Türkei vor der Entscheidung
"Alles in Gottes Hand"

"Wir gewinnen auf jeden Fall", glaubt der türkische Trainer Senol Günes. Ein Sieg gegen China allein reicht aber nicht. Für den Einzug ins Achtelfinale braucht die Türkei brasilianische Schützenhilfe. An ein Ausscheiden mag Günes gar nicht erst denken.

dpa SEOUL. Die Türkei steht am Scheideweg: Einzug ins WM- Achtelfinale oder Heimflug mit Schimpf und Schande. Dabei liegt es nicht allein in der Hand der Mannschaft, ob die zweite Runde mit einem Sieg im letzten Vorrundenspiel am Donnerstag (08.30 Uhr) über das bereits ausgeschiedene China erreicht wird. Das Team von Trainer Senol Günes benötigt bei einem deutlichen Erfolg auch die Hilfe von Brasilien, das zur gleichen Zeit mit mindestens zwei Toren Differenz über Costa Rica triumphieren muss. "Wir gewinnen auf jeden Fall. Aber alles andere liegt in Gottes Hand", meinte Günes nach dem Abschlusstraining.

In der Begegnung im World-Cup-Stadion von Seoul entscheidet sich auch die Zukunft des Trainers. Beim WM-Ausscheiden wird Günes den Laufpass bekommen. "Ich bin mir durchaus bewusst, was dann passiert. Die Kritiken in der Türkei und die schlechte Stimmung im Land habe ich mitbekommen", sagte der Trainer. Er kündigte am Mittwoch in Seoul an: "Wir sind stets beschimpft worden. Am Ende der WM wird es einiges zu sagen geben. Ich werde alles erklären." Das Management der Türkei ist jedoch vom Weiterkommen überzeugt. Flüge, Hotels und Plätze im japanischen Miyagi wurden bereits gebucht.

Für Yildiray Bastürk stehen die Zeichen im türkischen Team schlecht. Der Mittelfeldakteur von Bayer Leverkusen ist bei dem WM- Turnier seiner Form hinterher gelaufen. Sein Einsatz gegen China wird deshalb nicht erwartet. "Die Entscheidung liegt allein beim Trainer. Ich kann doch nichts machen", meinte Bastürk enttäuscht. Mit Özalan Alpay und Hakan Ünsal kehren zwei zuletzt gesperrte Spieler in den Kader zurück. Auf Hakan Sükür will der Trainer nicht verzichten, obwohl der Kapitän und Torjäger in den ersten beiden Spielen gegen Brasilien (1:2) und Costa Rica (1:1) müde, unkonzentriert und ungefährlich auftrat. Arif Erdem und Ilhan Manzis warten auf ihren Einsatz, sollte Sükür wieder eine schwache Vorstellung bieten.

Chinas Trainer Bora Milutinovic hat sein Team mit einem Besuch des Spiels Dänemark - Frankreich auf den vorläufig letzten WM-Auftritt eingestimmt. "Es war gut, dass sie diese Atmosphäre mitbekommen haben", meinte der Trainer-Weltenbummler. Er möchte einen besseren Abtritt von der Bühne des Fußballs in Südkorea als der entthronte Weltmeister: "Wir wollen nicht ohne Torerfolg abtreten. Das ist unser großes Ziel gegen die Türkei."

Für "Milu" ist das Spiel gegen die Türken der letzte Auftritt auf der WM-Bühne. Der 62-Jährige kündigte seinen Rückzug vom großen Fußball an. "Ich weiß ja nicht, wie lange ich noch lebe." Er wolle sich mehr um seine Familie in Mexiko kümmern, sagte er der dpa. Milutinovic hatte 1986 bei der WM in Mexiko die Gastgeber betreut, 1990 in Italien war er für Costa Rica verantwortlich, 1994 für Gastgeber USA und 1998 in Frankreich für Nigeria. Nach jedem Turnier gab er seinen Posten als Nationaltrainer auf und zog weiter.

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