Regierungsviertel in Bagdad ein und lösten heftigste Explosionen aus. Gigantische Rauch- und Staubwolken stiegen in den Nachthimmel auf. Mehrere Gebäude, darunter der Präsidentenpalast, standen in Flammen - die Erde bebte. Am späten Abend erschütterte eine zweite Angriffswelle die Fünf-Millionen-Stadt.

dpa BAGDAD/WASHINGTON/LONDON. US-Generalstabschef Richard Myers bestätigte am Abend in Washington den Beginn intensiver Bombardements. In den folgenden Stunden würden mehrere hundert militärische Ziele angegriffen. Das Pentagon hatte eine Aktion "Angst und Schrecken" mit massivsten Luftschlägen angekündigt. Bis zum Abend habe die US-Luftwaffe 1000 Einsätze geflogen. Auch in den Öl-Städten Kirkuk und Mosul im Norden des Irak gab es heftige Luftangriffe.

Zunächst waren Ziele im Umland der irakischen Hauptstadt angegriffen worden. Dabei dürfte für den Vorstoß der alliierten Bodentruppen der äußere Verteidigungsring Bagdads ins Visier genommen worden sein. Auf Drängen der USA gab die Türkei am Abend ihren Luftraum für Kampfeinsätze gegen den Irak frei. US- Präsident George W. Bush sagte vor dem Kongress, es sei nicht möglich abzuschätzen, wie lange der Krieg dauern werde. Der Feldzug sei aber sorgfältig geplant.

Alliierten melden erste strategischer Erfolge

Im Süden des Landes meldeten amerikanische und britische Truppen nur wenige Stunden nach Beginn der Bodenoffensive erste strategische Erfolge. Die südirakische Hafenstadt Umm Kasr ist nach Angaben des britischen Generalstabs von den alliierten Truppen erobert worden. Der britische Premier Tony Blair bestätigte, die Halbinsel Fao vor der südirakischen Hafenstadt Basra sei ebenfalls fest in der Hand der Alliierten. Die wichtigen Ölquellen seien gesichert.

Der irakische Verteidigungsminister Sultan Hashem Ahmed wies die Angaben energisch zurück. Die irakische Armee habe den britischen und US-Truppen schwere Verluste zugefügt. Weder Briten noch Amerikaner sagten die Wahrheit, betonte Ahmed am Freitag in Bagdad. Nach seiner Darstellung gehen die Kämpfe um die Hafenstadt Umm Kasr sowie um die Halbinsel Fao weiter.

Die amerikanische Infanterie setzte ihren Vormarsch auf Bagdad fort. Ein mitfahrender CNN-Reporter berichtete, schwere Panzer rollten mit Geschwindigkeiten von mehr als 50 Stundenkilometern durch die Wüste nach Norden. Sie standen laut BBC bereits 200 Kilometer nördlich von Kuwait.

CNN: Irakische Soldaten ergeben sich in großer Zahl

Ein Reporter des US-Fernsehsenders CNN berichtete, eine größere Zahl von Gefangenen werde in einem Lagerhaus festgehalten. Nach britischen Angaben sollen sich irakische Soldaten in großer Zahl ergeben haben. Es seien lediglich sieben und nicht - wie zuvor gemeldet - 30 Ölquellen im Südirak in Brand gesteckt worden.

Alliierte Einheiten könnten bereits "binnen drei bis vier Tagen" Bagdad erreichen, sagte ein britischer Militärsprecher. Sie träfen bei ihrem Vormarsch im allgemeinen auf wenig Widerstand. Dem wurde von irakischer Seite heftig widersprochen.

Die vier Korrespondenten des US-Nachrichtensenders CNN wurden von den irakischen Behörden aufgefordert, umgehend das Land zu verlassen. Die Fernsehübertragung aus Bagdad sei aber weiter gesichert, sagte eine Sprecherin.

Vor den Toren der irakischen Stadt Nasirija - rund 300 Kilometer südöstlich von Bagdad - wurden alliierte Truppen in Kämpfe verwickelt, wie ein sie begleitender BBC-Korrespondent berichtete. Die Iraker hätten anscheinend "herbe Verluste" erlitten. Die Stadt ist von strategischer Bedeutung für den Vormarsch auf Bagdad. Laut CNN eroberten die Alliierten außerdem zwei wichtige Flugplätze im Westen des Irak.

Das Weiße Haus bestätigte am Freitag, dass auf dem Video nach den ersten Luftschlägen wirklich Saddam zu sehen ist. Die Stimmidentifizierung habe ergeben, dass es Saddams Stimme gewesen sei, sagte US-Präsidentensprecher Ari Fleischer. Am Freitagabend zeigte das irakische Fernsehen Saddam erneut beim Kriegsrat mit seinen engsten Mitarbeitern. Wann die Bilder tatsächlich aufgenommen wurden, blieb unklar.

Erste Verluste der Alliierten

Die Alliierten meldeten erste Verluste. In Nord-Kuwait kamen nach offiziellen Angaben acht britische und vier amerikanische Soldaten beim Absturz eines Transporthubschrauber vom Typ CH-46 Sea Knight ums Leben. Er sei nicht abgeschossen worden, sagte ein britischer Militärsprecher. Nach Medienberichten kamen zwei US- Marineinfanteristen bei Kämpfen ums Leben.

Am Freitagabend wurde in Kuwait-Stadt wieder Luftalarm ausgelöst. Zuvor hatte die irakische Armee ihre Raketenangriffe auf Kuwait fortgesetzt. Nach kuwaitischen Angaben konnte die Luftabwehr zwei irakische Raketen abfangen. Eine andere schlug in der Wüste ein.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%