Türkei-Schweiz
„Dieser Sieg war Balsam für unser Land“

Trainer Fatih Terim betete in der Halbzeitpause, und es hörte auf zu regnen: Die Türkei hat den Euro-Traum der Schweizer beendet, der zur zweiten Halbzeit dank der Drainage wieder bespielbare Platz brachte die Wende.

HB. GENF. In der Pause habe er ein kleines Gebet gesprochen, sagte Fatih Terim. Mach, dass der Regen endlich aufhört, beschwörte der Trainer der türkischen Nationalmannschaft den Himmel. Denn seine Spieler waren in der ersten Halbzeit auf dem von Wasser getränkten Rasen fast untergegangen gegen Schweizer, die rannten, als gebe es kein Morgen mehr. Deutlich besser als Terims Türken seien die Eidgenossen damit zurecht gekommen, die komischen Bewegungen des Balles im Baseler St. Jakobspark zu antizipieren.

Zwar wurde Terim erhört, es hörte tatsächlich auf zu regnen. Dass es in Halbzeit zwei aber überhaupt wieder möglich war, Fußball zu spielen, hatten die Türken ausgerechnet der vorbildlichen Organisation der Schweizer zu verdanken. Die hatten im Rasen eine Drainage verankert, die nach dem Spiel sogar von der Uefa gelobt wurde: "Wir waren beeindruckt von der Drainage in der zweiten Halbzeit", sagte hernach Uefa-Sprecher William Gaillard. Der Rasen sei viel besser bespielbar gewesen als gegen Ende der ersten Halbzeit.

Dank der Drainage gelang den Türken die Wende. Auf dem abgetrockneten Geläuf erzielte die Mannschaft von Terim den Ausgleich und in der Nachspielzeit sogar noch das 2:1. "Vom Auftritt und Willen her waren wir in der zweiten Halbzeit einen Tick besser. Es war für uns nicht einfach - wir haben es aber gemeistert", sagte Hamit Altintop vom FC Bayern München. "Wir haben gezeigt, dass wir eine ordentliche Mannschaft sind."

Zweieinhalb Jahre nach dem "Skandalspiel von Istanbul", bei dem es nach dem Scheitern in der Qualifikation für die WM 2006 gegen die Schweiz zu wüsten Prügeleien gekommen war, ist damit den Türken die sportliche Revanche geglückt. "Es ist ein wunderbares Gefühl", sagte Trainer Terim. "Diese drei Punkte geben uns viel Hoffnung. Die EM hat für uns erst jetzt richtig begonnen. Dieser Sieg war Balsam für unser Land."

Die türkischen Fans genossen die gelungene Revanche für die verpasste Weltmeisterschaft in vollen Zügen. Millionen Fans stürmten nach dem Abpfiff auf die Straßen in Istanbul, Ankara und auch in den deutschen Großstädten und feierten bis in die Morgenstunden. Die türkischen Zeitungen überschlugen sich gestern mit Lobeshymnen: "Türkischer Aufstand in Basel: Wir haben die Rechnung von Istanbul beglichen", titelte zum Beispiel das Massenblatt "Hürriyet".

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