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Türkei nimmt Privatisierungen in Angriff

Die türkische Regierung will jetzt den Verkauf von Staatsunternehmen beschleunigen. Ab Ende dieser Woche können Gebote für Mehrheitsbeteiligungen an der staatlichen Raffineriegesellschaft Tupras und den Tabak- und Branntweinmonopolisten Tekel abgegeben werden. Damit reagiert Ankara offenbar auf die jüngste Kritik des Internationalen Währungsfonds (IWF).

ghö ISTANBUL.Der Fonds hatte vergangene Woche die Freigabe einer weiteren Kredittranche für die Türkei vorerst zurückgestellt, weil die Regierung mit den zugesagten Strukturreformen in Rückstand ist. Dazu gehören auch die Privatisierungen, von denen die meisten bereits seit Monaten überfällig sind. Für den Zeitraum Januar bis Mai hatte die Regierung ursprünglich Privatisierungserlöse von 210 Millionen Dollar angesetzt. Tatsächlich kamen bisher aber nur zwölf Millionen in die Kasse. Für das Gesamtjahr erwartet die Regierung mit dem Verkauf von Staatsunternehmen zwei Milliarden Dollar einzunehmen.

Für das Raffinerieunternehmen Tupras (Türkiye Petrol Rafinerileri AS) sucht die Privatisierungsbehörde jetzt einen strategischen Investor, der den Staatsanteil von 65,76 Prozent übernimmt. Die Ausschreibung solle am kommenden Samstag veröffentlicht werden und die Gebotsfrist am 18. September ablaufen, erklärte der Chef der Privatisierungsbehörde, Metin Kilci am Mittwoch in Ankara. Ebenfalls am Samstag will die Regierung ihre Pläne für das Monopolunternehmen Tekel bekannt geben, das nach einem ähnlichen Modell wie Tupras privatisiert werden soll.

Ein bereits laufendes Bieterverfahren für die Privatisierung des Petrochemiekonzerns Petkim Petrokimya Holding SA werde an diesem Freitag abgeschlossen, kündigte Kilci an. Von den 33 Elektrizitätsversorgungsnetzen sind 19 zur Privatisierung vorgesehen. Davon sollen einige noch in diesem Jahr Investoren angeboten werden. Damit geht die Regierung nun allerdings hinter eine zuvor dem IWF gemachte Zusage zurück, alle 33 Netze noch in diesem Jahr zur Privatisierung auszuschreiben.

Ihre Pläne zur seit Jahren diskutierten, bisher aber nicht in Angriff genommenen Privatisierung der staatlichen Fernmeldegesellschaft Türk Telekomunikasyon AS will die Regierung im kommenden Monat erläutern. "Wir hoffen, im Juli einen Fahrplan vorlegen zu können", sagte Privatisierungs-Chef Kilci. Die Telekom-Privatisierung ist ein wichtiges Element des mit dem IWF vereinbarten Reformprogramms. Der Marktwert des Unternehmens wird auf rund fünf Milliarden Euro veranschlagt.

Es erwirtschaftete 2002 einen Nettogewinn von umgerechnet 877 Millionen Euro. Im Gespräch ist, etwa 25 % der Telekom-Anteile als Aktien an die Börse zu bringen oder als Wandelanleihen zu platzieren. Kürzlich hatte die Regierung angekündigt, die Teilprivatisierung des Unternehmens im ersten Quartal 2004 abschließen zu wollen. Voraussetzung dafür ist aber nach den Worten des Chefs der Privatisierungsbehörde ein deutliche Verbesserung der Markbedingungen.

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