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Türkei sucht nach Wegen aus der Krise

Nach schweren Ausschreitung bei Massenprotesten gegen die türkische Regierung wurde über der Hauptstadt Ankara ein Demonstrationsverbot verhängt.

dpa ISTANBUL/ANKARA. Bei Massenprotesten gegen die Finanz- und Wirtschaftskrise ist es am Mittwoch in der türkischen Hauptstadt Ankara und in der zentralanatolischen Stadt Konya zu schweren Ausschreitungen gekommen. Dabei seien allein in Ankara mehr als 200 Menschen, darunter mehr als 130 Polizisten, verletzt worden, berichtete die Nachrichtenagentur Anadolu. Der Zustand von drei Verletzten sei kritisch. Die Demonstranten warfen Holzlatten, Steine und Schuhe.

Die Polizei ging mit gepanzerten Fahrzeugen, Wasserwerfern, Schlagstöcken und Tränengas gegen die Menge vor. Die Polizisten gaben auch Warnschüsse in die Luft ab. Rund 100 Demonstranten wurden den Angaben zufolge in Ankara, etwa 50 in Konya festgenommen. Insgesamt hatten sich im ganzen Land schätzungsweise mehr als 200 000 Händler und Kleinunternehmer den Protesten angeschlossen. Nach den schweren Ausschreitungen wurde am Abend über Ankara ein Demonstrationsverbot verhängt. Laut Anadolu darf in der Hauptstadt einen Monat lang nicht mehr protestiert und demonstriert werden.

Die Demonstranten forderten erneut den Rücktritt der Regierung von Ministerpräsident Bülent Ecevit. Auf Plakaten stand "Hau ab IWF (Weltwährungsfonds) - das ist unser Land", "Wir haben Hunger", "Jetzt reicht es" und "Die Regierung ist am Ende". Ecevit forderte eine Beendigung der seit Tagen andauernden Demonstrationen. Er warnte davor, dass die Proteste negative Auswirkungen auf die Tourismusbranche haben könnten.

Unterdessen wies Ecevit erneut Forderungen nach einem Rücktritt zurück. Diejenigen, die einen Rücktritt der Regierung forderten, müssten eine Alternative vorschlagen. Die Krise war durch einen Streit zwischen Ecevit und Präsident Ahmet Necdet Sezer über die Bekämpfung der Korruption ausgelöst worden. In der Folge hatte die Landeswährung Lira im Vergleich zum $ um mehr als 40 % an Wert verloren. Die Istanbuler Börse war eingebrochen, zahlreiche Unternehmen gingen Pleite.

Das türkische Militär will angesichts der schweren Krise 32 Projekte mit einem Volumen von insgesamt 19,5 Mrd.. $ aussetzen. Das berichtete der private türkische Fernsehsender NTV unter Berufung auf den Generalstab. Die türkische Regierung sucht derweil weiter nach einem Weg aus der Krise und will noch in dieser Woche - vermutlich am Freitag - ein umfassendes Programm bekannt geben.

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